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TV-Kritik

"Kitchen Impossible": Tim Mälzer: "Man könnte denken, wir hätten einen Porno gedreht"

Tim Mälzers "Kitchen Impossible" greift in der zweiten Staffel bereits zum Auftakt in die Vollen: Emotionen, Mitleid, Fäkalsprache, Großkotzigkeit, kulinarische Feuerwerke und großartiges Kino. Die Erwartungen waren groß, die erste Folge kann sie bereits erfüllen.

Tim Mälzer und seine Herausfordererin Maria Groß

Tim Mälzer und seine Herausfordererin Maria Groß

Schon wieder würde man TV-Koch am liebsten eine kleben, wenn er von sich behauptet: "Egal welche Aufgabe ihr mir stellt, ich erledige sie mit Bravour." Mälzers Großkotzigkeit in Ehren, in dieser ersten Folge von "Kitchen Impossible" hält er sich damit eigentlich gar nicht mehr zurück. Er sei "the brain", er sei brilliant. Das lässt er mehrfach verlauten. Aber gut, Mälzers größte Niederlage ist, wenn er "das Maul aufreißt" und dann nicht liefert. Meist gelingt es ihm sogar besser, als man erwarten würde. Und genau das ist sein Vorteil.

Das erste Duell liefert sich Tim Mälzer mit , eine zu "Unrecht unterschätzte Kollegin" wie Mälzer im Gespräch mit dem stern sagt. Groß war einst eine der jüngsten Sterneköchinnen und verließ ihr Restaurant, als sie merkte, dass sie immer mehr zum Arschloch wurde. Darauf hatte sie keine Lust mehr. Jetzt kocht sie in Erfurt in ihrem eigenen Laden, der das Label "Maria Ostzone" trägt.

"Ich schreibe Backgeschichte"

Tim Mälzer muss in seinem ersten Duell in Apfelstrudel mit Vanillesauce backen. Er hasst die Aufgabe: "Ich will es nicht. Es macht mir keine Freude." Trotzdem stellt er sich dem Backen. Nur wenige Minuten später strotzt er schon wieder vor Selbstüberzeugung: "Ich bin brillant in der Analyse."

Man kann von Tim Mälzer denken was man will: Er sei kein richtiger Koch, eher "Frittenkoch" als "Sternekoch". Aber Improvisation ist das, was einen guten Koch ausmacht. Und darin ist Mälzer ein Meister. Er bedient sich eines ganz einfachen Tricks: Da er nur einen Teig kann, wird er diesen auch für den Apfelstrudel verwenden - einen Pizzateig, den er bereits in Neapel in der ersten Staffel zubereitet hatte. "Ich werde Backgeschichte schreiben", ist Mälzer überzeugt.

Das wohl eher nicht. Aber das Feedback fällt durchweg positiv aus. Er erhält 6,3 von 10 Punkten. Schnell schiebt Mälzer hinterher: "So schwer war das nicht."

Mälzer hat in Maria Groß eine Seelenverwandte gefunden

Maria Groß verwendet fast genauso viele Fäkalausdrücke wie der selbst. Aber vielleicht gehört das einfach zum "guten Ton" unter Köchen. Groß muss nach Ungarn aufs Land, um dort Pörkölt, einen Fleischeintopf, (nein, kein Gulasch!), Spätzle sowie Gurkensalat – auf offenem Feuer - kochen.

Die ungarischen Männer beäugen zwar die Zubereitung von Groß' Pörkölt kritisch, von ihren Spätzle sind sie aber mehr als begeistert. Sie sollen sogar das Original übertreffen. Maria Groß schneidet solide ab – mit 4,1 von 10 Punkten.

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Mehr Mitleid geht nicht

In dieser Episode wird wohl auch der letzte Mälzer-Zweifler Mitleid mit dem TV-Koch haben. Mälzer zieht sich einen dreifachen zu. Trotzdem gibt er nicht auf. Auf einer Art Schnitzeljagd muss Mälzer zu seiner Box finden. Die führt ihn in den österreichischen Wald in Vorarlberg. Drei Gerichte muss er zubereiten beziehungsweise grillen. Aber nicht mit einem Gas- oder Kohlegrill, sondern auf der Wiese. Es gilt: Ein Loch buddeln, Feuerholz sammeln, Gras rupfen und daraus einen Erdofen bauen.

Irgendwo zwischen Lochbuddeln und Feuerholzsammeln schießt ein Schmerz durch Mälzers Rücken. Von da an tritt das Kochen in den Hintergrund, und 20 Minuten der Sendung sind von Mälzers Stöhnen überschattet. "Würde man die Bilder nicht sehen, könnte man denken, wir hätten einen Porno gedreht", sagt Mälzer dem stern. Sein Ehrgeiz treibt ihn weiter an und führt am Ende zu 4,8 von 10 Punkten.

Das Ergebnis

Maria Groß muss sich noch in Barcelona beweisen. Im Restaurant UMA, eines der angesagtesten Lokale in der Stadt. Die Gerichte, die sie nachkochen muss, sind so abgehoben, dass es doch verwundert, dass Groß so schnell der Lösung nahe ist. Hat sie etwa geschummelt und vorher gegoogelt? Das wird in der Sendung nicht aufgelöst. Aber auch Tim Mälzer wirkt überrascht. 4,1 von 10 Punkten erhält Groß in Barcelona. Demnach – wie könnte es auch anders sein – geht das Duell an Tim Mälzer. Fast schon etwas langweilig, wären da nicht die wundervollen Food-Aufnahmen und der großartige Sound. Die Erwartungen bleiben hoch – auch nächste Woche.

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