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"Jamie's Italian" schließt alle Filialen: Was ist falsch gelaufen bei Jamie Olivers Restaurantkette?

Dass die Restaurantkette "Jamie's Italian" vom Starkoch Jamie Oliver in finanziellen Schwierigkeiten steckte, war bereits bekannt. Aber was genau ist passiert? Die "BBC" spricht von mehreren Problemen.

"Jamie's Italian" von Jamie Oliver

Die Restaurantkette "Jamie's Italian" von Jamie Oliver ist geschlossen

Picture Alliance / Getty Images

2008 noch freute sich das ganze Land mit ihrem Starkoch Jamie Oliver. Denn der versprach landesweite Restaurants unter dem Namen "Oxford" für die Mittelschicht zu eröffnen, die Wert auf Qualität und gute Zutaten legen, mit erstklassigen Tierschutzstandards und einem großartigen Team. Die Kette sollte später "Jamie's Italian" heißen. Der Restaurantkritiker des Guardian, Matthew Norman, schrieb damals, nachdem er das erste Restaurant des TV-Kochs besucht hatte: "Wenn Jamie diese frühe Form von Oxford nachahmen kann, wird er bald preisgekrönte rezessionssichere Cash Cows durchs Land fahren."

Ein Jahrzehnt später sieht das ganz anders aus: Die "Sunday Times" urteilte jüngst vernichtend über die "Tagliatelle mit Trüffeln" im Jamie's in Westfield Stratford. Die Journalistin Marina O'Loughlin schrieb dazu: "Schrecklich, ein hupender, salziger Sumpf einer Sauce, braun und mit Muskatnuss bestäubt. Winzige Stücke, keine Scheiben, geschmackloser schwarzer Trüffel liegen herum wie Mäusekot in der Suppe."

Nur acht Monate nach der harschen Kritik ist die Restaurantkette "Jamie's Italian" am Ende. Zuletzt betrieb Jamie Oliver noch 25 Filialen in Großbritannien. Jetzt haben rund 1.300 Mitarbeiter ihren Job verloren. Wie die "BBC" berichtet, schrieb Jamie Oliver eine Email an die Mitarbeiter und machte "die bekannt gewordenen Kämpfe des Casual-Dining-Sektors und den Niedergang des britischen Einzelhandels sowie die steigenden Mieten für Geschäfte" für den Zusammenbruch des Unternehmens verantwortlich.

Mangelnde Qualität bei Jamie Oliver

Das sehen nicht alle so. Mitarbeiter sagten der "BBC", dass sie die Restaurants zu groß empfanden und dass sie die falschen Kunden anlockten. Nämlich Schnäppchenjäger, die mit Groupon-Gutscheinen speisten oder Touristen. Den "Jamie's Italian"-Restaurants aber gelang es nicht, Stammkundschaft zu gewinnen. Analysten sehen auch das Problem in den Ketten selbst. Dort leidet vor allem die Qualität und das Speiseerlebnis, nicht nur bei "Jamie's Italian", sondern auch bei anderen Franchise-Restaurants. Am Ende geht es um ein schnelles Gewinnwachstum. Dass die Qualität in Jamie Olivers Lokalen immer schlechter wurde, zeigte auch ein Fleischskandal, in den die Restaurants des Starkochs verwickelt waren. (Lesen Sie mehr dazu hier.)

Vom einstigen Spirit der ersten Restaurants, die Jamie Oliver eröffnete und denen Kritiker noch goldene Zeiten vorhersagten, ist leider nichts mehr übrig. Die italienischen Filialen sind zu belanglosen Franchise-Lokalen mutiert.

Quellen: "BBC", "The Guardian", "Sunday Times"

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