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Küchenmaschine Bosch MaxxiMUM : Kneten kann er gut, der Kraftprotz in meiner Küche

Ob sich die Anschaffung einer Küchenmaschine lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Eine große Familie und eine sehr große Küche sind schon mal gute Voraussetzungen. Wir haben vier Modelle getestet, hier kommt das erste Ergebnis.

Bosch MaxxiMUM

Schönes Material, schönes Design, die MaxxiMUM ist ein Augeschmaus

Schön, riesig – und schwer: Wer eine Küchenmaschine benutzen möchte, kommt vorher ganz schön ins Schwitzen. Die hier getestete MaxxiMUM zum Beispiel hat ohne Zusatzteile eine Größe von 32 x 38 x 38 Zentimetern und wiegt fast neun Kilogramm, das Paket mit Rührschüssel und Co knapp zwölf. Hat man das nach Hause gewuchtet, stellt sich die entscheidende Frage: wohin damit? Eine Küchenmaschine braucht einen Platz auf der Arbeitsfläche sowie eine nahegelegene Steckdose, sehr nah im Fall dieses Bosch-Geräts, denn das Stromkabel ist nicht lang.

Die Grundausstattung der MaxxiMUM enthält nur die notwendigsten Teile, für jede "Sonderlocke" – ob zum Nudeln-Selbermachen oder Smoothies-Mixen – muss ein Zusatzteil gekauft werden; und die sind in der Aufbewahrung echte Raumfresser. Wer über die Anschaffung einer Küchenmaschine nachdenkt, sollte sich also zunächst folgende Fragen stellen: Wo kann sie stehen? Habe ich Platz genug für die Zusatzteile, die ich brauche? Koche ich wirklich so große Portionen, dass sich die Anschaffung lohnt?

Eine Küchenmaschine für jede Verwendung aus dem Keller zu holen, bedeutet, dass man sie nie benutzt. Wer sich die MaxxiMUM kauft, sollte sie auch aus einem weiteren Grund nicht im Keller verstecken: Das Gerät hat den iF Design Award 2015 gewonnen und ist ein echter Augenschmeichler.

Der erste Eindruck

In der Handhabung ist eine Küchenmaschine wahrscheinlich grundsätzlich gewöhnungsbedürftig, vor allem bei der ersten Benutzung empfiehlt es sich, das Handbuch griffbereit zu halten. Auch wenn die Bedienung der MaxxiMUM zunächst intuitiv wirkt, steckt so mancher Teufel im Detail. Etwa wenn die Maschine einfach nicht angehen will – wie es uns bei der Verwendung des zweiten Mahlwerks zusammen mit dem Schnitzel-Aufsatz aus dem "TastyMoments"-Set passiert ist. Doch dazu später mehr.

Das Gewicht, die solide Verarbeitung sowie das hochwertige Material sorgen bei der Bosch-Maschine für einen sehr ruhigen Lauf, egal ob sie Teig knetet, Pinienkerne hackt oder Tagliatelle formt. Überraschend ist bei diesem Gerät allerdings, dass das Sensorfeld aufleuchtet, sobald der Stecker in der Dose ist. Wer keinen stummen Stand-by-Stromschlucker möchte, muss sie also nach jeder Verwendung entstöpseln – das kann lästig sein, etwa wenn die Steckdose unterhalb der Arbeitsfläche sitzt.

Die Reinigung der MaxxiMUM ist erfreulich einfach. Die Maschine selbst hat keine versteckten Kanten, in denen sich Essensreste sammeln könnten; durch ihre abgerundete Gestalt lässt sie sich leicht abwischen. Die Zusatzteile dürfen in die Spülmaschine. Wer jedoch verschiedene Dinge hintereinander zubereitet, muss trotzdem spülen.

Ist der Thermomix wirklich der bessere Koch?


Der erste Einsatz

Das Herumstehen der Maschine in meiner Küche löste eine Art Kochblockade aus – all die Teile, das Lesen des Handbuchs und die "Welches Teil muss denn wo rein?"-Unsicherheit wirkten auf meine Psyche. Monatelang stand sie einfach nur da und staubte ein. Als der Test dann endlich begann, schlug die Antipathie plötzlich in Bewunderung um: "Also kneten kann er gut!"

Das Ciabatta: Wir sollten einen Brotteig herstellen und ein Ciabatta backen. Leichter geht's eigentlich nicht. Was sonst mühsame Hand- und Armarbeit ist, dauerte mit der Küchenmaschine sechs Minuten Staunens. Einfach ein Pfund Mehl, 2 TL Salz, 2 EL Olivenöl, 330ml Wasser und 10g Hefe in die Schüssel, Knethaken in die Maschine und los. Zwei Minuten auf Stufe eins, vier Minuten auf Stufe 3. Ein Zusatzteil war nicht nötig, zum Rühren ist alles in der Grundausstattung enthalten. Der von mir versehentlich dazubestellte Aufsatz "VitalEmotion" (159,95 Euro), der eine Getreidemühle enthält, kam gar nicht zum Einsatz.


Da ein einziges Ciabatta den Platzverbrauch von Knethaken, Rührschüssel und Deckel in der Spülmaschine kaum rechtfertigt, sind wir in Serie gegangen und haben gleich den nächsten Brotteig angerührt ... Die Angst war besiegt. Jetzt erstmal was trinken.

Obst im Küchengerät-Aufsatz

Smoothie mit den falschen Zutaten und dem falschen Aufsatz – keine gute Idee

Der Smoothie: Unsere Genuss-Redakteurin Denise hatte uns genau vorgegeben, was sie von uns erwartete. Dazu gehörte auch die Zubereitung eines Smoothies, das Rezept durften wir uns selbst aussuchen. Ich nehme es gleich vorweg, das ging mega in die Hose. Unser Fantasierezept aus Kiwi, Papaya, gefrorenen Himbeeren, Eiswürfeln, Milch und etwas Honig schmeckte einfach nicht.

