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Nicht unser Bier!: "Lasst unser Bier in Ruhe": Mexico City will kaltes Bier verbieten - und löst Proteste aus

Nur noch warmes Bier - das ist ein aktueller Gesetzesvorschlag in Mexico City. In der heißen Metropole löste er prompt Proteste aus. Dabei hat er einen durchaus ernsten Hintergrund.

In Mexico City wird Bier vor allem aus größeren Flaschen konsumiert (Symbolbild)

In Mexico City wird Bier vor allem aus größeren Flaschen konsumiert (Symbolbild)

Getty Images

Wenn die Sonne knallt und die Temperaturen noch oben jagt, gibt es für viele Deutsche nichts Schöneres als ein kühles Blondes, um abzukühlen. Und auch in Mexico ist Cerveza ein beliebtes Kühlmittel. Nun liegt im Parlament von Mexico City eine Gesetzesinitiative vor, die den Verkauf von kaltem Bier verbieten soll. Die Reaktionen fallen so aus, wie man sie erwarten würde.

Dem Entwurf nach sollen sämtliche Getränke mit sieben und weniger Prozent Alkohol nicht mehr in "gekühltem oder anderem Zustand als der Raumtemperatur" verkauft werden dürfen. Da es in Mexiko bekanntlich ziemlich heiß werden kann, wäre das Bier damit für die meisten Menschen schlicht ungenießbar.

Genau das will die Autorin des Entwurfs, die Abgeordnete Lourdes Paz Reyes, Mitglied der Morena-Fraktion im Stadtparlament, auch damit erreichen. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Alkohol-Konsum in der Stadt zu senken. Dort ist es beliebt, kaltes Bier in sehr großen Flaschen zu kaufen und es mit Plastikbechern gleich zu konsumieren. Die nicht als Kneipe geführten sogenannten "Chelerías" und das daraus resultierende Trinken auf der Straße sind Reyes ein Dorn im Auge. Auch, weil dadurch Jugendliche viel leichter an Alkohol kommen. Durch das Gesetz müsste man das Bier zuhause kühlen - und würde es dann wohl auch dort trinken.

"Lasst unser Bier in Ruhe"

Die Bevölkerung hat - kaum überraschend - nur wenig für den Vorschlag übrig. Quasi sofort trendete bei Twitter das Hashtag #ConLasCervezasNo (etwa: Lasst unser Bier in Ruhe), landete letztlich auf dem ersten Platz der Twitter-Trends.

"Was sich unsere Politiker an Dummheiten ausdenken, ohne die echten Probleme der Metropole und Mexikos allgemein anzugehen, ist unglaublich", klagte ein Twitter-Nutzer. "Warum erhöhen sie nicht einfach die Steuer, wenn sie wollen, dass wir weniger trinken?", fragte ein anderer. Auf Twitter machen sich die Nutzer mit allerlei Scherzen über das als albern wahrgenommene Verbot lustig. 

Tatsächlich lässt sich nicht leugnen, dass Mexico City ein Problem mit günstigem Alkohol hat. Auch Schnaps ist dort für wenig Geld zu haben, mehr als 45 Prozent der hochprozentigen Getränke sollen mit Drittstoffen gestreckt sein. Eine Studie fand vor kurzem heraus, dass ganze 75,8 Prozent der Einwohner der Metropole den billigen Rausch auf der Straße als Hauptfaktor von kriminellem und antisozialem Verhalten in ihren Stadtteilen sehen, berichtet der "Guardian". Die Gesetzesinitiative ist also nicht so absurd, wie sie zunächst scheint.

Quellen: Twitter, Guardian 

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