HOME

Teure Kalorien: Der Quatsch mit den Quetschies: Warum Experten vom Obst aus der Tüte abraten

Die tägliche Portion Obst und Gemüse sind für die Kleinsten essentiell. Manche Eltern sorgen sich aber, dass ihr Kind zu wenig davon isst. Also greifen sie zu Quetschies. Doch solche Produkte sind meist eines: eine Süßigkeit.

Quetschie

Verbraucherschützer raten von Quetschies ab: zu viel Zucker, zu viel Müll und ungesund für die Milchzähne.

Picture Alliance

Der Begriff "Kinderlebensmittel" ist gesetzlich nicht geschützt. Doch es weiß wohl jeder, was damit gemeint ist: Produkte im Supermarkt, die speziell für Kinder konzipiert wurden. Die sind meist auffällig gestaltet und locken die Kleinen mit Stickern oder Spielfiguren: Wurst in Bärchenform, Comic-Helden auf Müslipackungen, Joghurt- und Milchprodukten oder Fruchtsaftgetränken. Die Slogans für diese Produkte versprechen eine gesunde Ernährung. Doch statt "lecker und gesund" sind die bunt verpackten Produkte vor allem Zuckerbomben.

Ein Produkt fällt vor allem Verbraucherzentralen besonders negativ auf: Quetschies, also püriertes Obst und Gemüse in einer wiederverschließbaren Plastikverpackung. Verbraucherschützer sind alarmiert, denn Hersteller überschwemmen den Markt mit immer mehr Produkten. Die kosten aber runtergerechnet oft deutlich mehr als frisches Obst und Gemüse. "Zudem besteht durch das leichte und ständige Nuckeln die Gefahr, mehr Kalorien als nötig aufzunehmen. Gleichzeitig steigt das Kariesrisiko, da die Zähne vom stark zuckerhaltigen Fruchtpüree umspült werden", wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen in einem Statement schreibt. 

Daily Bread: Fastfood und Hausgemachtes: Was Kinder auf der ganzen Welt täglich essen
Greta Möller, Hamburg, Deutschland, 7 Jahre alt  Greta lebt mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester in Hamburg und verbringt auch ziemlich viel Zeit mit ihren Großeltern. Ihr Lieblingsessen sind Fischstäbchen mit Kartoffelpüree und Apfelmus. Sie mag keinen Milchreis. 

Greta Möller, Hamburg, Deutschland, 7 Jahre alt

Greta lebt mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester in Hamburg und verbringt auch ziemlich viel Zeit mit ihren Großeltern. Ihr Lieblingsessen sind Fischstäbchen mit Kartoffelpüree und Apfelmus. Sie mag keinen Milchreis. 

Viel Zucker, viel Müll

Tatsächlich sind Obststückchen und Gemüsesticks weit aus förderlicher für die Kaumuskulatur und die Sprachentwicklung der Kleinen als regelmäßiges Nuckeln an einer Tüte. Obwohl die Quetschies mit der Angabe "ohne Zuckerzusatz" versehen sind, enthalten die Beutel dennoch natürlichen Fruchtzucker, der ist wiederum für die Milchzähne gefährlich. In einem Quetschie stecken rund 12 Gramm Zucker, also umgerechnet vier Würfelzucker. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt im Mittel nicht mehr als sechs Teelöffel (25 Gramm) Zucker zu sich zu nehmen, Kinderärzte empfehlen für die Kleinen deutlich weniger.

100 Gramm Quetschie kosten zwischen 40 Cent bis 90 Cent. Im Vergleich: Ein 100-Gramm-Apfel kostet beispielsweise nur 20 bis 30 Cent. Stellt man selbstgemachte Obst- und Gemüsepürees gekauften Produkten gegenüber, kosten die Quetschies im Supermarkt häufig das Vier- bis Siebenfache.

Zwar kommen die bunt bedruckten Tüten bei Kindern gut an, doch die Verpackung aus Aluminium und Plastik landet nach dem Verzehr im Müll. Umweltfreundlich ist das nicht. 

Die Verbraucherzentrale rät, den Fruchtbrei aus dem Quetschbeutel als Süßigkeit zu betrachten und nicht als Ersatz für frisches Obst und Gemüse.

Themen in diesem Artikel