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Schleswig-Holstein Rassistischer Ortsname? Grüne Jugend will Dorf Negernbötel umbenennen – und stößt auf Widerstand


Das Dorf Negernbötel im Kreis Segeberg, Schleswig-Holstein, soll umbenannt werden, das fordert die ansässige Grüne Jugend. Denn: Der Name enthält das rassistische N-Wort. Doch Einwohner:innen und Politiker:innen stellen sich gegen den Vorstoß.

Ein kleiner Ort im Kreis Segeberg mit nicht mal 1000 Einwohner:innen sorgt dieses Jahr immer wieder für Kopfschütteln in Schleswig-Holstein. Es ist der Name "Negernbötel", der einige stört – und das widerum stört andere. Die Grüne Jugend möchte den Ort umbenennen, weil er das rassistische N-Wort enthält und für schwarze Menschen verletzend sein kann. Den Befürworter:innen ist bewusst, dass der Name keinen rassistischen Ursprung hat. Er stammt dem Plattdeutschen und bedeutet so viel wie "Näher zu der Siedlung". Der angrenzende Ort trägt den Namen "Fehrenbötel" – also weiter von der Siedlung entfernt.

Plattdeutsch sei keine verbreitete Sprache mehr, schreibt die Grüne Jugend auf Instagram. "Wer heute den Namen liest, assoziiert den Ortsnamen mit dem rassistischen, Jahrhunderte zur Unterdrückung von Schwarzen Menschen genutzten, N-Wort."

Bürgermeister ist gegen die Umbenennung

Der Bürgermeister, Marco Timme, spricht sich gegen die Umbenennung des Ortes aus. Der "Bild" sagt er: "Das Thema lenkt von den eigentlichen Aufgaben im Ort ab, die angepackt werden müssen. Wir bauen eine neue Feuerwehr und bei der Kita an. Da ist die Diskussion über eine Namensgebung von 1306 nachrangig."

Auch Steffen Regis, Landesvorsitzender der Grünen Schleswig-Holstein, stellt sich gegen den Vorschlag der Grünen Jugend Segeberg: "Der Kampf gegen Rassismus ist enorm wichtig und auch die Betrachtung von Sprache kann dabei relevant sein. Der Ort Negernbötel hat eine plattdeutsche Namensgebung und es gibt keinen Anlass, diesem Namen oder gar seinen Einwohner*innen rassistische Motive zu unterstellen. Eine Umbenennung des Ortes steht für uns nicht zur Debatte", sagt er der "Bild".

Sprachwissenschaftler befürwortet Vorschlag

"Das N-Wort ist extrem herabwürdigend, es ist in der deutschen Sprache eines der als am schlimmsten als diskriminierend empfundenen Wörter überhaupt", sagte der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch den "Lübecker Nachrichten" Anfang des Jahres. "Man sollte Debatten über den Ortsnamen nicht gleich abblocken. Ortsnamen sind nicht heilig, wenn eine Gesellschaft und ihre Werte sich ändern." Schon damals konterte Bürgermeister Timme: "Bei uns lebt nicht ein Rassist. Wir haben so großen Zuspruch. Wen das stört, der kann ja woanders wohnen."

Quellen: Instagram, "Bild", "Lübecker Nachrichten"

fis

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