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Katholische Kirche Kardinal Marx fordert: Priester sollten heiraten dürfen

Reinhard Kardinal Marx im Portrait
Hält die zölibatäre Lebensform für "prekär": Münchens Kardinal Reinhard Marx
© Sven Hoppe / DPA
Seit Jahren wird die Kirche von Missbrauchsskandalen erschüttert. Dass das Thema eine Verbindung zur Zölibatpflicht hat, will der Münchner Kardinal Marx nicht ausschließen. Er plädiert dafür, dass katholische Priester künftig heiraten dürfen.

Diese Äußerung von einem hohen Würdenträger hat auch im Jahr 2022 noch große Sprengkraft für die katholische Kirche. Der Münchner Kardinal Marx hat sich dafür ausgesprochen, dass Priester künftig heiraten dürfen, mithin das Pflichtzölibat abgeschafft wird. "Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen", sagte Marx der "Süddeutschen Zeitung". Und weiter: "Ich denke, so wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen."

Der Kardinal bezeichnete die zölibatäre Lebensform gar als "prekär". "Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen", so Marx. "Und einige werden sagen: Wenn wir den Pflichtzölibat nicht mehr haben, werden ja jetzt alle heiraten! Meine Antwort lautet: Und wenn schon! Wenn alle heiraten, wäre das doch erst recht ein Zeichen dafür, dass es so nicht gut funktioniert."

Kardinal Marx: Katholische Sexualmoral mit "vielen Verklemmungen"

Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den zahllosen Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch sehe, die die Kirche seit Jahren erschüttern, antwortete Marx, pauschal könne man das nicht sagen. "Aber diese Lebensform und dieses Männerbündische ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sexuell unreif sind. Und Sexualität gehört eben zum Menschen dazu, das geht auch nie vorüber." Die katholische Sexualmoral habe "viele Verklemmungen erzeugt".

Die Frage, ob er auch für Frauen als Priesterinnen sei, beantwortete der 68-jährige Würdenträger nicht. "Ich kann das noch nicht beantworten. Das wäre auch nicht hilfreich, es jetzt zu beantworten, weil es gerade dazugehört, dass wir im Gespräch bleiben", sagte Marx der Zeitung. "Ich bin nicht nur einer, der eine Meinung hat, sondern ich muss auch den Laden zusammenhalten", schränkte er ein.

"Hoffnung" auf ein Wort der Anteilnahme von Benedikt 

Zu dem emeritierten Papst Benedikt, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu einer Entschuldigung für sein Verhalten im Missbrauchsskandal aufgefordert wurde, sagte Marx: "Ich will jetzt nicht über die Medien eine Forderung stellen, sondern eine Hoffnung äußern. Dass er sich, so wie angekündigt, umfassend äußert. Und dass die Erklärung auch ein gutes Wort der Anteilnahme mit den Betroffenen enthält."

dho DPA AFP

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