Gott und der Regenbogen Der Münchner Kardinal Marx will die katholische Kirche für queere Menschen öffnen: "Homosexualität ist keine Sünde"

Porträt Kardinal Marx
Marx, 68, ist Mitinitiator des "Synodalen Wegs", der eine Erneuerung der Kirche ermöglichen soll
© Robert Brembeck Fotografie
Er gilt als Vertrauter des Papstes und doch fordert er das Ende des Pflichtzölibats und der Ausgrenzung von Homosexuellen aus der Kirche. Ein Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx.
Herr Kardinal, Sie haben vor einigen Tagen als Erzbischof von München zum ersten Mal einen Queer-Gottesdienst gefeiert. Galt Homosexualität in ihrer Kirche nicht kürzlich noch als Sünde?
Homosexualität ist keine Sünde. Es entspricht doch einer christlichen Haltung, wenn zwei Menschen, egal welchen Geschlechts, füreinander einstehen, in Freude und Trauer. Ich spreche vom Primat der Liebe, gerade in der sexuellen Begegnung. Aber ich muss eingestehen, dass ich mir vor – sagen wir zehn oder fünfzehn Jahren – selbst noch nicht hätte vorstellen können, eines Tages diesen Gottesdienst so zu feiern. Nun habe ich mich sehr darauf gefreut.

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