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Vegan selbst versucht!: Tag 23-24: Vegane Enttäuschung

Vegan soll Trend sein. Derik sucht nach neuen veganen Produkten auf einer großen Gastronomiemesse. Und ist enttäuscht, dass er nur Nüsse knabbern und Eis schlecken kann.

Von Derik Meinköhn

Letzte Woche gab mir ein Kollege einen Tipp: Ich machte mich in der Mittagspause spontan auf die Socken in die Hamburger Messehallen zur Internorga, einer großen Gastronomiemesse. Ich begab mich auf die Suche nach neuen, leckeren Sachen für Veganer und hatte den Wunsch nach etwas anderem als Salat in der Kantine.

Vegan soll ja Trend sein, sagt zumindest die Gastronomie-Trendforscherin Hanni Rützler. Am Eingang werde ich sehr freundlich begrüßt und habe Glück: Denn kurz vor mir war auch schon jemand da, der sich nach veganem Essen erkundigt hatte. So konnte der Mann mir gleich eine Liste aller Stände in die Hand drücken, die für mich in Frage kommen. Auf der Messe gibt es über 1200 Stände. Ohne seine Hilfe hätte ich die veganen Futterposten nie gefunden. Denn: Es waren genau zwei. Zwei von 1200 unter dem Schlagwort “vegan”. Das kann man wohl nicht Trend nennen.

Dafür gab es reichlich Kaffee

Ich habe noch nie so viele Stände mit Kaffeemaschinen gesehen. Und Fleisch, von der hochpreisigen Sorte, zum Beispiel Dry Aged Fleisch, das mehrwöchig trocken reift. Überall wird gekocht und geschnippelt. Es gibt reichlich Leckereien zu probieren. Nur für mich nicht. Ich bekomme Fressneid und richtig Hunger.

Dann finde ich endlich den ersten Stand mit veganen Nussriegeln in verschiedenen Geschmackssorten. So etwas gibt es in Hamburg inzwischen sogar im Drogeriemarkt. Und diese hier finde ich obendrein noch klebrig und pappig. Der zweite Stand ist ein kleiner Eis-Laden. Als ich erzähle, dass ich auf der Messe nach veganen Produkten suche, bekomme ich sofort einen Eisbecher mit spannenden Sorten wie Ananas-Petersilie, Haselnuss mit salzigen Erdnüssen und Mango mit Drachenfrucht in die Hand gedrückt. Es schmeckt sehr fruchtig und sämig in der Konsistenz. Fast wie beim Italiener, aber vegan.

Nüsse und Eis machen nicht satt

Zwei Hersteller setzen auch noch auf vegan: Der eine vertreibt Kakao mit Guarana aus Brasilien und der andere Nüsse, der mir eine Tüte salzig-süße Erdnüsse schenkt.

Ein paar Nüsse und ein Eis - mein Magen knurrt. Den Trend habe ich nicht entdeckt, für Gastronomen sind Veganer wohl noch keine lohnende Zielgruppe. Enttäuscht fahre ich zurück ins Büro und futtere unterwegs die Nüsse auf. Mein Kollege fragt, was ich denn Leckeres gegessen hätte? Ich erzähle ihm von dem Reinfall. Er bietet mir ein paar Nüsse an.

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