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Gastro-Krise Trinken hilft: Soli-Bier für den Erhalt der Gastro-Szene

Ein Kurier von der Brauerei Berliner Berg liefert eine Kiste Soli-Bier an.
Die Brauerei Berliner Berg aus Berlin beteiligt sich bereits seit Mitte März an Hilfs-Aktionen für die Gastronomie.
© Brauerei Berliner Berg
Die Gastronomie hat an Corona schwer zu schlucken, die Kneipen bleiben weiterhin dicht. Mit Soli-Bier, 10er-Karten und Sofort-Hilfen eilen Brauereien den Wirten jetzt für den Erhalt der Gastro-Szene zur Seite.
Von Tina Pokern

Die Gastronomen haben es aktuell nicht leicht. Während andere Branchen mit Publikumsverkehr bereits vorsichtig aufatmen können, müssen Cafés und Kneipen weiter geschlossen bleiben. Die Zapfhähne stehen still.

Obschon das gesellige Picheln am Stammtresen nicht zu verachten ist, schmeckt das Feierabendbier auch im Homeoffice. Viele Brauereien nutzen die Lust aufs Bier jetzt, um ihre Partner aus der Gastronomie mit Hilfs-Aktionen zu unterstützen. 

Ein Pils im Krisengewand für den guten Zweck

So auch die Ratsherrn Brauerei, die in Hamburg mit dem Rettungsring Pilsener eine eigene lokale Gastro-Sofort-Hilfe startet. Dafür hat die Brauerei ihr klassisches Pils nicht nur in ein "Krisengewand" gesteckt, aus der Halskrause ist der Rettungsring geworden, sondern auch in einen Vierer-Träger. Rampenstart für das Rettungsring Pilsener ist der 28. April, dann kommt das Soli-Bier nach und nach in den ausgewählten Handel. 

Jeder verkaufte Träger, so die Idee, spült Geld in die Kassen der gebeutelten Hamburger Gastro-Szene. Drei Euro pro Verkauf fließen in den Gemeinschaftspot. Drei Euro, die der Käufer übernimmt. "Wir haben auch einen Absatzeinbruch von 75 Prozent, wir haben genauso Kurzarbeit", erklärt Marketingleiterin Mariann von Redecker. "Wir sehen uns als Schnittstelle. Unser Beitrag ist, dass wir die Plattform stellen, das Etikett designen, in Vierer-Trägern konfektionieren."

Nutznießer ist die lokale Gastronomie

Von der Hau-Ruck-Aktion aus dem Hause Ratsherrn, das Soli-Projekt wurde in nur vier Tagen auf den Weg gebracht, profitieren die lokalen Gastro-Partner der Brauerei. Die sich ganz unbürokratisch über den Hashtag #ratsherrnrettungsring via Social Media für die Sofort-Hilfe-Ausschüttung anmelden können.

Und das kann sich lohnen. Denn werden alle Träger der ersten Charge verkauft, ist der Topf mit bis zu 12.000 Euro gefüllt. Und damit soll längst nicht Schluss sein, ein zweiter Sud sei laut von Redecker bereits in Planung. Es könne sogar sein, dass die Aktion über Monate weiterlaufe.

Andere Brauereien, andere Aktionen

Mit der Solidaritätsaktion ist Ratsherrn nicht allein. Die kleine Berliner Brauerei Berliner Berg hatte sich bereits Mitte März aufgemacht, um mit ihrem "SoliLager" zur Rettung der Clubkultur der Hauptstadt beizutragen. "Das war die Zeit, als alle dachten, alle gehen pleite und United We Stream an den Start ging", erzählt Geschäfstführerin Michéle Hengst.

Die Kisten konnten online bestellt werden, die Brauerei lieferte. Bis April wurden so mehr als 300 Kisten des SoliLagers verkauft und 7500 Euro gesammelt werden, die an die Clubcomission Berlin gingen. 

"Nachdem wir zuerst das Große im Blick hatten, wollten wir im zweiten Schritt Kunden unterstützen, die uns schon lange, sozusagen seit dem ersten Sud, begleiten", so Hengst. Anstelle für einen großen Pot zu sammeln, geht der Erlös jetzt an einzelne Gastro-Partner. Die rühren die Werbetrommel selbst und animieren ihre Stammkunden zum Kauf bei der Brauerei, welche dann ausliefert.

"Nichts außer Karmapunkte"

"Wir sind eine kleine Brauerei und haben keine endlosen Ressourcen", so Hengst. 50 Kisten stellt die Brauerei Berliner Berg pro Bar zur Verfügung. Das entspreche in etwa einen Reinerlös von 1200. "Wir haben davon nichts außer, dass wir Karmapunkte sammeln und die Hoffnung, dass die Kunden uns nach Corona nicht vergessen", sagt Hengst.

Auch die Freiburger Brauerei Ganter, möchte ihre engen Gastro-Partner unterstützen, verfolgt aber einen etwas anderen Soli-Ansatz und führt die 10er-Bierkarte ein. Die Idee ist einfach: Jetzt bezahlen, später trinken. 35 Euro kostet eine solche Karte. Wer sie besitzt, kann sie nach Wiedereröffnung des Lieblingslokals vor Ort gegen zehn große Ganter-Biere einlösen.

Die ersten 300 Biere sponsert die Brauerei

Das Geld geht direkt aufs Konto des Lieblingslokals, das mit dem Kauf unterstützt werden soll. Denn der Gastrosoli soll dabei helfen, laufende Kosten wie Miete und Gehalt zu decken. Obendrauf sponsert die Brauerei,  die laut Frankenberger einen Marktanteil von über 50 Prozent in Freiburg innehat,  den Partner-Lokalen die ersten 300 Biere.

"Innerhalb von zwei Tagen haben wir 150 Bierkarten verkauft, inzwischen sind es mehr als 350", erzählt Geschäftsführer Detlef Frankenberger. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Aktion "Mein Lieblingslokal" soll weitergehen, bis die Betriebe wieder öffnen können. 


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