HOME

Innovative Nutzung: Seit acht Jahren bereitet Thomas sein Essen im Wasserkocher zu – und das klappt erstaunlich gut

Eine kleine Finanzkrise in seiner WG führte dazu, dass ein Berliner Student improvisieren musste: Er begann, im Wasserkocher zu kochen – und ist dabei geblieben. Nun erscheint ein Kochbuch mit 100 Rezepten für den Wasserkocher.

Suppenfondue im Wasserkocher und ein Porträt von Thomas Götz von Aust

Kocht im Wasserkocher, weil er's kann: Thomas Götz von Aust machte aus der Not einen Lifestyle, nun bringt der Wiener Achse Verlag ein passendes Kochbuch heraus. Das Rezept für das Suppenfondue (l.) ist eines von 100 daraus.

"Junge, du brauchst doch einen Herd!", sagte seine Mutter, als Thomas ihr erzählte, dass er sein Essen nun im Wasserkocher zubereite. Das war vor acht Jahren, als diese Kochvariante für ihn die einzige Option war. "In meiner WG war das Gas abgestellt worden, wir konnten die Rechnung nicht begleichen, obwohl wir zusammengelegt hatten", erzählt der heute 36-Jährige. "Ich war Student und hatte ein verhältnismäßig geringes monatliches Budget." Eine Notsituation, in der er improvisierte, um eine warme Mahlzeit zubereiten zu können. Es wurde eine Überzeugung daraus, die den Wiener Achse Verlag inspirierte, ein passendes Kochbuch herauszubringen, das im Oktober 2018 erscheinen wird: "JOW – The Joy of Waterboiling".

Das erste Gericht, das Thomas Götz von Aust in seinem Wasserkocher machte, war noch ganz simpel, eine Fertigsuppe. Doch dabei blieb es nicht. "Irgendwann sind andere Sachen dazugekommen – wie Eier kochen, erste Pastagerichte. Bis ich auf die Idee gekommen bin, für eine richtige Suppe auch mal Zwiebeln im Wasserkocher anzubraten", erinnert er sich. Von Aust ist im Allgäu aufgewachsen, lebt seit 14 Jahren in Berlin und "arbeitet im Nachtleben", wie er es nennt. Konkret heißt das: Als Mitorganisator der Elektropartys "Chantals House of Shame" im Berliner Suicide Circle betreut er die PR-Arbeit.

"Man ist unendlich flexibel"

Längst ist von Aust zum Überzeugungstäter geworden, er hat die Vorteile des Kochens im Wasserkocher schätzen gelernt. "Man ist unendlich flexibel. Ich brauche keine Küche, sondern nur einen Stromanschluss. Er ist sparsam im Verbrauch und günstig in der Anschaffung, mein Gerät hat 20 Euro gekostet", erzählt er. Tatsächlich ist es immer noch der gleiche Kocher wie vor acht Jahren, "ein erstaunlich robustes Gerät", lobt von Aust. Bei einer Neuanschaffung empfiehlt er künftigen Waterboiling-Köchen auf folgendes zu achten:

  • Das Wichtigste: ein verdecktes Heizelement, weil sich in einer offenen Heizspirale Reste absetzen können, die das Gerät "schachmatt" setzen"
  • Material: Edelstahl, weil sich darin die Hitze am besten hält
  • Volumen: 1,5 Liter, besser noch 1,7 Liter
  • Bauart: Der Deckel sollte sich möglichst weit öffnen lassen, sodass man sieht, was man kocht und mit einem Kochlöffel gut darin arbeiten kann.
Gemüse im Wasserkocher

Für das Kochbuch "JOW – The Joy of Waterboiling" fotografierte Lisa Edi die von Christina Scheffenacker kreierten Gerichte im gläsernen Wasserkocher, hier eine stilisierte Gemüsesuppe. Das klare und ideenreiche Buchdesign gestaltete Soso Phist.

Wer an einen Wasserkocher denkt, hat leicht das Bild von einem unansehnlichen Küchengerät vor Augen. Von Aust erklärt, warum: "Es ist eher eine mentale Sache, dass man den Wasserkocher als verstaubt und kalkhaltig sieht und nicht als innovatives, alltagstaugliches Küchenutensil", glaubt er. "Wenn man den Wasserkocher aber wie ich jeden Tag verwendet und nicht nur zum Wasserkochen, reinigt man ihn ja auch täglich, genau wie einen Topf." Er erinnert sich noch an die ersten Reaktionen seiner Freunde darauf, aus dem Wasserkocher bewirtet zu werden, "die lagen zwischen belustigt oder etwas abgestoßen". Doch das änderte sich schnell. Von Austs Meisterstück bestand darin, ein Drei-Gänge-Menü für acht Gäste in zwei Wasserkochern herzustellen.

Vermeintliche Nachteile sind Vorteile

Dass man bei seinem Wasserkocher die Temperatur nicht regeln kann, ist für von Aust kein Problem, ganz im Gegenteil. "Es gibt nur die Varianten Ein und Aus, aber das heißt, dass auch nichts überkochen kann", sagt er. "Ich gebe zum Beispiel Pasta in das einmal aufgekochte Wasser, salze, rühre um und nach fünf Minuten schalte ich den Wasserkocher erneut an. Sonst muss ich mich um nichts kümmern."

Das Thema Essen hat von Aust schon länger beschäftigt. Mit der Künstlervereinigung Wiener Achse, aus der auch der Verlag hervorging, der nun sein Kochbuch herausbringen wird, hat er 2013 zum ersten Mal zusammengearbeitet. "In dem Jahr haben sie mein erstes Theaterstück produziert und zur Uraufführung gebracht, 'Die Frittate'", erzählt er. Und das kam ziemlich gut an.

"Ein Thermomix ist 50 mal so teuer"

Da der Achse Verlag noch jung ist, hat er eine Kickstarter-Kampagne zur Unterstützung der Kochbuch-Produktion ins Leben gerufen, mit einem Finanzierungsziel von 10.000 Euro. Etwas mehr als 5000 Euro sind bereits zusammengekommen. "Sie dient dazu, das Projekt bekannter zu machen und als Sicherheit, das kann für einen jungen Verlag essenziell sein", so von Aust. "Das Kochbuch wird auf jeden Fall im Oktober erscheinen." Er hofft, dass viele Leser diese Art zu kochen ausprobieren werden. "Allein schon, weil so viel Herzblut und jungmeisterliches Talent in dem Buch steckt", verrät er, "und wenn man sieht, was ein Gerät wie der Thermomix ausgelöst hat, der 50 mal so viel kostet wie ein Wasserkocher ..."

Längst haben auch von Austs Eltern Frieden mit dem Wasserkocher geschlossen und die Kochtechnik ihres Sohnes akzeptiert – er hat sie einfach überzeugt. "Sie waren zu Anfang sehr, sehr skeptisch. Ich habe dann das gleiche Essen auf dem Induktionsherd sowie im Wasserkocher zubereitet und sie konnten nicht zuordnen, welches wo entstanden ist. Und dann haben sie gesagt: 'Gut, dann machst du's wohl doch richtig.'"

Schnellkoch-Tipp: Mit diesem Küchen-Hack sparen Sie Strom und Zeit beim Nudeln kochen
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.