Wir haben den Aufsatz "TastyMoments" dafür getestet. Auch das war ein Fehler, wie sich herausstellte: Der "ToGo"-Becher war viel zu klein für eine vernünftige Obstmischung und die Handhabung der Zusatzteile nervig. Jeden Schritt mussten wir nachlesen, insbesondere als die Maschine einfach nicht angehen wollte. Mahlwerk und Becher werden oben auf die MaxxiMUM gesteckt, heruntergedrückt und festgeschraubt, der Schwenkarm dafür vorher heruntergeklappt. Die anderen Mahlwerke müssen mit Sicherheitsverschlüssen abgedeckt werden, bevor es losgehen kann. Auf all das muss man erstmal kommen. 

Mit den Eiswürfeln hatte das Schnitzellaufwerk keine Probleme, doch hätte es einen besseren Aufsatz zur Smoothie-Bereitung gegeben, das wusste ich aber erst nach dem Test: Der "Mixer-Aufsatz" fasst satte zwei Liter (94,99 Euro). 

Obstbrei in Gläsern

Die magere Ausbeute: zwei Gläser eines scheußlich schmeckenden Obstbreis. Auch die spätere Zugabe von Milch konnte nichts mehr retten.

Das Pesto: Jetzt nur nicht entmutigen lassen, wir wollen schließlich noch was essen. Zu den Nudeln, die wir gleich noch machen, soll es Pesto geben. Denise hat uns dafür ein Rezept von Jamie Oliver empfohlen: ½ Knoblauchzehe, Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer, 3 Handvoll Basilikumblätter, 1 Handvoll Pinienkerne, leicht angeröstet, eine gute Handvoll Parmesan, Olivenöl und ein zweiter Einsatz für den "TastyMoments"-Häcksler. Also abwaschen. Das Handbuch empfiehlt, zuerst die harten Anteile zu zerkleinern, die Pinienkerne, Salz, Pfeffer und der Parmesan wandern ins Glas. Die Dauer der Häckselei muss per Hand geregelt werden, das heißt, dass man währenddessen neben der Maschine stehen muss. Um den "weichen Anteil", Basilikum, Olivenöl sowie Knoblauch hineinzuzugeben, müssen wir das Glas abschrauben, öffnen und wieder anschrauben. Das ist lästig – und dann bleiben auch noch die Pinienkerne oben im Glas hängen. Die "TastyMoments" fallen zum zweiten Mal durch. 

Pesto im Mixer

Unbefriedigend: Dadurch, dass das Schneidwerkzeug an der Glasöffnung sitzt – nicht unten, wie bei Standmixern – vermischen sich die harten und weichen Anteile schlecht. Wir mussten mit dem Löffel nachhelfen.

Die Pasta: Jetzt wird's spannend, wir machen zum ersten Mal Nudeln selbst – aus lächerlich wenig Zutaten: 660g Hartweizengrieß, 330ml sehr warmes Wasser und 1 EL Salz. Der Nudelvorsatz "PastaPassion" soll zum Einsatz kommen. Nach dem Teigkneten in der Rührschüssel (frisch abgewaschen) der Schock: Um den Nudelvorsatz verwenden zu können, muss die ganze Maschine gedreht werden! Fast hätte dafür die Länge des Stromkabels nicht ausgereicht. Bedeutet das, dass diese Maschine eigentlich nur für den Einsatz auf einer Kochinsel geeignet ist, wo sie frei stehen kann? Ein klarer Abzug in der B-Note (Usability). 

Befestigung eines Zwischenstücks

Etwas fummelig beim ersten Mal: die Montage des Verbindungsstücks, auf das später der Nudelaufsatz kommt

Der Hersteller empfiehlt, den Teig zunächst durch den Lasagne- und anschließend durch den Tagliatelle-Aufsatz zu schicken. Das machen wir genau mit einer Teigplatte und beschließen dann, dass wir die Dicke lieber mit dem guten alten Nudelholz regulieren, das geht hundertmal schneller und einfacher. Die Breite der Tagliatelle lässt sich an dem Vorsatz nicht einstellen, oder wenn doch, haben wir es nicht begriffen. Will man alternativ mal Spaghetti zubereiten, braucht man einen dritten Aufsatz (84,99 Euro), das ist schon ein bisschen irre!

Auch wenn bei der Zubereitung der Satz "Ohne Küchenmaschine wären wir schon satt" fiel, steht fest: Ohne das Gerät hätten wir niemals Nudeln selber gemacht. Auf das Ergebnis waren wir ziemlich stolz (auf unsere improvisierte Nudel-Aufhäng-Station ebenfalls). 

Nudeln hängen über einem Abtropfgitter

"Und wohin jetzt mit den Nudeln??" Improvisation ist alles.

Fazit: Küchenmaschine anschaffen – ja oder nein?

Die Bosch MaxxiMUM zu testen, hat tatsächlich Spaß gemacht, aber alleine hätte ich dazu keine Lust gehabt. Addiert man die Kosten für die MaxxiMUM und nur einige Zusatzteile, zahlt man leicht mehr als 1000 Euro. Damit sich die Ausgabe rentiert, muss sie häufig benutzt werden und dafür muss entweder eine Großfamilie her oder regelmäßige Essensgäste. Für einen Zwei- bis Vier-Personen-Haushalt lohnt sich die Anschaffung nicht. Aber das gilt wahrscheinlich für alle Küchenmaschinen. 

Teller mit Tagliatelle und Pest

Im Ergebnis überzeugend: die Leistung der MaxxiMUM

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