Arbeitsmarkt Fast 100.000 Hamburger ohne Job – Höchstwert seit 20 Jahren

Im Januar sind in Hamburg 97.264 Menschen arbeitslos gemeldet gewesen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Im Januar sind in Hamburg 97.264 Menschen arbeitslos gemeldet gewesen. Foto
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Mehr Jobs, aber auch mehr Konkurrenz: Hamburg verzeichnet bei den Arbeitslosen den höchsten Januarwert seit 20 Jahren. Warum profitieren nicht alle von der wachsenden Wirtschaft?

Die Zahl der Arbeitslosen in Hamburg ist auf den höchsten Januarwert seit 20 Jahren gestiegen. So zählte die Agentur für Arbeit nach eigenen Angaben in der Hansestadt bis zum 14. Januar 97.264 Arbeitslose - 4.683 mehr als im Dezember 2025. Im Januar vor 20 Jahren waren 101.878 Menschen ohne Job.

Arbeitslosenquote steigt auf 8,6 Prozent

Die Arbeitslosenquote im Januar erhöhte sich damit im Vergleich zum Dezember 2025 um 0,4 Punkte auf 8,6 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 8,4 Prozent. Hamburg hat damit nach Bremen und Berlin die dritthöchste Arbeitslosenquote in Deutschland.

"Befristete Arbeitsverträge oder projektbezogene Jobs enden häufiger zum Jahresende und lassen die Arbeitslosigkeit im ersten Monat eines jeden Jahres in die Höhe schnellen", erläuterte der Leiter der Hamburger Arbeitsagentur, Sönke Fock, den Anstieg. 

Arbeitslosigkeit bei Akademikern steigt um fast zehn Prozent

Über ein ganzes Jahr hinweg habe sich die Gesamtarbeitslosigkeit um 4,4 Prozent oder 4.132 Menschen erhöht. Allerdings traf es die Menschen auf sehr unterschiedliche Weise. So sei die Arbeitslosigkeit etwa bei den unter 25-Jährigen um 17,3 Prozent und bei Akademikerinnen und Akademikern um 9,9 Prozent gestiegen.

Bei Ausländern sowie An- und Ungelernten sei der Anstieg dagegen mit 2,1 beziehungsweise 3,0 Prozent unterdurchschnittlich ausgefallen. "Bei den Alleinerziehenden (...) sinkt die Arbeitslosigkeit sogar", sagte Fock und verwies auf einen Rückgang um 3,3 Prozent.

Schwieriges wirtschaftliches Umfeld 

Den seit Jahren anhaltenden Anstieg der Arbeitslosigkeit führte der Chef der Hamburger Arbeitsagentur auf ein anhaltend schwieriges wirtschaftliches Umfeld zurück, welches von einer schwachen Konjunktur, gedämpftem privaten Konsum, hohen Energiepreisen und Transformationsprozessen in denUnternehmen geprägt gewesen sei. "So lag die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2024 bei 88.471 gemeldeten Arbeitslosen, im Jahr 2025 waren es mit 93.783, ein Plus von 5.311 oder 6,0 Prozent", sagte Fock.

Gleichzeitig sei aber auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Hamburg über Jahre kontinuierlich gestiegen und habe nach jüngsten Zahlen im vergangenen November mit 1.097.400 einen Höchstwert erreicht. Dass die Arbeitslosigkeit dennoch nicht zurückgeht, führte Fock darauf zurück, "dass Hamburgs Arbeitsmarkt für Arbeitsuchende aus der Metropolregion, aber auch für Bewerbende aus dem In- und Auslandattraktiv ist".

Relativ hoher Anteil ungelernter Arbeitsloser

Das bedeute zusätzliche Konkurrenz für Hamburger Jobsuchende. Zudem erhöhe das Bevölkerungswachstum der Stadt die Zahl des Erwerbspersonenpotenzials und damit in Teilen die registrierte Arbeitslosigkeit. "Hinzu kommt, dass der Anteil ungelernter Arbeitsloser in Hamburg vergleichsweise hoch ist, die Unternehmen dagegen Fachkräfte suchen, die derHamburger Arbeitsmarkt aber nicht immer bedienen kann", sagte Fock.

dpa