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Gastronomie Hamburger Restaurant verliert Mitarbeiter – weil Beamte ihn für Drogendealer halten

Gastronomie
Das Hamburger Restaurant "Salt&Silver" verliert Mitarbeiter, weil Beamte denken, er sei ein Drogendealer (Symbolbild)
© Getty Images
Im "Salt&Silver" kämpft man mit den gleichen Problemen wie überall in der Gastronomie: Gutes Personal ist rar. Jetzt hat das Restaurant seine Spülkraft verloren. Der Grund ist kompliziert. In einem offenen Brief prangert der Betreiber nun die Ungerechtigkeit an.

Spülen ist ein unbeliebter Job in der Gastronomie. Händeringend suchten die Betreiber des Hamburger Restaurants "Salt&Silver" eine Spülkraft. Über eine Zeitarbeiterfirma fanden sie Issi. Er sprach weder Deutsch noch Englisch richtig. Aber er spülte die Berge von schmutzigen Tellern, die in einem Restaurant täglich anfallen. Oft bis spät in die Nacht.

Doch irgendwann hatte Issi Pech. Beamte haben Issi, den Spüler, mitgenommen. Das ist der Grund dafür, warum Johannes Riffelmacher, Betreiber vom "Salt&Silver", einen offenen Brief verfasst und die Ungerechtigkeit der Polizei anprangert. Die Beamten waren im Recht. Aber "im Recht sein ist nicht das Gleiche wie gerecht sein", schreibt Riffelmacher. Was war passiert? 

Statt eines Dealers schnappte die Polizei Issi

Beamte in Zivil waren auf der Spur eines Drogendealers, unweit des Restaurants am Hamburger Hafen. Doch statt diesen Mann zu erwischen, schnappten sie Issi. Der handelt zwar nicht mit Drogen – dennoch wurde er auf die Wache mitgenommen.

Dort wurden seine Papiere geprüft und es stellte sich heraus, dass Issi ohne Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland lebt. Er hatte keine Arbeitserlaubnis. Issi heißt auch nicht Issi, sondern Ibrahim. Offenbar hatte er sich mit falschen Papieren bei seinem Arbeitgeber, einer Putz- und Spülkraftvermittlung, angemeldet. Die Betreiber von "Salt&Silver" wussten davon nichts. Sie suchen jetzt nach einer neuen Spülkraft.

Auf Facebook haben den offenen Brief mittlerweile über 100.000 Menschen gelesen, er wurde knapp 400 Mal geteilt. Dass die Beamten rechtens gehandelt haben, stehe hier nicht zur Debatte, sondern die Situation an sich: Da ist ein Mensch, der gern gearbeitet hat, in einem Job, den niemand machen will und jetzt perspektivlos fest steckt.

"Ich kenne mich mit Gesetzen nicht gut aus, aber ich kann beurteilen, was vor meinen Augen passiert"

"Wir brauchen aber Menschen wie Issi", sagt Riffelmacher im Gespräch mit dem stern. "Zurzeit gibt es in der Gastronomie in  Hamburg rund 5000 unbesetzte Stellen. Und es ist fast unmöglich jemanden zu finden, der die Jobs macht, die am unteren Ende der Nahrungskette stehen. Wer will denn spülen? Es ist schon schwer genug, Köche zu finden. Wir brauchen Menschen, die einfach nur arbeiten wollen. Issi war so einer." 

Die Realität aber sieht anders aus. Bei Geflüchteten und Asylbewerben besteht ein stark beschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt. Informationen und Antworten dazu liefert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die bürokratischen Hürden sind undurchsichtig - vor allem für diejenigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Aber Johannes Riffelmacher ist weder Arbeitsrechtler, noch Politiker. "Ich kenne mich mit Gesetzen nicht gut aus, aber ich kann beurteilen, was vor meinen Augen passiert. Die Menschen sind hier und die gehen auch so schnell nicht wieder weg. Es macht also wenig Sinn, sie davon abzuhalten, Geld zu verdienen. Vielleicht muss man das ganze System überdenken. Ich kann währenddessen nur über den Status Quo und dessen Fehler sprechen." 

"Am Ende brauche ich jemanden, der die Teller spült"

Das Problem des Arbeitskräftemangels ist in der Gastronomie allgegenwärtig. Es fehlt nicht nur an Spülern, sondern auch an Köchen. "Wir würden nie jemanden ohne Papiere anstellen, weil wir uns damit selber strafbar machen würden, aber es gibt einfach kaum jemanden, der spülen will. Und wir wissen wie hart der Job ist", sagt Riffelmacher.

Wenn das "Salt&Silver"-Team sein Feierabend-Bier trank, stand Issi in der Küche und spülte. "Wir haben einen großen Respekt vor denjenigen, die diese Arbeit machen. Und es spielt für uns keine Rolle woher sie kommen oder welche Aufenthaltsgenehmigung sie haben. Mir ist natürlich klar, dass diese Ansicht einseitig ist, denn es gibt die Regeln ja aus bestimmten Gründen. Aber am Ende brauche ich jemanden, der die Teller spült. Den einzigen, den ich damals gefunden hatte, war Issi."

Issi war indes noch einmal im Restaurant. Er hat sich dort von jedem mit einer langen Umarmung verabschiedet und sich dafür bedankt, dass sich jemand für ihn eingesetzt hat. Was jetzt aus ihm wird, ist unklar.


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