Tiere
Waschbären vermehren sich rasant - und bedrohen andere Tiere

Die Entwicklung der Waschbärpopulation in Schleswig-Holstein ist unter anderem anhand der Jagdstrecken erkennbar. (Archivbild) F
Die Entwicklung der Waschbärpopulation in Schleswig-Holstein ist unter anderem anhand der Jagdstrecken erkennbar. (Archivbild) Foto
© Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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Ursprünglich stammen sie aus Nordamerika, breiten sich aber auch in Schleswig-Holstein immer mehr aus: Waschbären sind ein Problem für andere Tiere - und bereiten mitunter auch Menschen Ärger.

In Schleswig-Holstein tummeln sich immer mehr Waschbären: Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Tierart breitet sich vom Süden in den Norden des Bundeslandes stetig weiter aus - und dieser Trend halte an, teilte das Landesamt für Umwelt der Deutschen Presse-Agentur mit. Einst auch zur Pelzgewinnung in Farmen gezüchtet, verbreiteten sie sich in ganz Deutschland. Die Art komme in Schleswig-Holstein landesweit vor, allerdings mit unterschiedlichen Populationsdichten, heißt es. "Der Schwerpunkt liegt im Südosten des Landes."

Waschbär-Jagd hilft nur bedingt

Als Grund für die Ausbreitung der nachtaktiven Räuber im nördlichsten Bundesland nennt die Sprecherin des Landesamtes unter anderem die hohe Vermehrungsrate, zudem seien die Tiere bezogen auf ihr Habitat anspruchslos. "Die Ausbreitung erfolgt, weil in Schleswig-Holstein geeignete Habitate zur Verfügung stehen", erklärt Janine Wergin. Und Waschbären haben eine sogenannte generalistische Ernährungsweise, sie ernähren sich also entsprechend der Nahrungsverfügbarkeit - allerdings hauptsächlich tierisch. 

"Die Bejagung kann dabei die Ausbreitung verlangsamen, aufgrund der hohen Reproduktion diese aber nicht verhindern", sagt Wergin. Der Fokus beim Management liege in Schleswig-Holstein auf speziellen Maßnahmen zum Schutz heimischer Biotope und Arten, da eine flächendeckende Bestandsreduktion der Waschbären aktuell nicht zu erzielen sei.

Gefahren der zunehmenden Ausbreitung 

Die laut Landesamt "invasive gebietsfremde Art" hat verschiedene negative Auswirkungen auf einheimische Arten - insbesondere durch ihre Jagd etwa auf Amphibien und Vögel. "Durch die weitere Ausbreitung und Zunahme der Individuenzahl von Waschbären verstärken sich diese negativen Effekte auf einheimische Arten", erklärte die Sprecherin. Es werden dadurch zunehmend spezielle Maßnahmen zum Schutz einheimischer Arten und Biotope notwendig - wie das Anbringen von Überkletterschutz-Manschetten (für Horst- und Höhlenbäume) oder das Aufstellen von Einzäunungen (mit Überkletterschutz). 

Jäger: Bestand steigt kontinuierlich

Laut dem offiziellen Jagdstreckenbericht des Landes Schleswig‑Holstein waren im Jagdjahr 2024/2025 insgesamt 2.925 Waschbären erlegt worden, das sind rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr (Jagdjahr 2023/2024: 2.228). Im Jahr 2014 waren es noch 88. 

"Die Jagdstrecken zeigen seit Jahren einen klaren Aufwärtstrend", teilte Marcus Börner, Geschäftsführer beim Landesjagdverband Schleswig-Holstein der dpa mit. Die intensive Ausbreitung des Waschbären in Schleswig-Holstein begann etwa ab 2005. Seitdem seien sowohl die räumliche Ausdehnung, als auch Individuenzahl kontinuierlich gestiegen, so Börner. 

Aktuelle Schwerpunkte liegen vor allem im Kreis Herzogtum Lauenburg, der Hansestadt Lübeck und dem Kreis Stormarn. "Von dort aus breiten sich die Tiere weiter nach Ostholstein sowie in nördliche Landesteile aus", sagte Börner. Die Einschätzung basiere auf Daten aus dem Wildtierkataster sowie auf Jagd‑ und Fundmeldungen. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein rechnet weiter mit einer deutlichen Zunahme der Tiere. Diese werden laut Börner mit Lebendfallen gefangen oder geschossen. 

Waschbären bedrohen ihm zufolge nicht nur Vögel, Amphibien und andere Kleinsäuger, auch Schäden an Gebäuden oder das Durchwühlen von Müll sorgten vermehrt für Konflikte. Der Waschbär werde den Norden demnach auch künftig beschäftigen. "Eine Kombination aus Monitoring, rechtssicherer Bejagung und Zusammenarbeit von Jagd, Naturschutz und Wissenschaft ist unerlässlich, um die Auswirkungen dieser invasiven Art auf ein vertretbares Maß zu begrenzen."

dpa

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