Die Wirtschaft in Schleswig-Holstein hat nach Ansicht von CDU-Landtagsfraktionschef Tobias Koch gute Chancen, sich von der aktuell schwachen Entwicklung in Deutschland abzukoppeln und von Sonderentwicklungen zu profitieren. Das liege vor allem am starken Ausbau der erneuerbaren Energien, bei dem sich der Süden nach wie vor etwas schwertue.
Der andere Bereich sei die wehrtechnische Industrie und hier insbesondere der maritime Bereich sowie die Produktion von Landsystemen. "Damit haben wir Riesenchancen in Schleswig-Holstein. Die versuchen wir zu nutzen", sagte Koch der dpa.
Schleswig-Holstein profitiert vom Aufwuchs der Bundeswehr
In Zeiten des Kalten Kriegs sei Schleswig-Holstein ein extrem starker Bundeswehrstandort gewesen. Das Land profitiere, wenn die Personalstärke wieder wachse. "Das erleben wir an verschiedenen Standorten." Die Entwicklung betreffe zum Beispiel das ehemalige Marinefliegergelände in Kiel und die Liegenschaften in Boostedt. Dort werde überlegt, zu einer militärischen Nutzung zurückzukehren.
"Das haben wir als Land selbst nicht in der Hand", räumte der Fraktionschef ein. "Aber wir würden unseren Beitrag dazu leisten, dass die Bundeswehr ihre ehemaligen Liegenschaften wieder nutzen kann." Das könne bei einigen Standorten natürlich das Aus für andere Pläne der Kommunen bedeuten, wenn man etwa an Stadtentwicklung auf dem früheren Gelände der Marineflieger in Kiel denke. "Da würden wir im Zweifel aber dafür plädieren, diesen Ansiedlungswünschen der Bundeswehr auch Rechnung zu tragen", so Koch.
TKMS in Kiel und FFG in Flensburg gute Beispiele
Als positive Entwicklung sieht der Fraktionschef die Bemühung des größten deutschen Marineschiffbauers TKMS, German Naval Yards zu übernehmen. "Diese Übernahmeabsicht hat die volle Unterstützung unserer Landesregierung." Es bestehe ein elementares Interesse daran, den Werftstandort in Kiel zu stärken. Das könnte die Position von TKMS bei der Bemühung um Aufträge zum Bau von Fregatten langfristig stärken.
Die vorgesehene Bestellung von neuen Radpanzern beim finnischen Unternehmen Patria wird nach Kochs Angaben auch positive Auswirkungen in Schleswig-Holstein haben. Die Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) sei deutscher Partner des Projekts und werde im Bereich Wartung und Reparatur künftig eine wichtige Rolle übernehmen. Aktuell wird das Werk 3 der FFG in Handewitt gebaut. Das ist nach Kochs Angaben ein weiterer Schritt, der sichtbar mache, wie gut es der Wehrindustrie im Moment in Schleswig-Holstein gehe.