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Teil 1: Nichts zu meckern

An der Rhône schmeckt die Shiraz-Rebe kantig - und heißt Syrah. In Übersee werden daraus Fruchtbomben - typische für das Potential europäischer Fruchtreben in der neuen Welt.

Südafrika, Wein 1

Der Typ

Die Hoffnung heißt Shiraz

Winzer, die es am Kap zu etwas bringen wollen, machen am besten einen harten Schnitt mit der Vergangenheit. Denn so schön die reinweißen Fassaden der 300 Jahre alten kapholländischen Siedlerhäuser als Fotomotive für Weintouristen auch sein mögen, auf Traditionen beruft sich kaum ein engagierter Weinerzeuger am Kap. Wenn man es genau nimmt, beginnt die Historie des südafrikanischen Qualitätsweinbaus erst Anfang der 90er Jahre mit dem Ende der Apartheid.

Damals wurde die Käseglocke gelüftet, unter der sich das geächtete Land befand. Nach der Öffnung ging der Weinbau durch eine Rosskur: Zuerst einmal mussten die Erzeuger viele Altlasten abschütteln, die wie schwerer Lehm an den Stiefeln der Weinfarmer klebten: zu viele ungeeignete Rebsorten, zu wenig Qualität und eine gewaltige Überproduktion. Die Traubenmassen wurden bis zur Abschaffung des protektionistischen Quotensystems zu Brandy gebrannt oder zu Traubenmostkonzentraten eingedampft.

Doch mit der Öffnung des Landes boten sich den Winzern auch neue Chancen auf neuen Märkten, die sie nun unbelastet durch die Apartheid erobern konnten. Seitdem ist die Weinszene Südafrikas in Einer wunderbar dynamischen Aufbruchstimmung und der Wein am Kap so gut wie nie zuvor. Die Bedingungen jedenfalls könnten nicht glänzender sein: Am Western Cape, der Weinbauregion Südafrikas rund ums Kap der Guten Hoffnung, breiten sich im milden Klima die fruchtbaren Ebenen mit viel sattem Grün vor hohen Bergketten aus, die den rund 100 Kilometer breiten Küstenstreifen von der endlosen Savanne des Binnenlandes abschirmen.

Auf die ersten europäischen Siedler muss diese Kulisse wie ein Land gewirkt haben, in dem Milch und Honig fließen. 1652 hüpfte der Holländer Jan van Riebeeck an den Strand der Tafelbucht und gründete eine Proviantstation für die holländischen Handelsschiffe auf der Gewürzroute nach Hinterindien. Er nannte das Fort "De Goede Hoop". Aus ihm entwickelte sich das spätere Kapstadt. Van Riebeeck muss sehr schnell klar gewesen sein, dass er ein ideales Weinland in Besitz genommen hatte, denn schon drei Jahre später ließ er die ersten Reben pflanzen. Allerdings musste er auf seinen Jungfernwein lange warten, weil ihm die Hottentotten die Rebanlagen zerstörten. 1659 gilt daher als das Geburtsdatum des südafrikanischen Weins. Richtig aufwärts mit dem Weinbau ging es aber erst mit den fleißigen, aus Frankreich vertriebenen Hugenotten, die ab 1688 ins Land kamen und sich in Franschhoeck, dem französischen Eck, niederließen. Doch die Segen spendende Fruchtbarkeit der Kapregion mündete ab 1918 in den Fluch der Massenweinproduktion, mit deren Folgen Südafrika bis heute massiv zu kämpfen hat.

Auch das Anbaugebiet Breede River Valley war lange Zeit für die Produktion von riesigen Mengen mittelmäßigen Weins bekannt. Seit der Breede River durch den Brandvlei-Staudamm reguliert wurde, wächst hier jeder vierte Rebstock Südafrikas. Doch zum Glück kommt das kostbare Nass heute nicht mehr nur den weißen Massenträgern Chenin blanc und Colombard zugute. Zunehmend hängen stattdessen edlere Reben am Tropf wie die Sorte Shiraz. Bei der Tröpfchenbewässerung, die jeden Rebstock individuell versorgt, kann die Erntemenge genau kontrolliert und begrenzt werden. Früher dagegen wurden die Weinfelder einfach geflutet.

Unser "Madala" ist ein Wein aus eben dieser Sorte Shiraz. Am Kap liefert sie einen völlig anderen Wein als in ihrer Heimat Südfrankreich, wo sie Syrah heißt. Die Weine dieser von Natur aus sehr gerbstoffreichen Sorte fallen dort oft so kantig aus, dass die Winzer sie mit anderen Sorten mischen – zum Beispiel zu einem Châteauneuf-du-Pape.

Australien war das erste Land

in Übersee, das mit extrem weichem, fruchtigem und reinsortigem Shiraz Furore machte. Derart saftige Fruchtbomben hatte die Welt noch nicht erlebt! Heute zählt die Sorte zu den ganz großen Hoffnungsträgern überall in Übersee – neben den allseits bekannten Cabernet Sauvignon und Merlot. In Südafrika ist der Shiraz ein Spätzünder gewesen. Erst als vor rund zwanzig Jahren die Einfuhrbeschränkungen für Rebenstecklinge gelockert wurden, kam endlich auch hochwertigeres Pflanzenmaterial ins Land, mit dem die Weinfarmer wesentlich bessere Qualitäten ins Glas bringen konnten und das so ganz anders ist als das krautige, gerbige Zeug von früher.

Der Shiraz vom Breede River zeigt, welche Talente in dieser Sorte schlummern: Frucht, Frucht und noch mal Frucht! Das wissen auch die Weinfarmer am Kap zu schätzen und haben der Sorte zu Platz zwei auf der roten Rebsorten-Statistik Südafrikas verholfen. Unser Fruchtbomber bringt seinen Geschmack mit den typischen Shiraz-Aromen von schwarzen Beeren und Pfeffer ins Ziel. Dabei zieht er eine animierende Fruchtsüße hinter sich her und eine Tanninspur, die sich harmlos wie ein Wölkchen am Gaumen verliert. Ein perfekt gemachter Wein. Schön weich, schön fruchtig und schön stark. Da gibt es nichts zu meckern.

Der Wein

Shiraz, "Madala", Vorster, Breede River, 2006

Stil: fruchtiger Rotwein der Sorte Shiraz. Lagerung im kleinen Eichenfass (Barrique)
Farbe: dunkles Purpur
Duft:dunkle Waldbeeren, Zedernholz, Schokolade, schwarzer Pfeffer
Geschmack: Vollmundig, rund, leichte Süße, seidige Gerbstoffe
Herkunft: Breede River Valley
Trinktemperatur: 16 bis 18 Grad
Glas: Burgundertyp
Trinkzeitpunkt: jetzt bis 2010
Essen:Passt zu kräftig gewürzten Gerichten, herbstlicher Küche und gebratenem Fleisch

Das Land

Fakten Südafrika

Weinbau:

seit 1659

Rebfläche:

rund 100.000 Hektar (Rang 15 weltweit)

Weinbau:

31. bis 34. Grad südlicher Breite

Bekannteste Weinbauregionen:

Stellenbosch und Paarl

Häufigste Rebsorten:

Weiß (55 %): Chenin blanc, Colombard, Chardonnay, Sauvignon blanc. Rot (45 %): Cabernet Sauvignon, Shiraz, Merlot, Pinotage

Wichtigste Exportmärkte:

Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Schweden

Cornelius und Fabian Lange / print