HOME

Stars der Bio-Kiste: Das Radieschen

Der kleine Verwandte des Rettichs ist nicht für alles zu haben. Aber wenn man ihn lässt, kann er richtig scharf sein.

Tief im Innern seines weißen Herzens ist das Radieschen radikal: Man muss es nehmen, wie es ist. Jeden Versuch, es zu konservieren, straft es mit Schlappheit; gekocht wird es blass und fade. So lässt die Industrie, die sonst jedes Grünzeug klein kriegt, tunlichst die Finger von ihm. Gut so! Denn in seinem Urzustand ist es am besten: roh, knackig, scharf. Letzteres kommt vom Allyl-Senföl, das sich besonders reichlich entwickelt, wenn die Knöllchen unter freiem Himmel groß werden dürfen, und das zudem Stoffe enthält, die antibiotisch und wohl auch krebsvorbeugend wirken. Dazu enthalten die Rotlinge reichlich Vitamin C, Kalium und Eisen - genug für alle, denen innere Werte wichtig sind.

Der Rest der Welt lässt sich davon überzeugen, wie lässig Radieschen die Hauptrolle in einem Salat übernehmen, Joghurt in einen Dip mit Biss verwandeln oder Eisberg-Einerlei Geschmacks- und Farbakzente geben. In Frankreich verwendet man auch die Blätter, solange sie noch grün und saftig sind, und macht mit mehligen Kartoffeln, Gemüsebrühe, Crème fraiche und Kerbelblättern ein feines Süppchen draus - ziemlich gute Idee. Hierzulande soll es Kochbücher geben, die allen Ernstes behaupten, man könne Radieschen 20 Minuten in Salzwasser garen und dann mit heller Mehlschwitze servieren. Nehmen Sie solche Entgleisungen als das, was sie sind: ein Anlass, sich ein neues Kochbuch anzuschaffen.

Ruth Hoffmann / print
Themen in diesem Artikel