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Paleo im Selbstversuch: Wie wir den kulinarischen Phantomschmerz aushalten

Tag 3-5: Uff, das Wochenende ist geschafft. Aber was war das hart! An jeder Ecke lauern neue Verführungen. Dabei ist die Familie nicht immer hilfreich. Ein Gespräch zwischen Leidensgenossinnen.

Von Sonja Helms und Denise Wachter

Sonja Helms: Guten Morgen.

Denise Wachter: Mhm. Mir ist schlecht

Oh. Lass mich raten: Kokos-Smoothie?

Ja. Und bei Dir?

Obstsalat mit Kokosmilch. Ich mag das Zeug pur nicht so gerne. Oder es bekommt mir nicht, jedenfalls in den Mengen. Mir ist auch flau im Magen. Wie war Dein Wochenende in Bayern?

Fies.

Erzähl!

Am Samstag war Fischertag. Das ist so ein traditionelles Stadtfest in Memmingen. Alle gebürtigen Memminger - nur Männer - springen in den Stadtbach, mit einem Käscher in der Hand, und versuchen, Forellen zu fangen. Wer die schwerste Forelle fängt, ist für ein Jahr Fischerkönig.

Aha. Und?

Am Abend vorher ist es Pflicht, sich zu betrinken.

Warum?

Frag mich nicht. Ich war zum ersten Mal nüchtern bei diesem Fest… Das war eigentlich ganz lustig. Aber das Schlimme war: Überall gab es Futterstände, in diesem Jahr waren es noch viel mehr als sonst, glaube ich zumindest, fast nur mit Sachen, die ich nicht essen durfte: Brezen, Weißwurst, Pizza, Döner, Steak, Gulasch… Besonders gemein war der Stand mit den gebrannten Mandeln. Dieser Geruch …

Steak oder Gulasch hättest Du doch essen können.

Ja, aber immer mit Semmeln! Immerhin habe ich einen Stand mit Chili con carne gefunden. Das habe ich gegessen, ohne Brot. Die Bohnen habe ich herausgepickt.

Wie ist Deine Familie damit umgegangen?

Meine Mutter wusste gar nicht, was sie mir kochen sollte. Also hat sie mir einfach nichts gekocht. Gar nichts! Ich kam nach Hause und durfte mich selbst bekochen!

Oh …

Und dann beim Frühstück. Mein Vater hat mir ständig Laugensemmel und Brezen und Wurst unter die Nase gehalten! "Oh, habe ich vergessen", sagte er dann grinsend, wenn ich ihn mahnend anschaute.

Nicht nett. Aber das kenne ich. Mein Sohn hält mir auch immer leckere Sachen unter die Nase, die ich nicht essen darf. Mama, auch Eis? Probieren? Käse, Mama? Maaamaaa! Nudeln?

Und sonst so?

Meinen Tiefpunkt hatte ich am Freitag. Ich hatte Kopfschmerzen und war extrem müde.

Gereizt? Schlechte Laune?

Nicht so sehr schlecht gelaunt, eher auf Rückzug. Der Kopf war im Nebel und ich mochte nicht reden. Aber am Wochenende hatte ich Zeit zu kochen und probierte ein paar Rezepte aus.

Was denn?

Auf Twitter empfahl mir jemand Bananen-Pancakes. (Danke!) Ein Gedicht und genau das Richtige für einen Sonntagmorgen. Abends hatten wir gefüllte Zucchini, die waren gut. Dazu habe ich ein Apfel-Sellerie-Püree gemacht, das etwas weihnachtlich schmeckte, weil es mit Zimt gewürzt war. Es erinnerte ein bisschen an die Füllung eines Gänsebratens. Seltsam, bei 28 Grad. Aber es schmeckte ganz gut, mein Sohn mochte es auch. Nur mein Mann sagte: "Unter gar keinen Umständen!" Und nannte es Körperverletzung, aber die Zucchini aß er mit.

Immerhin. Mein Freund saß mir gestern Abend gegenüber und aß dampfende Spaghetti mit viel Parmesan.

Was gab es denn?

Bolognese. Ich habe sie mit Gemüse-Spaghetti gegessen, in dem Fall Zucchini. Und ohne Parmesan. Da musste ich mich schwer zusammenreißen.

Parmesan! Kann ich gut verstehen. Bei mir ist es weniger der Heißhunger, eher das Kopfkino. Ich habe diese Lebensmittel ständig um mich, kaufe Brot oder Nudeln ein, fasse es an, bereite es zu, für meinen Sohn. Und bin trotzdem nicht versucht, es zu essen. Aber es fehlt mir. Wie so ein kulinarischer Phantomschmerz. Es wäre leichter, wenn ich nicht immer so einen Hunger hätte.

Stimmt. Geht mir genauso. Abends ist es ok, aber tagsüber?

Nach einer Woche soll das Schlimmste vorüber sein.

Hoffentlich! Wie lange noch?

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