Kriminalität
Sexuelle Gewalt im Jugendclub? Konsequenzen gefordert

Nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln bleibt die Einrichtung zunächst geschlossen. (Archivbild
Nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln bleibt die Einrichtung zunächst geschlossen. (Archivbild) Foto
© Jens Kalaene/dpa
Der Verdacht wiegt schwer: Ein Mädchen soll in einem Jugendzentrum von Teenagern vergewaltigt worden sein. Die zuständige Senatorin sieht deutliche Verstöße – und fordert vom Bezirk Maßnahmen.

Nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln fordert Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch personelle Konsequenzen. Die Leiterin sowie die Mitarbeiter des Jugendamtes müssten aus ihrer Sicht bis zur Aufklärung der Vorgänge freigestellt werden, erklärte die CDU-Politikerin im Bildungsausschuss. Sie forderte, die zuständige Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke) auf, dies zu veranlassen. "Weil momentan im Raum steht, dass bewusst Rechtsgrundlagen im Sinne des Kinderschutzes eines minderjährigen Mädchens missachtet worden sind", sagte Günther-Wünsch. 

Nach Angaben der Senatorin gab es am Mittwoch in ihrem Haus unter Leitung von Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) ein Gespräch unter anderem mit dem Bezirk, der Jugendamtsleiterin, Mitarbeitern des Trägers sowie der zuständigen Polizei. "Es ist sehr deutlich geworden, dass die Grundlagen des Kinderschutzes, auch Rechtsgrundlagen, deutlich missachtet worden sind", erklärte die Senatorin dazu. Ihr Ressort habe im Nachgang zu dem Gespräch Fragen. Diese würden dem Bezirk und der Einrichtung gestellt. 

In dem Jugendzentrum soll eine 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein – die Polizei erfuhr davon erst am 23. Januar durch die Anzeige des Vaters. Weder die Einrichtung noch das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln erstatteten zunächst Anzeige. Inzwischen ermitteln das Berliner Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall. 

Erste Übergriffe bereits Anfang 2025? 

Auch im Jugendhilfeausschuss der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung ging es am Abend um die mutmaßlichen Übergriffe. Laut "Tagesspiegel" und RBB-"Abendschau" bestätigte Stadträtin Nagel dabei, dass das Jugendamt bereits Anfang 2025 erste Meldungen über sexuelle Übergriffe auf Mädchen erreichten. Im Nachhinein hätte das Jugendamt aus ihrer Sicht "früher und konsequenter eingreifen" müssen, sagte Nagel demnach. Die Träger der involvierten Jugendclubs hätten "zu viel Verantwortung übernehmen müssen". 

Nach Angaben des Bezirks wurde das Jugendamt am 28. Januar 2026 über die Vorfälle informiert. Die zuständige Bezirksstadträtin habe erst am 2. März davon erfahren, hieß es. Der Jugendclub selbst äußerte sich bislang nicht, sondern verwies an den Bezirk.

Jugendclub geschlossen

Das Zentrum ist seit vergangenem Freitag nach Angaben des Bezirks geschlossen. Jugendstadträtin Nagel zufolge werden Schutzkonzepte der Einrichtungen ebenso überprüft wie interne Strukturen und Abläufe. Es werde ein Konzept für Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstellt, erklärte die Linken-Politikerin Anfang der Woche. 

Nach früheren Angaben von ihr hat das Jugendamt zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn dafür auch das Einverständnis des Opfers vorliege, so Nagel. Jugendstaatssekretär Liecke hatte in der "Bild"-Zeitung den Verdacht geäußert, der Vorfall sei von Betreuern offensichtlich nicht gemeldet worden, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren.

Auf Anzeige bewusst verzichtet? 

Das wies Stadträtin Nagel Anfang der Woche zurück: "Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen, wie dies in diversen Medienberichten behauptet wird." Im Neuköllner Ausschuss erklärte sie laut "Tagesspiegel", dass es zunächst durchaus Vorbehalte gegeben habe, dass alle männlichen Besucher des Jugendclubs – unabhängig von ihrer Herkunft – stigmatisiert und "unter Generalverdacht gestellt" werden könnten, da die Identität des Täters erst später bekannt geworden sei.

Laut Nagels Schilderung wurde die Betroffene "im gegenseitigen Einverständnis durch einen qualifizierten Träger der Mädchenarbeit betreut, der das Vertrauen des Opfers hat".

dpa