Wer zum ersten Mal durch Hessen reist, könnte ins Grübeln geraten: Lieblos, Magdlos, Sieglos, Friedlos. Orte, die klingen, als fehle es ihnen etwas. Es stellt sich unweigerlich die Frage: Gibt es in Lieblos tatsächliche keine Liebe und in Magdlos keine Mägde?
Doch der erste Eindruck täuscht. Hinter den skurrilen Ortsnamen verbirgt sich vor allem eines: Geschichte, wie das hessische Institut für Landesgeschichte in Marburg erklärt. Bei diesen Namen, die oft eine jahrhundertealte Geschichte haben, spielten Vornamen eine wichtige Rolle.
In Lieblos habe vermutlich eine Person namens Libila oder ähnlich mit der Herkunft des Ortsnamens zu tun, erklärt die Gemeinde Gründau (Main-Kinzig-Kreis) erklärt, zu der Lieblos gehört. Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus Liblas, Livela . Weiter ging es über Libelahes, Lyebelohs, Liebeloz, Lybleleß, Lieblis bis zum heutigen Lieblos.
"Die Liebloser sind gar nicht so lieblos"
Bei Ortsfremden komme es immer wieder mal zu – mehr oder weniger – humorvollen Nachfragen, wie denn der Name entstanden sei und ob es denn tatsächlich so schlimm sei in Lieblos, berichtet der Gründauer Bürgermeister Markus Kern (CDU). "Ich denke, die Liebloser, die ja gar nicht so lieblos sind, haben sich damit abgefunden und reagieren eher gelassen auf die naheliegenden Anspielungen."
"Eine gesellige Dorfgemeinschaft"
Erzählungen zur Namensgebung gebe es einige, überwiegend mit Bezug auf verschmähte Liebesbekundungen, die jedoch mit der Realität wenig zu tun hätten, erklärt Bürgermeister Kern augenzwinkernd. "Jedenfalls sind die Liebloser eine durchaus gesellige Dorfgemeinschaft und der Ort ist der zentrale Ortsteil und Verwaltungssitz der Gemeinde Gründau."
Aus Machtlos wurde Magdlos
Laut Institut für Landesgeschichte ist im Fall von Magdlos nach allgemeiner Einschätzung davon auszugehen, dass hier der Personenname Matholf zugrunde liegt. Der Ortsname könne somit als Gehöft oder Siedlung des Machtolf oder Machtulf gedeutet werden.
Das deckt sich mit den Informationen, die die Gemeinde Flieden (Kreis Fulda), zu der Magdlos gehört, selbst zu dem Ortsnamen bereithält. Fun Fact am Rande: Vorübergehend hieß der Ort auch einmal Machtlos.
Bei Sieglos wiederum könnte nach Einschätzung des Landesinstituts vermutlich der Rufname Sigelin oder Siling im Spiel. Sieglos ein Ortsteil von Hauneck (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und Friedlos ein Teil der Gemeine Ludwisau (Hersfeld-Rotenburg).
Am Ende bleibt die Erkenntnis: In Hessens "-los"-Orten fehlt es vielleicht an manchem im Namen – aber sicher nicht an Geschichte.