Bestseller-Autorin
"Ein Wagnis": Ildikó von Kürthy schreibt über ihre Ängste

Ildikó von Kürthy fühlt sich "endlich alt genug". (Archivbild) Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Ildikó von Kürthy fühlt sich "endlich alt genug". (Archivbild) Foto
© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
In ihrem neuen Buch "Alt genug" erzählt Ildikó von Kürthy aus ihrem Leben. Sie erzählt etwa von der Angst vor Tunneln oder dem Fliegen. Wie sie Zweifel überwand - und Abenteuer möglich wurden.

Schon vor einiger Zeit hat Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy in einem Instagram-Beitrag erklärt, warum sie ihr neues Buch nicht so anpreist wie ihre anderen Werke. "Ich habe ein bisschen Angst. Ich habe ein bisschen Angst vor meiner eigenen Courage bekommen, denn dieses Buch ist ein wirklich offenes Buch. Dieses Buch ist für mich ein Wagnis. Bin ich zu weit gegangen?", fragt die 58-Jährige.

Tatsächlich ist ihr neues Buch "Alt genug", das am 26. Februar im Ullstein Verlag erscheint, anders als die Vorgänger - von "Mondscheintarif" (1999) bis "Eine halbe Ewigkeit" (2023), die alle die Bestsellerlisten stürmten und oft von Liebeskummer, Freundschaften und überflüssigen Pfunden handelten. In ihrem neuen Buch, einem Memoir über ihr Leben, erzählt von Kürthy von ihren Ängsten und Zweifeln, aber auch, wie sie es geschafft hat, diese zu überwinden.

"Interessante, aufwühlende und sehr schwierige Phase" 

"Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Lebensphase bin, über die es sich zu berichten lohnt. Die Wechseljahre. Und ich meine das keineswegs nur im biologischen Sinne, sondern im Sinne von Veränderung und Reifung", sagt die Schriftstellerin der Deutschen Presse-Agentur. Nicht umsonst sei dieses Thema in aller Munde und sie sei keineswegs die Erste, die entdeckt habe, dass das "eine interessante, aufwühlende und sehr schwierige Phase ist".

Oft herrlich komisch erzählt von Kürthy von ihren Ängsten, darunter Höhen- und Flugangst, Angst vor Tunneln und Brücken. Nach einem Bühnenauftritt in Leipzig mit ihrer Freundin Saskia Fischer sperrte die Polizei sogar einmal eine Autobahn, weil sie sich nicht traute, durch einen langen Autobahntunnel zu fahren. Und trotz ihrer Flugangst schaffte es die 58-Jährige, nach New York zu fliegen und dort etliche Abenteuer zu bestehen. 

Angefangen hatten ihre Angstattacken bereits in der Kindheit. "Ich weiß es noch wie heute", erinnert sich die Autorin. "Es war im Deutschunterricht und wir mussten der Reihe nach vorlesen. Ich wusste nicht, was mit mir geschah, ich geriet in Panik, hatte Herzrasen und das Unheil kam näher und näher. Und dann war ich dran und habe mich mit Atemnot durch den Text durchgehechelt, wie bei einem 100-Meter-Lauf. Und ab diesem Moment war alles anders. Die irrationale Angst hatte einen Weg in mein Leben gefunden."

In Wacken versank sie mit ihrer Freundin im Schlamm

Auch um ihre Angst zu überwinden, stellt sie sich neuen Herausforderungen und lässt ihre Leserinnen und Leser an ihren Erfahrungen, einer Art Bucket List, teilhaben. Ob beim Heavy-Metal-Festival in Wacken, wo sie mit ihrer Freundin bei strömenden Regen bereits nach einer Nacht im Zelt wieder abreiste, oder bei einem Festival für Persönlichkeitsentwicklung, bei dem sie immerzu Floskeln hinausposaunen musste, oder bei ihrer Bewerbung für die Fernsehsendung "Germany's Next Topmodel", die für Aufsehen in den sozialen Medien sorgte. 

"Ich hatte mein Bewerbungsvideo auf Instagram gepostet und war überwältigt und zunächst auch überfordert von der großen Resonanz, die ja keineswegs nur positiv war", sagt sie heute. "Ich bin jedoch der Meinung, dass ich mir die Show zunutze gemacht habe, und nicht andersherum. Ich habe die Möglichkeit genutzt, auf einer relativ großen Bühne zu sagen: "Fett, Falten, Lebenserfahrung, das fehlt hier.""

"Eine Zeit lang bestand ich nur noch aus Angst." 

Die Autorin gibt zu, nicht sehr selbstbewusst zu sein, zu viel Alkohol getrunken zu haben und fast ihr ganzes Leben an einer generalisierten Angststörung gelitten zu haben, die sie erst vor einigen Jahren mit Hilfe von Antidepressiva in den Griff bekam. "Eine Zeit lang bestand ich nur noch aus Angst. Nach meinem Abitur war die schlimmste Zeit, ich sollte raus ins Leben und erwachsen sein und traute mich nicht mal mehr zum Briefkasten, der 100 Meter von unserem Haus entfernt war", erinnert sie sich. 

Woher diese Ängste kommen, weiß sie nicht. "Ich habe mich mein Leben lang damit beschäftigt, das herauszufinden und eine Therapie nach der anderen gemacht. Das hat aber nichts gebracht. Zumindest nicht für meine konkrete Angststörung", sagt sie. In ihrem Buch kommt sie zu dem Schluss: "Angst zu haben, ist eine ehrenvolle Sache. Sie auszuhalten und zu überwinden, ist eine Lebensaufgabe, wie sie größer nicht sein könnte. Ich bin - und es fällt mir unendlich schwer, diesen Satz zu schreiben: Ich bin ein mutiger Mensch."

dpa

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