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Roboter-Küche: Science Fiction in der Küche: Die kochenden Robo-Köche Bostons

Im Restaurant Spyce in Boston stehen keine Menschen am Herd, sondern Roboter. Sie bereiten binnen Minuten Bowls zum kleinen Preis zu. Erfunden haben es vier Studenten, ein Sternekoch ist kulinarischer Leiter. 

Robert-Küche im Spyce

In der Roboter-Küche des Spyce übernehmen die Angestellten nur noch den Feinschliff - sie streuen die Kräutergarnitur auf die Speisen.

Picture Alliance

Im Restaurant Spyce in Boston wird die Zukunft erprobt. Das Schnellrestaurant ist keines wie andere, das Kochen wird einer Maschine überlassen, und die Gerichte, die dort in den "Bowls" landen, vollautomatisch zubereitet. Menschen arbeiten dort nur noch, um die Kräuter auf den Speisen zu verteilen. 

Die "Spyce Boys", das sind Michael Farid, Kale Rogers, Luke Schlueter und Brady Knight. Vier junge Männer, die sich beim Maschinenbaustudium am Massachusetts Institute of Technology (MIT) kennenlernten, gemeinsam Wasserball spielten und die vor allem drei Dinge eint: der große Hunger, das Faible für Roboter und das technische Geschick.

Mit dem Hunger fing alles an. Denn die Vier hatten es irgendwann satt, zehn Dollar für mittelmäßiges Take-out-Essen zu bezahlen. Sie fingen an rumzuspinnen und Ideen zu sammeln. Und weil sie, wie bereits erwähnt, beinahe besessen von Robotern waren, war die Lösung ihrer kulinarischen Probleme nicht weit. Was sie brauchten war ein Roboterkoch.

Aus dem Keller in die Robo-Küche

Der sollte ihnen nicht nur leckere und nahrhafte Gerichte zubereiten, sondern diese auch servieren und selbstverständlich danach die Küche putzen. Jungsträumereien, Hirngespinste könnte man denken. Nicht so, wenn man es mit MIT-Studenten zu tun hat. Denn die Vier fingen im Keller ihrer Verbindung an zu basteln. "Zwei Jahre und viele Verbrennungen, Prellungen und Rosenkohle später", wie sie selbst auf ihrer Webseite berichten, war es so weit - ihr vollautomatisiertes Restaurant ging an den Start.

Das Spyce ist aber kein Restaurant, in dem ein menschenähnlicher Roboter im Topf rührt, sondern eine komplette vollautomatisierte Roboter-Küche. Eine riesige Maschine, die gleichzeitig sieben Gerichte zubereiten kann. Der Ablauf ist vollautomatisch. Nachdem die Gäste über Tablets ihre Bestellungen aufgegeben haben, beginnt die Maschine ihren Verarbeitungsprozess: Der Roboter holt die Zutaten, die er fürs Gericht benötigt aus dem Kühlschrank und verarbeitet sie, bevor sie in einen der sieben trichterähnlichen und beweglichen Woks erhitzt werden. Das passiert perfekt terminiert und über eine Temperaturkontrolle, die es ermöglicht, die Gerichte immer auf den Punkt zu servieren.

Robo-Küche im Spyce

Die Rezepte entwirft ein Koch, die Maschine übernimmt die Zubereitung.

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Nach weniger als drei Minuten landet das Gericht verzehrfertig in einer Schüssel - und der Roboter beginnt mit der Reinigung. Bevor die Schüssel an den Kunden geht, legen die wenigen Angestellten des Ladens abschließend Hand an. Zu ihren ehrenvollen Zuständigkeiten gehört es, die Kräutergarnitur auf die Speisen zu streuen. Das ganze Spektakel gibt es ab 7,50 Dollar.

Was in den Schalen landet, solle nicht nur schmecken, sondern auch nahrhaft sein - und vor allem preiswert, so die Gründer. Aber schmeckt die Maschinenspeise wirklich? Die ausgezeichneten Bewertungen des Restaurants bei Tripadvisor sprechen dafür. Die Gäste loben vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis, aber auch das Erlebnis, von einer Maschine bekocht zu werden.

Sternekoch kümmert sich um den Geschmack

Bei der Umsetzung ihrer futuristischen Restaurantvision hatten die vier Maschinenbauer einen Sternekoch zur Seite. Der französische Starkoch Daniel Boulud ist nicht nur als Investor mit im Boot, er hat auch die kulinarische Leitung übernommen. 

Ein Glücksgriff für die Studenten, die dem Koch, wie sie es in ihrem Werbefilm zum Restaurant erzählen, ganz einfach eine E-Mail schrieben. Und der sei zunächst einmal von der Idee einer Roboterküche verwirrt gewesen. Aber eben auch neugierig genug, um sich das Ganze in Boston anzusehen. Dabei habe er entdeckt, dass die maschinelle Zubereitung Präzision, Beständigkeit, Geschmack und Frische in die Küche bringe und war überzeugt. Als Küchenchef hinter den Gerichten, denn die denkt sich der Roboter (noch) nicht selbst aus, steht Sam Besson. Der Küchenchef hatte zuvor unter Bouluds Ägide gekocht. 

Roboter in der Küche sind nicht neu. So arbeitet beispielsweise auch das Creator, ein Burger-Restaurant in San Francisco, mit der Vollautomatisierung. In den CafeX-Läden der Stadt kümmern sich Roboter um die Kaffees, und die amerikanischen Burger-Kette Caliburger setzt Roboter "Flippy" zum Braten der Fleisch-Pattys ein.  

Rezepte eines Sternekochs: Ein Fischcarpaccio für Feinschmecker

In Shanghai werden Roboter als Servicekräfte auf die Gäste des Robot.he Restaurants losgelassen ,und der französische Hersteller Ekim hat einen dreiarmigen Pizzabäcker entworfen. Mit den maschinellen Helfern wird viel experimentiert. Im Spyce übernimmt der Roboter, wie Michael Farid der "Washington Post" mitteilte, bereits 73 Prozent der Küchentätigkeiten. Ganz ohne Mitarbeiter geht es auch dort noch nicht.

So beschäftigt das Restaurant Personal, das die für die Gästebetreuung da ist, ebenso wie solches, das sich um vorbereitende Tätigkeiten kümmert und den Gerichten den letzten Schliff gibt. Der Roboter steigere die Effizient und senke die Betriebskosten, so Farid zur "Washington Post" - was das in Zahlen heißt, behielt er allerdings für sich.

Quellen: spyce, washington postgruenderszene, tripadvisor