Herzliche Glückwünsche von der FIFA, aber auch eine klare Ansage vom Vereinschef: Marie-Louise Eta begleiten vor ihrem historischen Debüt als erste Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga viele Diskussionen. Der große Wirbel wird bis zum Anpfiff der Partie des 1. FC Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) weitergehen, alle Objektive, aller Fokus werden auf die 34-Jährige auf der Trainerinnenbank im Stadion an der Alten Försterei gerichtet sein.
Die Dimensionen des Eta-Engagements sind spätestens mit der international besetzten Pressekonferenz der 34-Jährigen im engen Presseraum der Eisernen klar geworden. Das wurde auch im Posteingang auf der Geschäftsstelle deutlich. Ein Brief aus Zürich trudelte ein. Mit besten Wünschen vom Weltverband.
"Die Ernennung zur weiblichen Cheftrainerin in einer Spitzenposition bei den Männern bringt unser Spiel insgesamt nach vorne und sendet ein starkes Signal an viele andere Mädchen und Frauen in der ganzen Welt, dass auch sie davon träumen können, als Trainerinnen auf dem höchsten Niveau zu arbeiten - im Frauen- und im Männer-Fußball", schrieb Jill Ellis, Chief Football Officer beim Weltverband, in einem persönlichen Brief an Eta.
Zinglers Grätsche
Dass die frühere Weltmeisterinnen-Trainerin der USA auch den 1. FC Union ausdrücklich lobte, dürfte Club-Boss Dirk Zingler geschmeichelt haben. Und doch ist es dem mächtigen Präsidenten vielleicht auch ein bisschen viel geworden mit dem Wirbel. Beim TV-Sender Sky beendete er jedenfalls eine schon vor dem Debüt schwelende Debatte um die Zeit danach, also in der kommenden Saison, wenn Eta eigentlich das Frauen-Team in Köpenick übernehmen soll.
"Marie-Louise Eta wird für fünf Spiele hier verantwortlich sein und danach wird sie die Frauen übernehmen", sagte Zingler. Mit der Diskussion über eine Verlängerung des derzeit auf die letzten fünf Saisonspiele vereinbarten Engagements tue man niemandem einen Gefallen, meinte Zingler.
Bloß keinen Bärendienst
"Wenn sie richtig gut ist, dann bleibt sie bei den Männern, wenn sie nicht so gut ist, geht sie zu den Frauen: Diese Diskussion führe ich gar nicht. Es ist immer eine fachliche, inhaltliche Entscheidung, wer welche Mannschaft trainiert und sie mit dieser Diskussion zu begleiten, da tun wir ihr und auch dem Frauenfußball insgesamt einen Bärendienst", sagte der Union-Präsident.
Möglicherweise schwant Zingler schon, dass er Mitte Mai in einer Zwickmühle sein könnte, wenn Eta den erhofften Erfolg im Saisonschlussspurt hat und sich dann einen Riesenbonus bei den Fans und in der Öffentlichkeit erworben hat. Theoretisch könnte Eta nicht nur den eigentlich schon ziemlich sicheren Klassenerhalt perfekt machen, sondern Union auch noch in den Europacup führen.
Eta war bei der Pressekonferenz zum Wolfsburg-Spiel gelassen mit der Frage zu einem längerfristigen Engagement umgegangen und hatte auf ihre geplante Aufgabe bei den Frauen verwiesen. "Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall noch Trainerin, ja", sagte die 34-Jährige und ließ mit dieser Antwort offen, für welche Mannschaft.
Ohnehin solle jetzt, bitte schön, der Sport im Blickpunkt stehen. "Es ist schön, wenn es nur noch um Fußball geht, um Erfolg geht, um Leistung geht. Das ist dann auch unabhängig vom Geschlecht", sagte sie. "Mit Anpfiff ist dann eben auch Fußball."