HOME

Food-Truck: Auf der Straße gibt es Essen

Was braucht es, um ein modernes Food-Konzept zum Rollen zu bringen? Eigentlich nur: zwei Jungs, eine Idee, einen Truck, die Straße und einen unverschämt gut schmeckenden Burger. So geht Gastro heute.

Von Denise Wachter

Sie sind saftig. Sie sind kross. Sie sind bio. Nein, nicht die Jungs von The Big Balmy. Sondern ihre Burger. Nikolaj de Lousanoff und Claudio Pekrun verkaufen sie aber nicht in einem Restaurant, sondern in einem Truck, genauer gesagt in einem Food-Truck, der seit Mai 2013 durch Hamburgs Straßen rollt. Nur: Ganz so einfach ist das nicht. Eine Genehmigung für öffentliche Straßen oder Parkplätze zu bekommen, ist schwer möglich. Deshalb fragen die beiden Hamburger bei Firmen und Privatleuten an, ob sie gegen einen Parkschein ihr rollendes Burger-Restaurant auf ihrem Grundstück parken dürfen.

Die Idee der fahrenden Edel-Restaurants ist schon seit einigen Jahren aus den USA in Deutschland angekommen. Auch europäische Metropolen wie Paris und London sind auf den Food-Truck-Trend aufgesprungen. Nikolaj de Lousanoff und Claudio Pekrun haben sich dort inspirieren lassen. "In Paris sind wir auf den Truck Cantine California aufmerksam geworden: unglaublich leckere Burger und eine Wahnsinns-Qualität. Das wollten wir nach Deutschland bringen", so Claudio Pekrun. Und das haben sie auch: Das Rindfleisch für ihre Burger beziehen sie von einem regionalen Bauernhof außerhalb von Hamburg, der einen eigenen Schlachtbetrieb besitzt. Die Tiere stehen draußen auf der Wiese und sind somit Freilandrinder.

Ein Herz für regionale Lebensmittel

"Wir lieben gute Lebensmittel. Deshalb ist es uns wichtig, dass wir vor allem regionale Partner für unsere Produkte im Boot haben. Wir unterstützen am liebsten die kleinen Hersteller", so Nikolaj de Lousanoff. Die beiden Jungunternehmer kommen eigentlich aus der Finanzbranche und kennen sich mit Zahlen aus, aber die Gastronomie-Erfahrung fehlte den beiden anfangs. Deshalb musste es ein Produkt sein, das sie nach Baukastenprinzip jederzeit erweitern konnten und für das sie keinen professionellen Koch einstellen mussten.

Am Anfang der "Balmy"-Geschichte standen De Lousanoff und Pekrun noch selbst im Truck. "Wir haben alles erledigt: Einkauf, Saucen und Burger machen, Gemüse vorbereiten, kochen, verkaufen und am Abend den Truck reinigen. Nach getaner Arbeit haben wir uns noch ins Büro gesetzt und die Buchhaltung gemacht. Jetzt haben wir aber ein starkes Team und können uns Gedanken über neue Konzepte machen", sagt Nikolaj de Lousanoff. Die Umsetzung ihres Food-Truck-Konzeptes verlief überraschend glatt. De Lousanoff und Pekrun haben berufsbedingt beste Kontakte zu Investoren. Auch deshalb hat sich ihre Idee so gut finanziert: Sie hatten die Qual der Wahl, wer sie bei ihrem Food-Truck unterstützt. Nach knapp einem Jahr haben die Jungunternehmer bereits ihre Fixkosten gedeckt. Jetzt geht es darum, vom Burger-Truck zu leben.

Alleinstellungsmerkmal durch Mobilität

Wo und wann der Burger-Truck entlangfährt, steht auf Facebook und auf der Homepage von The Big Balmy. "Social Media ist mit ein Grund dafür, warum unser Konzept so gut funktioniert. Trends verbreiten sich am besten über Facebook, Twitter & Co. Deshalb nutzen wir unser Alleinstellungsmerkmal: Wir sind mobil", so Claudio Pekrun.

Mittlerweile haben sie mithilfe von Profiköchen und Gastronomen eigene Saucen entwickeln lassen: Es gibt eine Balmy-Burger-Creme mit einer Geheimrezeptur, eine Bluecheese-Creme mit Zwiebelconfit, eine Avocado-Sauce, eine Ceasar-Sauce für den Chicken-Burger, eine BBQ- und eine Chili-Sauce für den Spicy Burger. Außerdem bieten sie einen Veggie-Burger mit wechselndem Gemüse und hausgemachtem Pesto oder Raz-el-Hanout-Creme an. Die Burger-Brötchen sind französisch angehaucht: Ein Brioche ersetzt das klassische Sesambrötchen. Es ist etwas süßer als gewöhnlich, aber genau das macht den Unterschied: Die Brioches werden von einem Traditionsbäcker in Hamburg gebacken. Der Salat, die Tomate, der Bacon und der Cheddar auf dem Burger "The General" sind knackfrisch und man schmeckt die Qualität.

Die Burger sind etwas für Genießer, die auch bereit sind für gutes Essen etwas mehr zu zahlen. Die Portionen sind eher für den kleinen Hunger, aber man darf sich natürlich auch ein zweites Mal in die Schlange stellen. Für die Zukunft sehen die Jungunternehmer den Streetfood-Trend weiter wachsen. Und auch die beiden haben Pläne: Dieses Jahr kommen noch zwei Trucks dazu. Und danach? Claudio Pekrun: "Vielleicht international?"