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Lieferdienst im Test: Kochzauber Das Dilemma mit den Mengen


"Frische Zutaten", "einfache Rezepte" und "Genießen ohne Einkaufsstress", damit wirbt der Lieferdienst "Kochzauber". Das stimmt soweit auch - der Teufel steckt eher im Detail.
Von Sonja Helms

Alles fing so gut an. Das bestellte Paket von Kochzauber wurde pünktlich geliefert - überpünktlich sogar, eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt. Der Lieferant meinte, er wäre noch eine Weile länger im Viertel herumgefahren, hätte er mich nicht sofort angetroffen. Insofern: Vorbildlich. Die Lebensmittel kamen gut verpackt an, sie waren vollständig und gut gekühlt, das Fleisch lag in einer Isoliertasche, die Kühlelemente waren noch gefroren. Das Gemüse sah sehr frisch aus, die Milchprodukte waren sogar bio. An diesem Punkt gab es nichts zu beanstanden.

Also: auspacken, verstauen, loslegen. "Genießen ohne Einkaufsstress" verspricht die Seite und: "Einfache Rezepte". Klingt zunächst vielversprechend - als berufstätige Mutter hat man unter der Woche ohnehin genug zu tun. Wenn einem jemand das Einkaufen abnimmt: umso besser!

Ganz so ist es natürlich nicht, denn in der Regel isst man nicht nur abends, sondern auch morgens zu Hause, das Einkaufen bleibt somit nicht gänzlich aus. Außerdem setzt "Kochzauber" in seinen Rezepten einige Basiszutaten voraus, die nicht mitgeliefert werden, etwa Essig, Öl, Brühe, Gewürze oder Mehl, was noch verständlich ist, aber auch frische Zutaten wie Butter oder Eier. Und das ist durchaus kritisch. Denn man kann die Zutatenliste vorher nicht einsehen - die Rezeptkarten kommen erst mit der Lieferung. Hätte ich keine Eier zu Hause gehabt, was vorkommen kann, hätte ich eines der Gerichte nicht nachkochen können. Aber ich hatte welche da, und am ersten Abend, für den Burger, hätte ich sie ohnehin nicht gebraucht.

Burger ohne weitere Beilage

Der Name "Kochzauber" weckt hohe Erwartungen. Zaubern, das erfolgt mühelos, wie von allein, schnell und einfach.

Ich bekam die "Original"-Box für vier Personen. Zwar wäre die Box "Kleine Helden" für Familie mit Kind von der Menge her richtiger gewesen, aber die Auswahl der Gerichte war zu Hause auf wenig Gegenliebe gestoßen. In den kommenden drei Tagen würden wir also einen Hamburger mit Avocado und Cole Slaw, Putengeschnetzeltes mit Brokkoli-Zartweizen und Kartoffel-Rösti mit wildem Gemüse, Kräuteröl und Avocado-Schmand-Dip essen. Dass einiges davon übrig bleiben würde, war abzusehen und leider nicht zu ändern. Den Burger konnten wir aber gut auf zwei Abende verteilen, bei den anderen Gerichten hatten wir das auch vor, das erwies sich aber als schwierig.

Bis auf eines funktionierten die Rezepte im Wesentlichen. Der Hamburger war geschmacklich in Ordnung, auch wenn ich kein Fan der typischen Burgerbrötchen bin. Am zweiten Tag kaufte ich daher ein normales Sesambrötchen, das erwies sich als Fortschritt, und machte uns ein paar Kartoffelecken dazu. Zunächst waren wir skeptisch wegen des Cole Slaws, aber der passte sehr gut dazu.

Problem mit den Mengen

Allerdings waren die Mengen nicht stimmig. Die Sellerieknolle war riesig, und auch wenn ich von allem nur die Hälfte zubereiten wollte, wäre das viel zu viel gewesen. Statt einer halben Knolle, wie für zwei Personen vorgesehen, habe ich nur ein Viertel genommen - und hatte am Ende noch immer so viel Cole Slaw übrig, dass ich alle meine Nachbarn damit hätte versorgen können. Außerdem waren pro Person zwei Burger vorgesehen. Einer hätte gereicht, wenn eine Beilage dabei gewesen wäre. So fehlte irgendwie etwas, auch wenn wir satt geworden sind.

Beim Putengeschnetzelten war es ähnlich. Es war leicht zuzubereiten und schmeckte in Ordnung. Der Zartweizen war nicht unser Fall, auch wenn der Brokkoli darin ganz gut war. Reis und Brokkoli extra hätte ich besser gefunden, aber man kann nicht jeden Geschmack treffen. Doch auch hier stimmten die Mengen nicht, auch das Verhältnis Fleisch versus Zartweizen passte nicht zueinander. Vom Zartweizen hatte ich nur die Hälfte zubereitet, wir aßen zu dritt, und trotzdem blieb mindestens die Hälfte davon übrig. Das Fleisch hingegen hatte ich so gut wie aufgebraucht. 120 Gramm Fleisch pro Person fand ich etwas wenig.

