HOME
Meinung

Spargel-Euphorie: Der Spargel-Hype nervt: Warum das Gemüse völlig überschätzt ist

Spargel mit Sauce Hollandaise ist wie die Tennissocken-in-Sandalen-Kombination: Nicht gerade schön anzusehen, typisch deutsch und alles andere als attraktiv. Trotzdem gibt es vor dem Gemüse kein Entkommen. Das nervt!

Spargel und Kartoffeln liegen auf einem Teller angerichtet

Maßlos überschätzt, so wie die meisten Influencer: Spargel 

DPA

Es gibt nur einen Satz, der in meiner Umgebung für mehr verstörte Blicke sorgt als das Geständnis, dass ich noch nie "Game of Thrones" gesehen habe: Ich mag keinen Spargel. Der Hype um die blässlich weißen oder grünen Stangen ist mir ein Rätsel.

Wenn zu dieser Jahreszeit wieder die Spargel-Jünger aus ihren Häusern kommen und in Scharen zu den Spargelständen pilgern, kann ich nur die Augen verdrehen. Für ein Kilo geben die Deutschen, die sonst bei so vielen Dingen so sparsam sind, auch mal 20 Euro aus. Mit stolzer Miene tragen sie die Beute dann nach Hause und laden "zum Spargelessen" ein, um  "das weiße Gold“ ihren Freunden zu servieren. Als wäre Spargel ein Statussymbol. Bei so viel Spargel-Euphorie in Deutschland ist es eigentlich ein Wunder, dass noch niemand vorgeschlagen hat, den Adler im Deutschlandwappen durch einen Spargel zu ersetzen.

Kein Gemüse bauen Deutsche so großflächig an wie Spargel. Im Jahr 2018 wurden in Deutschland rund 129.600 Tonnen geerntet. Im Frühling gibt es vor dem Gemüse kein Entkommen.

Es fehlt nur noch der Spargel-Spice-Latte von Starbucks 

Egal, wohin ich gehe, welches Restaurant in welcher Stadt ich auch betrete, der Spargel verfolgt mich. Nicht nur als Hauptspeise, nein, auch im Risotto, im Salat, auf dem Flammkuchen, als Auflauf, gratiniert, zerstampft oder zu Suppe verarbeitet, begrüßt mich der Spargel von Mittagstafeln und aus Speisekarten. Für nichts ist den Deutschen der Spargel zu schade. Und so wird er auch noch in Sushi gerollt, auf Pizza verstreut und zu Bowle gemixt. Eigentlich fehlt nur noch der Spargel-Spice-Latte von Starbucks

Nicht einmal im Netz bin ich vor den Spargel-Jüngern sicher. Der Spargel ist der Influencer unter dem Gemüse. Mehr als 200.000 Fotos sind auf Instagram mit dem Hashtag "Spargel" versehen. Instagrammer teilen Bilder der unfotogenen labbrigen Stangen neben einem Klumpen Butter mit einer Begeisterung, die sonst nur dem eigenen Haustier zuteil wird. Dabei ist Spargel doch genau wie die meisten anderen Influencer vor allem eines: maßlos überschätzt.

Er ist gesund und entgiftet, zumindest das lasse ich als positive Eigenschaften gelten. Aber Spinat ist auch gesund und wird trotzdem von niemandem als magische und beste Mahlzeit der Welt gefeiert. Popeye jetzt mal ausgenommen. 

Auf mich wirkt das Gemüse ähnlich reizvoll wie eine trockene Scheibe Toastbrot. Als Beilage ist es in Ordnung, aber der Verzehr ist weder sättigend noch ansatzweise befriedigend. Der Eigengeschmack ist, wenn ich ihn noch als irgendetwas anderes als fad beschreiben soll, mit viel Fantasie vielleicht noch etwas bitter. Und von dem Uringestank möchte ich gar nicht erst sprechen.

Spargel ist wie die Tennissocken-in-Sandalen-Kombination als Mahlzeit

Trotzdem verstehe ich, dass so viele Deutsche das Gemüse vergöttern. Spargel mit Soße Hollandaise ist schließlich wie die Tennissocken-in-Sandalen-Kombination als Mahlzeit. Nicht gerade schön anzusehen, typisch deutsch und alles andere als attraktiv (und irgendwann müffelt es im Zweifel.). Auch wenn Psychologen etwas anderes behaupten.

"Dieses Gemüse hat von der Form her etwas Phallisches“, sagte etwa Psychologe Jens Lönnecker der "Welt“. "Viele Konsumenten verbinden Spargel daher auch mit Erotik."

Wenn ich noch nicht den eindeutigen Beweis dafür hatte, dass Spargel-Jünger seltsam sind – dann habe ich ihn jetzt.

Kreative Küche: Spargel geht nur mit Sauce Hollandaise? Falsch! Diese Soße wird Sie umhauen

Quellen: "Welt", "Statista"

Themen in diesem Artikel