Kräftiger Schneefall hat für Chaos auf den Straßen in Hessen gesorgt. Es kam zu Unfällen und kilometerlangen Staus. An Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Für diesen Mittwoch müssen sich Schülerinnen und Schüler auf witterungsbedingte Unterrichtsausfälle einstellen.
Keine Starts und Landungen in Frankfurt
Starker Schneefall legte den Flugbetrieb in Frankfurt vorübergehend lahm. An Deutschlands größtem Airport wurden bis zum Abend rund 100 von 922 Flügen annulliert. Das teilte der Flughafenbetreiber Fraport mit. Inzwischen seien eine Start- und eine Landebahn geräumt worden und der Flugbetrieb sei wieder angelaufen, sagte ein Sprecher am Abend.
Mit weiteren Verzögerungen müsse aber weiterhin gerechnet werden. Der Sprecher appellierte an Reisende, sich rechtzeitig bei den jeweiligen Airlines über ihre Verbindungen zu informieren und für die Anreise zum Flughafen aufgrund der Witterungsbedingungen rund um Frankfurt ausreichend Zeit einzuplanen.
Busverkehr steht in mehreren Kreisen und Städten still
Wegen des Wintereinbruchs wurde in mehreren Städten und Kreisen der Busverkehr eingestellt. "Die Straßenverhältnisse lassen einen regulären Betrieb im Großteil des Liniennetzes nicht zu", teilte etwa die Wiesbadener Gesellschaft Eswe mit. Ähnlich äußerten sich die Stadtwerke Marburg: "Aufgrund der eingetretenen Witterungsbedingungen bzw. schneeglatter Straßen muss der Stadtbusbetrieb vollständig bis auf Weiteres eingestellt werden", teilten sie mit. Ein gefahrloser Betrieb lasse sich "unter diesen Umständen nicht durchführen".
Laut dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gab es unter anderem auch Ausfälle in
Landkreis Gießen (Busverkehr vorübergehend eingestellt)Stadt Wetzlar (Verkehr vorübergehend eingestellt)Wetteraukreis (Busverkehr vorübergehend eingestellt)Vogelsbergkreis (Busverkehr vorübergehend eingestellt)Rheingau-Taunus-Kreis (Busverkehr vorübergehend eingestellt)Hochtaunuskreis (Busverkehr überwiegend eingestellt)Stadt Wiesbaden (Busverkehr vorübergehend eingestellt)Kreis Offenbach (Busverkehr teilweise eingestellt)
Unfälle und Staus
"Auf unseren Autobahnen geht gerade fast nichts mehr", sagte ein Sprecher der Polizeiautobahnstation Wiesbaden. Betroffen sei unter anderem die A3. Dort staue sich der Verkehr zwischen Raunheim und Idstein auf knapp 30 Kilometern Länge. Auch auf den Autobahnen 66, 671 und 643 gebe es lange Staus. Es habe zahlreiche Unfälle gegeben, bei denen aber nur Sachschäden entstanden seien.
Am Abend entspannte sich die Lage auf der A3 etwas. "Die Autobahnmeisterei konnte an der Anschlussstelle Niedernhausen inzwischen so weit nachstreuen und räumen, dass zumindest die linke und die mittlere Fahrbahn wieder frei sind", sagte eine Sprecherin der Polizeiautobahnstation. Dort würden nun keine Lkw mehr stehen und der Verkehr rolle langsam wieder.
"Da es nicht mehr schneit, hoffen wir, dass sich der Stau dann bald soweit auflöst", sagte sie. "Aber die Verkehrsteilnehmer müssen weiterhin viel Geduld aufbringen." Liegengebliebene Fahrzeuge verhinderten jedoch zunächst ein zügiges Auflösen des Staus. Der Verkehr rolle zwar. "Es geht aber im Schneckentempo voran", sagte eine Sprecherin der Polizeiautobahnstation.
In Frankfurter Stadtgebiet wurden nach Angaben der Polizei binnen drei Stunden rund 50 Unfälle gemeldet. Dabei habe es sich größtenteils um Blechschäden gehandelt, berichtete ein Sprecher. Laut der Autobahnpolizei Frankfurt gab es auf der 661 und auf der A66 einzelne Unfälle.
Schwierig war die Lage auch in Mittelhessen, wo es auf schneeglatten Straßen am Nachmittag zu zahlreichen Unfällen kam. Innerhalb von etwa zwei Stunden wurden der Polizei rund 35 bis 40 Glätteunfälle gemeldet. "Das werden sicher noch mehr", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen.
Auf der Autobahn 5 nahe Grünberg und nahe der Raststätte Wetterau sowie auf der A485 zwischen den Anschlussstellen Licher Straße und Grünberger Straße kamen zudem mehrere Lastwagen auf den verschneiten Fahrbahnen nicht weiter.
Beim Polizeipräsidium Südosthessen sprach man zunächst von einem knappen Dutzend gemeldeter Unfälle. Dabei habe es auch Blessuren gegeben. "Kurzzeitig ist Chaos ausgebrochen, aber ohne gravierende Folgen", sagte ein Sprecher.
Auch im Bereich der Polizeipräsidien West- und Nordhessen gab es witterungsbedingt vermehrt Unfälle. Auch dort wurden zunächst lediglich Blechschäden registriert. Dabei sei niemand schwer verletzt worden. Auch in Südhessen hatte die Polizei zunächst keine größeren Hinweise auf Glätteunfälle.
Hessenweit Ausfall von Präsenzunterricht an Schulen möglich
Das hessische Innenministerium wies am Abend auf mögliche witterungsbedingte Unterrichtsausfälle am Mittwoch hin. Hessenweit könne es aufgrund von Schneefall und Glatteis zu einem Ausfall des Präsenzunterrichts kommen, teilte das Innenministerium über die Warnapp HessenWarn mit. Die Eltern wurden gebeten, sich über die jeweilige Schule sowie deren Homepages, über Elternbriefe und digitale Lernplattformen zu informieren, ob auch die Schule Ihres Kindes betroffen ist.
Unwetterwarnung des DWD - bis 20 Zentimeter Neuschnee
Der Deutsche Wetterdienst hatte in Hessen vor starkem Schneefall gewarnt. In einer amtlichen Unwetterwarnung hieß es, es bestehe Gefahr für Leib und Leben durch eine geschlossene Schneedecke, eingeschränkte Mobilität, blockierte Verkehrswege und Glatteis. Die amtliche Warnung des DWD vor starkem Schneefall in Hessen wurde am Abend wieder aufgehoben.
Für den Regierungsbezirk Kassel gab der DWD am Abend eine amtliche Unwetterwarnung vor Glatteis ab 21.00 Uhr heraus. Dort gebe es mit Stufe 3 von 4 eine hohe Glättegefahr - voraussichtlich bis zum Mittwochmorgen 6.00 Uhr. Durch plötzlich überfrierende Nässe oder plötzlich gefrierenden Regen bestehe Gefahr für Leib und Leben.
Zudem muss im Westen Deutschlands hauptsächlich im Bergland und in den mittleren Landesteilen bis in tiefe Lagen laut bundesweitem Warnlagenbericht des DWD mit Schneefall gerechnet werden. Meistens gebe es 3 bis 8 Zentimeter Neuschnee. Vor allem vom Taunus bis zum Sauer- und Siegerland bis nach Mittelhessen seien bis zum Abend vorübergehend auch kräftigere Schneefälle mit 8 bis 15 Zentimetern Neuschnee in sechs Stunden möglich. Lokal seien auch 20 Zentimeter nicht ausgeschlossen.