Urlaub an der Nordsee
Influencer und KI - Wie die Küste sichtbarer werden will

Soziale Netzwerke bieten Inspiration für neue Urlaubsziele. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Soziale Netzwerke bieten Inspiration für neue Urlaubsziele. Foto
© Hauke-Christian Dittrich/dpa
Wer nach einem Urlaubsziel sucht, findet Inspiration heutzutage auf Instagram, Tiktok und Co. oder fragt die KI. Touristiker an der niedersächsischen Nordseeküste wollen sich darauf einstellen.

Niedersachsens Nordseeküste will im Wettbewerb mit anderen Urlaubsregionen digital sichtbarer werden und dafür künftig auch mehr auf die Hilfe von Reise-Influencern und Künstlicher Intelligenz (KI) setzen. "Wir müssen ausprobieren, wir müssen mutig sein", sagt Mario Schiefelbein, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Nordsee (Tano) beim Nordseetourismustag in Leer.

Denn Inspirationen für Reiseziele fänden Menschen zunehmend in Sozialen Medien wie Instagram und Tiktok oder indem sie KI-Chatbots befragen. "Beim Gast beginnt die Reise im Kopf, da müssen wir ansetzen."

Reichweite und Glaubwürdigkeit

Auf dieses sich ändernde Reiseverhalten wolle die Urlaubsregion Nordseeküste reagieren, sagt Schiefelbein. Um die vielen Küstenorte zwischen Ems und Elbe bei dem Wandel mitzunehmen, setze die überregionale Marketinggesellschaft auf Webinare und Workshops für den Austausch. Rund 200 Fachleute aus Tourismus, Politik und dem Dienstleistungsbereich berieten am Mittwoch bei dem Branchentag, wie der Nordseeurlaub künftig aussehen sollte. 

Aufmerksamkeit sei für Tourismusregionen eine neue Leitwährung, sagte Tano-Digitalisierungsmanagerin Eva Forkel. "Wer online nicht sichtbar ist, findet schlichtweg nicht statt." Dabei gehe es nicht allein um Reichweite, sondern auch um Glaubwürdigkeit. Helfen beim Marketing könnten etwa Influencer, die in Sozialen Netzwerken die Nordseeregion vorstellen. Mit echten Geschichten von echten Menschen könne die Nordseeregion punkten, sagte Forkel.

Investitionen in Infrastruktur gefordert

Leers Landrat Matthias Groote (SPD) betonte, es müsse auch in Infrastruktur investiert und Schienen, Straßen und Brücken ertüchtigt werden. "Da nützen uns die schönsten KI-Modelle nichts, wenn es in der Realität an der Infrastruktur hapert." Stehe etwa zu Beginn einer Bahnreise an die Küste der Schienenersatzverkehr, sei "das Urlaubserlebnis gleich am Anfang zerstört."

Anja Karliczek, Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag, nannte es richtig, Marketing gemeinsam anzugehen. "Die Gäste sind zunehmend anspruchsvoller als sie das in der Vergangenheit waren." Heute dürfe der "Eventcharakter" bei jedem Ausflug nicht fehlen. Dieser Anforderung müsse sich jeder Ort stellen, deshalb sei es sinnvoll, dass sich die Nordseeküste beim Marketing zusammengeschlossen habe, sagte die CDU-Politikerin. 

Der Vorsitzende des niedersächsischen Tourismusverbandes und Landrat des Landkreises Wittmund, Holger Heymann (SPD), mahnte an, die Kommunen auch finanziell ausreichend auszustatten. "Alle Landkreise und kreisfreien Städte ächzen gerade aus dem letzten Loch." Tourismusförderung sei eine freiwillige Leistung der Kommunen. Bedeutung habe der Tourismus aber für das ganze Bundesland mit rund 330.000 Arbeitsplätzen in der Branche. 

Rekordjahr 2025 bei Gästezahlen?

Trotz der vielen Herausforderungen könnte 2025 ein Rekordjahr für die Nordseeküste gewesen sein, das bei Ankünften und Übernachtungen auch die bisherigen Höchstzahlen 2019 vor der Corona-Pandemie übertreffen könnte. 

Noch stehen die Gesamtzahlen aus, aber in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 verzeichnete die gesamte niedersächsische Nordseeküste nach Angaben des Tourismusmarketing Niedersachsen (TMN) 3,47 Millionen Ankünfte und 15,36 Millionen Übernachtungen. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2019 wurden in den ersten elf Monaten 3,39 Millionen Ankünfte und 15,45 Millionen Übernachtungen registriert. 

Auch im touristischen Wettbewerb mit den anderen deutschen Küstenregionen konnte Niedersachsens Nordseeküste in der Gunst der Küstenurlauber zuletzt zulegen und so leicht Marktanteile gewinnen. Zwar lagen bei den Marktanteilen am deutschen Küstentourismus die Küstenregionen von Schleswig-Holstein (43,5 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (35,5 Prozent) nach wie vor deutlich vor Niedersachsens Nordseeküste (21,0 Prozent), wie aus vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes für 2025 hervorgeht. 

Die prozentualen Zuwachsraten bei den Marktanteilen deuteten aber darauf hin, dass sich Niedersachsens Nordseeküste besser von der Pandemie erholt habe als die Küstenregionen der anderen Bundesländer, teilte das Tourismusmarketing Niedersachsen auf Anfrage mit. Sowohl bei den Übernachtungen als auch bei den Gästeankünften hat Niedersachsens Nordseeküste demnach seit 2020 Marktanteile leicht hinzugewonnen.

dpa