Tagelang ohne Strom: Das erleben gerade viele Menschen aufgrund des großen Stromausfalls im Südwesten Berlins. Das betrifft nicht nur die Menschen in ihren Wohnungen, sondern auch Geschäfte wie Friseure, Cafés oder Supermärkte. Auch in einer Pflegeeinrichtung in Lichterfelde etwa war der Strom weg. Die Bewohner wurden daraufhin in Krankenhäuser gebracht. Die größte Herausforderung war laut Pflegedienstleiterin Carolin Schwab, "dass alle Patienten auf einmal verlegt worden sind."
So mussten gleichzeitig etwa Medikamente, Beatmungsschläuche oder Papiere eingepackt und die Angehörigen informiert werden. Nachdem der Strom wieder fließt, konnten die Bewohner nun zurückkehren. Sie sei froh, dass sie sich jetzt wieder selbst um die Versorgung der Patienten kümmern können, so Schwab. Bewohnerin Karin Block erzählt, sie sei 1940 geboren und habe deswegen auch schon mehr als einen Stromausfall erlebt. "Wer den Krieg überstanden hat, kann eine ganze Menge aushalten", erzählt sie.
Cafébesitzerin kocht Tee und Kaffee mit Gaskocher
Die 62-jährige Sabine Metschurat betreibt das Café & Bistro Leopold in der Nähe des S-Bahnhofs Nikolassee. Zwischenzeitlich hatte sie weder in ihrer Wohnung noch in dem Café Strom. "Es war alles tot. Ampeln waren aus, ich hatte keine Verbindung mehr mit dem Handy." Inzwischen ist ihre Wohnung wieder warm, das Café allerdings bleibt kalt.
Das Café ließ sie am Sonntag geschlossen. Am Sonntag jedoch backte sie bei einer Freundin und öffnete ihr Geschäft. Auch in der Nachbarschaft klingelte sie. "Die kamen dann aus den Häusern und haben sich total gefreut, dass ich Backware hatte."
In der Not wird sie kreativ. So kocht sie auf einem Gaskocher warmes Wasser für Tee und Kaffee auf. Das Gebäck verschenkt sie inzwischen - etwa an die Menschen, die sich in einem Container an der S-Bahnstation Nikolassee aufwärmen und ihre Geräte aufladen können.
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Einsatzkräfte aus NRW unterstützen
In der Straße, in der das Geschäft von Metschurat liegt, haben Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehr aus Nordrhein-Westfalen Stromerzeuger installiert, damit die S-Bahnstation wieder Strom hat. Mit 13 Einsatzkräften sind sie aus dem Kreis Steinfurt angereist, berichtet Michael Reinker, Einsatzleiter der Feuerwehr Ochtrup. Kurz nach Mitternacht seien in einigen Häusern die Lichter wieder angegangen. Daraufhin kamen einige Menschen aus den Häusern, bedankten sich und boten ihnen Tee an. "Die sind sehr begeistert. Die freuen sich sehr."
Für eine Wohnung bekamen sie sogar einen Schlüssel, um die Toilette nutzen zu können. Die Stimmung sei gut. "Natürlich müde, es ist anstrengend, kalte Füße manchmal, aber ist toll", sagt er. "Und wir werden hier auch super versorgt von den Anwohnern mit Essen, Trinken, allem."
Zeit zum Renovieren
Auch in Zehlendorf ist der Strom mancherorts immer noch nicht angekommen. Die Anzeigetafeln an den Bushaltestellen sind aus - und auch die Ampeln. Polizisten regeln hier deswegen per Handzeichen den Verkehr.
Der Geschäftsführer eines Cafés versucht, das Beste aus der Situation zu machen: Chris und sein Team nutzen die Zeit und renovieren den Laden – mit Gasheizstrahler und eiskaltem Wasser. Sie erwarten durch den Stromausfall mehrere Tausend Euro Umsatzeinbuße. "Das ist schon deftig", sagt Chris. Ohne Strom und Internet zu Hause war es für ihn auch schwierig, seine Mitarbeiter zu kontaktieren. "Man ist ein bisschen wieder zurück in der Steinzeit gefühlt", sagt er.
Auch Probleme im Dentallabor
Bendix Gregori ist Geschäftsführer eines Dentallabors in Zehlendorf. Dort werden etwa Kronen, Brücken, Prothesen oder Implantate für Zahnarztpraxen angefertigt. "Hier hatten wir gar nichts. Keine Heizung, kein Strom, kein Telefon, kein Internet", sagt er. Daraufhin fuhr er am Samstag lange Baumärkte ab, um einen Stromgenerator zu besorgen. Damit konnte er im Labor einiges zum Laufen bringen - manches aber auch nicht. Etwa ein Kompressor oder der 3D-Drucker, dafür sei der Generator zu schwach, erzählt er.
Am Montag sei dann der Strom zurückgekommen, inzwischen könne auch wieder geheizt werden. "Wir haben kein Internet nach wie vor. Wir können auch keinen Hotspot geben, weil das Internet vom Handy hier zu schlecht ist". Die großen Datenmengen, mit denen sie teilweise arbeiten, könnten dadurch nicht versendet werden. "Das heißt, wir müssen so ein bisschen gucken." Zusammen mit den sieben Mitarbeitern finden sie Möglichkeiten, um den Umständen entsprechen bestmöglich arbeiten zu können. Trotz der Einschränkungen versucht er, die Situation positiv zu sehen. "Das ist ein anderer Jahresstart."