Der Rösti schließlich war eine Enttäuschung. Im Ofen wurde die Masse in der Zeit zu kross und trocken, das würde ich so nicht noch einmal machen. Beim Gemüse wiederholte sich das Mengenproblem. Es war zu viel, vor allem zu viel Sellerie. Immerhin waren das Kräuteröl und der Avocado-Schmand-Dip lecker zu dem Gemüse. Ein Hit war das Gericht trotzdem nicht.

Fazit

Die Lieferung erfolgte ohne Probleme und die Lebensmittel waren frisch und gut gekühlt, die Rezepte waren weitgehend in Ordnung, auch preislich hält es sich im Rahmen. Die Original-Box kostet 39 Euro, das macht 6,50 Euro pro Person. Bei der Box "Kleine Helden" ist das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich günstiger: Sie kostet 49,90 Euro und reicht für drei bis vier Personen. Somit liegt der Preis pro Person zwischen knapp vier Euro bis 5,50 Euro.

Die Rezepte haben mich letztlich aber nicht genug überzeugt, um es noch einmal zu bestellen. Den Einkauf nimmt einem ein solcher Lieferdienst ohnehin nicht völlig ab, und preislich wäre der Dienst auch keine Lösung für jeden Tag, will es vielleicht auch gar nicht sein. Insgesamt betrachtet sind die vorgesehenen Mengen eine deutliche Schwäche. Ich musste einiges entsorgen, obwohl ich zwei der Gerichte auf je zwei Tage verteilen konnte. Wenn man aber einmal gar keine Zeit hat, kann dieser Dienst hilfreich sein.

Die Gerichte wurden von Kochzauber zur Verfügung gestellt.

Die Rezepte der drei Gerichte finden Sie auf den folgenden Seiten.

Hamburger mit Avocado, Tomate und Cole Slaw

Zutaten

Für vier Personen

  • 4 Tomaten
  • 1 Knollensellerie
  • 4 Möhren
  • 200 g Schmand
  • 4 EL Weißweinessig
  • Salz, Pfeffer, Zucker
  • ca. 600 g gemischtes Hackfleisch
  • 2 Eier
  • 50 g Paniermehl
  • 8 g Hackfleischgewürz (Meersalz, Tomatenflocken, Zwiebelpulver, Knoblauchpulver, gerebelter Basilikum, geschnittener Rosmarin, gerebelte Petersilie, gemahlener schwarzer Pfeffer)
  • 3 EL Öl
  • 8 Burger-Brötchen
  • 2 Avocados

Zubereitung

1. Ofen auf 150° C (Umluft) vorheizen. Tomaten waschen, Strunk entfernen, in ca. 0,5 cm dicke Scheiben schneiden und auf einem Teller beiseitestellen.

2. Sellerie waschen, schälen und vierteln. Möhren waschen und schälen. Sellerie und Möhren grob raspeln und in eine Schüssel geben. Mit 200 g Schmand und 4 EL Essig vermischen. Anschließend mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.

3. Das Hackfleisch in die 2. Schüssel geben, mit 2 Eiern und 50 g Paniermehl vermengen. Alles zu einer glatten Masse verkneten und mit Hackfleischgewürz abschmecken. Die Masse mit feuchten Händen zu 8 flachen Buletten formen und auf einen geölten Teller geben.

4. Indes 3 El Öl in der Pfanne auf mittl. bis hoher Stufe erhitzen. Die Buletten darin von jeder Seite ca. 2 Min. anbraten. Anschließend auf das Backblech legen und für ca. 6 Min. backen. Den Ofen ausschalten. Die Brötchen auf den Rost legen und für ca. 4 Min. in den Ofen zu den Buletten geben.

5. Avocados halbieren, entkernen, das Fruchtfleisch mit einem Löffel vorsichtig aus der Schale trennen und in ca. 0,5 cm feine Scheiben schneiden. Brötchen und Buletten aus dem Ofen holen.

6. Die unteren Brötchenhälften mit Cole Slaw, Salat, Buletten, Tomaten- und den Avocadoscheiben belegen und servieren.

TIPP: Achtet darauf, die Buletten so flach wie möglich in Form zu bringen. Im Ofen werden sie durchgegart, bleiben aber saftig.

