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Nelson Müllers Lebensmittelreport: Die Bio-Lüge von der Tomate

Unsere Tomaten wachsen unter Plastikfolien in Spanien. Auch Bio-Tomaten. Aber wie gut sind die eigentlich? Nelson Müller stößt auf dreiste Marketing-Maschen und Verbrauchertäuschungen.

Gewachsen unter Plastikplanen: Kann das noch Bio sein?

Gewachsen unter Plastikplanen: Kann das noch Bio sein?

Getty Images

Spanien, Andalusien: Der sonnige Süden des Landes ist berühmt für seine endlosen Obst- und Gemüse-Plantagen. Auch Tomaten wachsen hier unter einem Meer aus Plastikfolien. Selbst aus dem All sind die riesigen Plantagen zu erkennen. Sternekoch Nelson Müller besucht für das ZDF Gewächshäuser vor Ort, in denen Bio-Tomaten wachsen. Die werden in rauen Mengen angebaut. Doch können sie wirklich gut sein - und haben sie das Label Bio überhaupt verdient?

Die Tomate ist der Favorit unter den Gemüsesorten bei den Deutschen. Ganze 25 Kilo verzehrt jeder Verbraucher im Jahr. Immer häufiger auch Bio-Tomaten, die in Plastik verpackt sind. Die sind meist ein Schnäppchen und im Supermarkt oder Discounter zu erwerben. Das Label Bio sollte man nicht mit Stichworten wie Regionalität, Umweltbewusstsein oder Ökobilanz verwechseln. Hierzulande gibt es Bio-Tomaten das ganze Jahr über. Wie kann das funktionieren?

Auf 30.000 Hektar wächst hier jährlich Gemüse für ganz Europa. Das Problem dabei: Die Plastikplanen müssen alle vier Jahre ausgetauscht werden. Zum Teil landen sie im Meer und verschmutzen die Ozeane. Können Tomaten unter Plastik wirklich Bio sein? Ja, sagt eine Expertin im ZDF-Beitrag. Denn es komme beim ökologischen Anbau vor allem auf den Boden an. Der gibt die Nährstoffe an die Tomaten weiter. Zudem werden im Bioanbau weder Pestizide noch Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Auch im industriellen Öko-Anbau. Es gibt dennoch Probleme, denn die Tomaten müssen künstlich bewässert werden. Das führt dazu, dass der Grundwasserspiegel in Andalusien seit Jahren sinkt. Auffällig sind auch die geringen Kosten für die Produkte, auch für Bio-Tomaten aus Spanien.

Darum sind Bio-Tomaten aus Spanien so billig

Eine ARD-Dokumentation "Europas dreckige Ernte" zeigte jüngst, wie die Erntehelfer im Süden Spaniens Arbeit finden. Morgens versammeln sich die Arbeiter an der Straße, auf der Suche nach einem Tagelohn. Es ist ein sogenannter Arbeiterstrich. Hier bieten sich junge Männer für die Jobs in den Gewächshäusern an. Es sind alles Flüchtlinge. Viele kommen aus Afrika. Sie werden misshandelt, sie werden untertariflich bezahlt. Wehren können sich die Arbeiter nicht, viele von ihnen haben keine Papiere und sind illegal im Land. 

Aber wo fängt das Problem an? Die Bauern erhalten für ihre Ernten Dumpingpreise, für ein Vielfaches wird deren Ernte in den Supermärkten weiterverkauft. Vor allem die deutschen Supermarktketten seien die größten Preisdrücker, heißt es in der Dokumentation. Verantwortung für die Ausbeutung der Arbeiter will niemand übernehmen. Die Politiker und die Genossenschaften wollen nicht einmal von den prekären Arbeitsbedingungen in Spanien wissen. Die Bilder der armen Arbeiter existieren trotzdem.

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Wie Bio kann also ein Produkt sein, das unter verheerenden Arbeitsbedingungen angebaut und geerntet wird, das zum Wassermangel in einer Region beiträgt, das unter Plastikplanen wächst, die die Meere verschmutzen und das in Plastik verpackt nach Europa gekarrt wird?

Tatsächlich ist es nicht so einfach. Im Winter und auch Frühjahr, wenn Tomaten hierzulande nicht wachsen, spricht hinsichtlich der CO2-Kosten (in Deutschland müssen Treibhäuser geheizt werden, aus Spanien kommt der Transport hinzu) viel für die Bio-Tomate aus Spanien.

Die Industrie setzt mittlerweile auf Long-Life-Tomaten, also Früchte, die eine härtere Schale haben und dadurch länger haltbar sind. Mit Omas Tomaten aus dem Garten haben die nichts mehr zu tun. Ob man wirklich das ganze Jahr über Tomaten essen muss, diese Frage muss sich jeder Verbraucher selbst stellen. Sternekoch Nelson Müller empfiehlt, in der kalten Jahreszeit lieber mal auf Dosentomaten zurückgreifen, die sind häufig sonnengereift. 

Die ganze Sendung können Sie hier in der ZDF-Mediathek sehen!

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