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Trend aus Spanien: Dieser Wein ist blau und schmeckt so, wie er aussieht

Sie wollen mit Weintraditionen brechen und einen Wein auf den Markt bringen, der einfach nur schmeckt und Spaß bringt: die Macher hinter Gik, dem blauen Wein. Eigentlich ist daran nichts auszusetzen, wenn das Produkt denn schmecken würde.

Blauer Wein

Innovationen sind immer gut. Aber schmeckt der blaue Wein vom spanischen Unternehmen Gik auch?

Guter Wein lebt von Innovationen. Sei es im Weingut, im Keller des Winzers oder in der Art und Weise, wie man Wein konsumiert. Nicht selten gibt es heutzutage Menüs, die auf den Wein abgestimmt sind – und nicht andersherum. Ein junges Unternehmerteam aus Spanien wollte ebenfalls innovativ sein und die Welt des Weines mit einem "blasphemischen Getränk revolutionieren", wie sie sagen. Sie haben den weltweit ersten blauen Wein auf den Markt gebracht.

Das Team, das hinter dem blauen Wein steht, nennt sich Gik und besteht aus "sechs kreativen Personen in den Zwanzigern". Und sie pfeifen auf Konventionen. Warum sollte man sich an Regeln und Normen halten, wenn man Gik trinken kann, ist ihr Slogan. So weit, so gut. Aus der Sicht der Jungunternehmer ist Weintrinken so kompliziert, weil die meisten Weine in ihrer Herstellung und Verwendung uralten Traditionen und Regeln folgen. Doch an diesem Punkt haben die Jungunternehmer etwas ganz und gar nicht verstanden: Weintrinken ist nicht kompliziert, weil Weine traditionell hergestellt werden, sondern weil sich ein Fachjargon und Geplänkel rund um das Thema Wein eingeschlichen hat. Wein ist eigentlich ganz einfach, entweder er schmeckt, oder er schmeckt eben nicht.

Kann blauer Wein wirklich schmecken?

Der blaue Wein soll nach Angaben seiner Macher eigentlich nur eins: Spaß machen. Das ist auch gar nicht verkehrt. Auch, dass man den Sommelier auf der Weinprobe einfach mal ignorieren soll, um zu genießen. Aber ein süßes, blaues Getränk mit 11,5 Prozent Alkohol als Genuss zu bezeichnen, ist das denn möglich? Weinblogger und Winzer Dirk Würtz sagt ganz klar Nein: "Der Wein ist trinkbar, wenn man schon leicht einen sitzen hat und auf Mallorca oder Ibiza weiter vorglühen will. Mit Wein und Weingenuss hat das nur am Rande zu tun. Ich habe ihn probiert und konnte ihn nicht einmal herunter schlucken." Für Würtz ist der blaue Wein ein netter Gimmick, auch ein lustiges Partygetränk, "aber besoffen werden geht auch stilvoller und mit mehr Geschmack." So die Meinung eines Profis.

Traditionen sind nicht per se schlecht, wie die Macher hinter Gik suggerieren wollen. Im Gegenteil: Auch Innovationen, vor allem beim Wein, leben von Traditionen, die neu ausgelegt werden. Gemacht wird der blaue Wein übrigens aus einer Mischung aus weißen und roten Trauben. Die blaue Farbe entsteht durch die Zugabe von zwei Pigmenten: der Haut der roten Trauben, Anthocyan, und dem organischen Pigment, Indigotin. Außerdem enthält der Wein Süßstoffe.

Von welchen "bekannten spanischen Weinbauern" die Trauben genau stammen, und aus welchen Rebsorten der blaue Wein gemacht wird, dazu gibt es keine Angaben. Brechen mit Traditionen und Innovation heißt aber auch: Transparenz. Das müssen die "Kreativen in den Zwanzigern" wohl noch lernen.

  

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