Zurück in der Nordsee
Buckelwal spurlos im Meer - Minister Backhaus unzufrieden

Wo der Wal aktuell ist, ist unklar. Auch, ob er noch lebt. Foto: Philip Dulian/dpa
Wo der Wal aktuell ist, ist unklar. Auch, ob er noch lebt. Foto
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Ein Buckelwal sorgte mit seinen Irrwegen und Strandungen an der Ostseeküste wochenlang für Aufsehen. Nach seinem Transport in die Nordsee verliert sich die Spur. Das war anders geplant.

Angesichts fehlender Informationen zum Verbleib und Zustand des von der Ostseeküste abtransportierten Buckelwals hat sich der Schweriner Umweltminister kritisch geäußert. "Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht", sagte Till Backhaus (SPD) laut Mitteilung. Es sei vereinbart gewesen, dass Daten zum Zustand des Tieres sowie zur Ortung übermittelt werden. "Diese Informationen liegen bislang nicht vor."

Der mehrmals an der Ostseeküste gestrandete Buckelwal war am Samstagmorgen in die Nordsee gesetzt worden. Bisher ist unbekannt, wie es ihm geht und wo er sich aufhält. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als sehr gering eingeschätzt.

"Es gibt keinen gesicherten Nachweis über den Tod des Tieres. Ich beteilige mich nicht an Spekulationen", teilte Backhaus nun mit. "Der Rettungsversuch hat dem Wal die Chance gegeben, in seinem natürlichen Lebensraum zu überleben. Genau darum ging es."

MV für "Runden Tisch Walstrandungen"

Backhaus spricht sich für Strukturen aus, um künftig besser auf Strandungen von Walen vorbereitet zu sein. Bei der Umweltministerkonferenz (UMK) diese Woche in Leipzig setzt sich Mecklenburg-Vorpommern laut Ministerium für einen "Runden Tisch Walstrandungen" ein. Dabei gehe es etwa um klare Zuständigkeiten und abgestimmte Verfahren. Um den Abtransport des Buckelwals von der Ostseeküste hatte sich letztlich eine private Initiative gekümmert, überwacht und geduldet von Backhaus' Ministerium.

Auf der UMK will sich Mecklenburg-Vorpommern laut Umweltministerium auch für mehr und wirksamere Ruhe- und Rückzugsräume für Meerestiere einsetzen. Außerdem setze das Land auf Maßnahmen, die Risiken etwa für Meeressäuger senken sollen, die etwa vom Beifang durch die traditionelle Kleine Küstenfischerei oder von sogenannten Geisternetzen ausgehen.

In der Küstenfischerei kommen etwa Stellnetze zum Einsatz, in denen Experten eine Gefahr etwa für heimische Schweinswale sehen. Als Geisternetze gelten Netze, die unabsichtlich im Meer bleiben. Sie können zu tödlichen Fallen werden.

Sorge um Schweinswale

Besonders die Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee mit je nach Schätzung nur noch etwa 500 Tieren bereitet Experten Sorgen. In der Vergangenheit hatte das Schweriner Umweltministerium mitgeteilt, es fehle an wirklich belastbaren Aussagen zur Rolle des Beifangs. In bestimmten Schutzgebieten gelte von Anfang November bis Ende Januar ein Verbot des Fischfangs mit Stellnetzen.

"Maßnahmen müssen dort ansetzen, wo tatsächlich Gefahren bestehen und auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren", hieß es nun aus dem Ministerium. Meeresschutz müsse "wirksam und verhältnismäßig sein", betonte Backhaus.

Küstenfischerei unter Druck

Der Minister verwies auf die unter Druck stehende Küstenfischerei in MV: "Die Zahl der Betriebe ist seit der Wende bereits massiv zurückgegangen - von rund 950 auf heute etwa 270 im Haupt- und Nebenerwerb."

Drastische Fangbeschränkungen infolge dezimierter Fischbestände setzen der Branche zu. So darf etwa der wichtige Hering - als sogenannter Brotfisch früher wichtig für das Auskommen hiesiger Fischer - nur noch mit kleineren Kuttern und passiven Fangmethoden gefischt werden - also etwa mit Stellnetzen.

Backhaus verwies auf weitere Belastungen der Meere wie Verschmutzung, Lärm und Schiffsverkehr. Jährlich gelangten weltweit rund 400 Millionen Tonnen Schadstoffe in die Ozeane. Etwa 80 Prozent der Verschmutzung stammten von Land, rund drei Viertel des Mülls im Meer bestünden aus Kunststoff.

Appell von Naturschutzverbänden 

Anlässlich der UMK haben sich die Naturschutzverbände BUND, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, Nabu und WWF Deutschland für einen entschlosseneren Meeresschutz in Deutschland ausgesprochen. Sie richteten einen offenen Brief an die Umweltminister und -ministerinnen von Bund und Ländern.

"45 Prozent der deutschen Nord- und Ostsee sind als Meeresschutzgebiete ausgewiesen und doch befinden sich diese Meere in einem besorgniserregend schlechten Zustand", bemängelte Heike Vesper vom WWF Deutschland. 

Die Verbände fordern einen gemeinsamen Aktionsplan von Bund und Ländern. Mindestens die Hälfte der heutigen Meeresschutzgebiete sollte vollständig ungenutzt bleiben. Die Finanzierung für Meeresschutzmaßnahmen sollte verstetigt werden. 

Zudem fordern die Verbände ein Sofortprogramm zur Verringerung der Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft. Nährstoffüberfrachtung etwa der Ostsee und der durch den Klimawandel bedingte Temperaturanstieg fördern eine hohe Biomasseproduktion vor allem durch Algen. Deren Abbau verbraucht Sauerstoff im Wasser, der dann anderen Meeresbewohnern fehlt.

dpa