Putengeschnetzeltes mit würzigem Brokkoli-Zartweizen

Zutaten

Für vier Personen

  • 5 EL Butter
  • 20 g Mehl
  • 300 g Crème fraîche
  • 500 ml Gemüsebrühe
  • 3 g Putengewürz (Muskat, gerebelter Thymian)
  • Salz und Pfeffer
  • 2 Brokkolis
  • 300 g Zartweizen
  • 2 Schalotten
  • ca. 480 g Putenbrust
  • 2 EL Öl
  • 2 EL Olivenöl

Zubereitung

1. Im 1. Topf Butter zerlassen, Mehl zugeben und mit dem Schneebesen verquirlen. Dann Crème fraîche vorsichtig unterrühren, mit 500 ml warmer Brühe langsam auffüllen und mit Putengewürz, Salz und Pfeffer abschmecken.

2. Den 2. Topf mit ca. 3 Liter Salzwasser zum Kochen bringen. Indes Brokkolis waschen, die dicken Strünke entfernen und in ca. 2 cm große Röschen teilen. Den Zartweizen in das kochende Salzwasser geben und für ca. 10 Min. kochen. Anschließend den Brokkoli zu geben und ca. 5 Min. weitergaren.

3. Inzwischen Schalotten schälen, halbieren und in ca. 0,2 cm feine Streifen schneiden. Pute waschen, trocken tupfen und in ca. 2 cm große Streifen schneiden.

4. 2 EL Öl in der Pfanne auf mittl. bis hoher Stufe erhitzen. Putenstreifen in die Pfanne geben und rundrum ca. 4 Min. goldbraun anbraten. Danach Schalotten zu den Putenstreifen geben und ca. 2 Min. mitbraten, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

5. Die Putenstreifen und Schalotten mit Soße ablöschen. Brokkoli und Zartweizen abgießen mit Salz, Pfeffer und 2 EL Olivenöl abschmecken.

6. Putengeschnetzeltes mit Brokkoli-Zartweizen auf Tellern anrichten und servieren.

TIPP: Um die Crème fraîche noch einfacher unter die Mehlschwitze zu rühren, könnt Ihr sie mit etwas Milch vermengen.

Kartoffel-Rösti mit wildem Gemüse, Kräuteröl und Avocado-Schmand-Dip

Zutaten

Für vier Personen

  • ca. 1,2 kg mehlige Kartoffeln
  • 2 Eier
  • 5 EL Olivenöl
  • 2 TL Stärke
  • Salz, Pfeffer, Zucker
  • 4 g Röstigewürz (Paprikapulver, edelsüß, gemahlene Muskatnuss)
  • 4 EL Butter
  • 1 Knollensellerie
  • 2 Möhren
  • 500 g Kaiserschoten
  • 2 Limetten
  • 20 g glatte Petersilie
  • 2 Zweige Thymian
  • 2 Avocados
  • 200 g Schmand

Zubereitung

1. Ofen auf 220° C (Umluft) vorheizen. Kartoffeln waschen, schälen und in die Schüssel raspeln. Eier, 1 EL Olivenöl, 2 TL Stärke zugeben, mit Salz, Pfeffer, Röstigewürz abschmecken und verkneten. Masse auf den Backpapieren verteilen und glattstreichen. 1 EL Butter in Flöckchen darüber verteilen und auf mittl. Schiene ca. 25 Min. im Ofen backen.

2. Ca. 3 Liter Salzwasser im Topf zum Kochen bringen. 1 Sellerie und Möhren waschen, schälen und in ca. 0,5 cm dicke Streifen schneiden. Kaiserschoten waschen. Die Limetten waschen, ca. 2 TL Schale abreiben und den Saft auspressen.

3. Das Gemüse ca. 8 Min. garen und anschließend abgießen. 3 EL Butter über das Gemüse geben, mit Salz und Zucker abschmecken. Mit der Hälfte des Limettensafts verfeinern.

4. Die Kräuter waschen und trocken schütteln. Petersilienblätter vom Stiel zupfen. Thymianblätter vom Stiel abstreifen, beides fein hacken. Mit 4 EL Olivenöl in der kleinen Schüssel vermengen und mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken.

5. Avocados halbieren, entkernen, Fruchtfleisch mit einem Löffel aus der Schale kratzen und grob hacken. In einer Schüssel mit Limettenschale, restlichem -saft und Schmand vermengen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

6. Rösti aus dem Ofen nehmen, Gemüse darüber verteilen, mit Kräuteröl beträufeln und anschl. mit Avocado-Schmand-Dip servieren.

TIPP: Alternativ könnt Ihr auch Mini-Rösti zubereiten. Hierfür formt Ihr auf dem Backpapier 4 gleich große Rösti. Damit der Rand nicht verbrennt, achtet darauf, dass er glatt gestrichen ist.


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