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Stern Logo Vegan selbst versucht! - 60 Tage "Vegan for Youth"

Vegan selbst versucht: Tag 41-42: So lecker kann veganes Essen sein

Veganes Essen schmeckt nicht? Doch. Derik entdeckt beim Schmökern eine vegane Kochbibel und isst ziemlich gut in einem veganen Restaurant in Hamburg.

Von Derik Meinköhn

Gestern war ich im Buchladen um die Ecke und habe nach wissenschaftlichen Büchern über vegane Ernährung gesucht. Sie hatten nur die China Studie da, das ist eine Bibel für Veganer, weil die beiden Autoren Colin und Thomas Campbell darin einen Zusammenhang zwischen chronischen Krankheiten und Fleischkonsum nachweisen.

Es gibt allerdings zu der Studie auch Gegenstimmen, die Campell methodische Fehler unterstellen und zu etwas anderen Ergebnissen kommen als er. Mir war das Buch viel zu detailliert, die vielen Tabellen schreckten mich ab. So habe ich mich lieber in die Ecke mit den veganen Kochbüchern verzogen.

Fünfmal Ei-Ersatz

Das scheint ja jeden Tag mehr zu werden, unglaublich wie viele es inzwischen gibt. Eins gefiel mir ganz gut und habe es gekauft. "La Veganista" von Nicole Just, sie ist Tochter eines Fleischers und schreibt auch den Blog vegan-sein.de. Das Buch kommt sehr frisch daher und ich hatte sofort Lust ein paar Sachen nachzukochen.

Was ich auch klasse finde, ist die vegane Tauschbörse am Anfang des Buches. Dort erklärt sie, wie man aus konventionellen Gerichten vegane Gerichte macht. So hat sie zum Beispiel fünf verschiedene Vorschläge, wie man ein Ei ersetzen kann, je nachdem, was man backen oder kochen möchte. Oh, es gibt noch so vieles, was ich probieren möchte, das passt gar nicht in die verbleibenden 16 Tage...

Veganes Dinner

Beim letzten Einkauf im veganen Supermarkt in Ottensen hat mir eine Mitarbeiterin den Tipp gegeben unbedingt mal im "Leaf" essen zu gehen. Das Leaf ist ein Restaurant in Ottensen und eins der wenigen veganen, die man in Hamburg findet. Wir waren zu Zweit und haben uns spontan entschieden dort zu essen, das war ein Fehler, denn der Laden war so gut wie ausgebucht. Es blieb nur noch ein Kindersofa mit einem knapp kniehohen Tisch. Mit meinen 1,98 Metern muss das ziemlich blöd ausgesehen haben.

Jeder von uns bestellte ein anderes Menü. Drei Gänge für 27 Euro, dagegen kann man nichts sagen. Optisch sahen die Sachen super aus, die Farben von veganem Essen sind so klasse, da kommt so ein braunes Steak gar nicht mit. Und geschmeckt hat es bis auf ein paar kleine Mankos auch. Sehr lecker waren die Zucchini-Burger mit Mangoldstrudel, Orangen-Karamell und Schwarzwurzel-Chips und auch die Tee-Creme mit Kumquats.

"Gummimäßiges Essen schmeckt nicht"

Der Birnen-Römersalat mit Sojasauce war mir insgesamt etwas zu salzig, die Kombination aber trotzdem sehr gut, die Birnen saftig und knackig und durch den Sesam gut abgerundet. Nicht so toll fand ich die Soja-Chops, deren Konsistenz war eher wie Seitan und nicht wie Tofu. Ich kann mich mit diesem gummimäßigen einfach nicht anfreunden.

Insgesamt fand ich das Essen trotzdem gut, nicht herausragend, doch den Preis absolut wert. Die Zusammenstellung der Gerichte ist sehr kreativ und man kommt auf neue Gedanken und auf neue Geschmäcker. Was man fürs "Leaf" unbedingt mitbringen sollte, ist Zeit: Zwischen den Gängen muss man sehr lange warten, der Nachtisch brauchte zum Beispiel 45 Minuten. Und: Vorbestellen nicht vergessen.