Treibstoff-Versorgung
Reiche: Signal der Sicherheit für PCK in unsicherer Zeit

Die Anlage versorgt weite Teile des Nordostens Deutschlands und Berlins mit Sprit, Heizöl und Kerosin. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die Anlage versorgt weite Teile des Nordostens Deutschlands und Berlins mit Sprit, Heizöl und Kerosin. Foto
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Die Sorgen bei der Raffinerie PCK in Schwedt sind groß – doch Bundeswirtschaftsministerin Reiche verspricht Unterstützung. Zudem gibt es für klimafreundlicheres Fliegen 350 Millionen Förderung.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat der Ölraffinerie PCK angesichts von Lieferausfällen und schwierigen Marktbedingungen den Rücken gestärkt. Der Bund verlängerte bis Ende des Jahres die Beschäftigungsgarantie für das Unternehmen im Nordosten Brandenburgs, das seit dem Ölembargo gegen Russland immer wieder von Zukunftssorgen geplagt wird. 

Damit solle den Mitarbeitern und der Region ein "Signal der Sicherheit" gegeben werden, sagte Reiche beim Besuch in der Raffinerie in Schwedt. Zudem werde sie ein Raffinerie-Konzept vorstellen, das darauf abziele, Raffineriestandorte in Deutschland wirtschaftlich zu halten.

Eine Lösung für den Ausfall kasachischen Öls seit Anfang Mai ist bislang noch nicht unter Dach und Fach. Der Bund sucht nach neuen Bezugsquellen.

Reiche: In guten Gesprächen mit der polnischen Regierung

"In Bezug auf den Wegfall von Lieferungen aus Kasachstan sind wir in guten Gesprächen mit der polnischen Regierung", sagte Reiche. Es soll möglicherweise mehr Öl über den Hafen Danzig kommen. 

"Es ist bekannt, dass in Polen freie Kapazitäten vorhanden sind", sagte PCK-Geschäftsführer Ralf Schairer. Seine Erfahrung aus vielen Jahren im Ölgeschäft sagten, "dass wenn Marktkräfte vorhanden sind, dann wird das Öl über die freien Kapazitäten auch seinen Weg dahin finden, wo es gebraucht wird". 

Seit Mai hat Russland die Durchleitung von Pipeline-Öl aus Kasachstan an die Raffinerie gestoppt. Im Mai kann die PCK nach Aussagen aus Brandenburg den Ausfall durch Reserven ersetzen. Die Auslastung liegt demnach bei über 80 Prozent. 

Sorgen um Zukunft der Raffinerie bei 1.200 Beschäftigten groß

Zudem wird versucht, den Weg des Rohöls von Rostock nach Schwedt zu verbessern. In Rostock werde ein Anlegeplatz ausgebaut, der es ermögliche, große Tanker mit größerer Tiefe anzulanden, sagte Reiche. Der Bund prüfe, das zu unterstützen.

Der Öl-Anteil, der aus Kasachstan kommt, macht etwa 20 Prozent der Gesamtmenge der Raffinerie aus. 2025 verarbeitete das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 10 Millionen Tonnen Rohöl. 

Die Sorgen um die Zukunft der Raffinerie sind bei den rund 1.200 Beschäftigten groß. Die Anlage versorgt weite Teile des Nordostens Deutschlands und Berlins mit Sprit, Heizöl und Kerosin.

350 Millionen Euro für Anlage für synthetische Flugzeugkraftstoffe

Ministerin Reiche brachte bei ihrem Besuch in Schwedt einen Fördermittel-Bescheid über 350 Millionen Euro mit für eine geplante Produktionsanlage für synthetische Flugzeugkraftstoffe. Die Unternehmen Enertrag und Zaffra wollen das Projekt im Industriepark der PCK-Raffinerie bis 2030 realisieren. 

Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die größte Anlage in Deutschland zur industriellen Produktion von E-Kerosin. Man habe Abnehmer aus ganz Europa im Blick, sagte der CEO von Zaffra, Jan Toschka. "Solche Projekte gab es vorher noch nicht." 

Für klimafreundlicheres Fliegen soll mit CO2 aus Biomasse und mit aus erneuerbarer Energie gewonnenem Wasserstoff eine Alternative zu fossilem Kerosin hergestellt werden.

dpa