HOME
TV-Kritik

Kitchen Impossible: Der eigentliche Star dieser Folge ist ein neunjähriger Koch aus Bosnien

Tim Mälzer bezeichnet sich selbst als "bestes kulinarisches Album weltweit, das es vom Thron zu stoßen gilt". Das hat einer geschafft. Und zwar nicht sein Drei-Sterne-Konkurrent Klaus Erfort, sondern ein neunjähriger Junge aus Bosnien.

Tim Mälzers Kitchen Impossible

Der Neunjährige ist ein Originalkoch bei "Kitchen Impossible"

Auch für Tim Mälzer ist "Kitchen Impossible" immer noch für eine Überraschung gut. Selbst den Meister der Sendung erwischt es hin und wieder eiskalt. So wie in Peru. Sein Horizont ging über Ceviche, Kartoffeln und Meerschweinchen nicht hinaus. Wie sehr er sich doch geirrt hat. Die peruanische Küche ist Trend. Und zwar weltweit. Hier kochen die besten Köche der Welt. 

Es ist dem Drei-Sterne-Koch Klaus Erfort zu verdanken, dass Mälzer seinen kulinarischen Horizont erweitern darf. In Lima versucht sich der TV-Koch an Ceviche, roh mariniertem Fisch, Meeresfrüchte-Reis, frittiertem Riesenkalmar und Leche de Tigre, was auf Deutsch Tigermilch heißt und eine konzentrierte Form der Ceviche-Marinade ist.

Wer sich erinnert, im vorherigen Jahr wurde Mälzer der Spaß in Japan geraubt. Er hatte zu viel Respekt vor der Aufgabe, sein Ehrgeiz wurde nicht geweckt. Er sagte damals: "Weil ich es anmaßend finde, wenn Menschen in Japan einerseits sieben Jahre für eine Ausbildung zum Sushi-Meister brauchen und dieses Wissen dann andererseits für uns aus dem Kontext rausgeholt und nur noch als Rezept gesehen wird." Klaus Erfort wollte Mälzer ein Bein stellen, und schickt ihn zwar in ein peruanisches Restaurant, der Küchenchef aber ist japanischer Abstammung.

An Peru scheitert Tim Mälzer. Das Herz der Küche kann er leider nicht treffen. Mälzers Stern strahlt in diesem Duell zwar nicht (er erhält insgesamt 3,8 von 10 Punkten). Der eigentliche Star dieser Episode aber ist ein ganz anderer: der neunjährige Koch aus Bosnien.

Drei-Sterne-Koch muss Gericht eines Neunjährigen nachkochen

Der Junge heißt Luka Lukic und kommt aus Donji Podgradaci. Seine Eltern haben ein Restaurant eröffnet, damals ging es mit dem Spanferkel los. Luka hat bislang zahlreiche Spanferkel gebraten. Sein Vater hat es ihm eines Tages erlaubt und er hat es ganz allein geschafft. Seitdem ist er dafür zuständig. Das Restaurant seiner Eltern ist dabei kein Unbekanntes, bereits in der ersten Episode dieser Staffel war Mälzer genau dort und entdeckte den Neunjährigen als Originalkoch. Er war von dessen Spanferkel begeistert und machte es dem Drei-Sterne-Koch zur Aufgabe. Wird der am Gericht eines Neunjährigen scheitern?

Luka spießt dafür ein ganzes Schwein auf, das Ferkel wird davor großzügig an Beinen, Nacken, Kopf und Innereien gesalzen. Dann entfacht der Junge zwei Feuer, eines am Kopf und eines am Hinterteil, da das Fleisch an den beiden Stellen dicker ist als als am Bauch und somit länger gegart werden muss. Das Ferkel braucht etwa zwei Stunden überm Feuer, je nach Größe. Wenn kein Blut mehr austritt, ist das Spanferkel fertig. Bevor man es vom Feuer nimmt, muss man es anpieksen, damit das Fett beim Anschneiden heraustreten kann. Dazu macht Luka eine Creme aus Frühlingszwiebeln, Quark und Salz und ein Fladenbrot aus Mehl, Hefe, Wasser, Öl und Salz. Alles stammt aus der Hand des Neunjährigen.

Klaus Erfort schlägt sich wacker, aber macht einen essentiellen Fehler: Er hat das Ferkel nicht am Rücken festgebunden, dann ist es auseinander gefallen. Das Ergebnis ist gut, aber der Drei-Sterne-Koch gibt zu, dass er von einem Neunjährigen noch viel lernen kann.

Dass Erfort sich noch in Rom beim einzigen deutschen Drei-Sterne-Koch Italiens, Heinz Beck, beweisen darf und Mälzer in Frankreich, ist dabei fast schon Nebensache. Auch dass der TV-Koch dieses Duell (mal wieder) gewonnen hat. Diese Episode lebt vor allem durch ihn: den neunjährigen Koch aus Bosnien. 

Kochen mit Tim Mälzer: Das ultimative Bratkartoffel-Rezept
Themen in diesem Artikel