Die seit 200 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern als verschollen geltende Wildkatze ist nun erstmals in Vorpommern genetisch nachgewiesen worden. Der Deutschen Wildtier Stiftung gelangen nach eigenen Angaben entsprechende Nachweise auf ihren Stiftungsflächen bei Strasburg (Uckermark) im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Zuvor hatte der NDR berichtet.
"An sechs verschiedenen Standorten innerhalb eines Waldgebiets konnte eine Wildkatze nachgewiesen werden", teilte die Stiftung mit. Es handle sich um das derzeit nordöstlichste bekannte Vorkommen überhaupt innerhalb ihres europäischen Verbreitungsgebiets.
Laboranalysen ergaben den Angaben zufolge, dass es sich um einen Kater handelt, der sich offenbar über mehrere Wochen auf einer Fläche von rund zwei Quadratkilometern aufhielt.
Nachweis mit Baldrian-Lockstöcken
Grundlage war ein Monitoring mit Lockstöcken im Frühjahr. Diese werden während der Paarungszeit mit Baldrian behandelt, weil es Kater anlockt. Reiben sich die Tiere am rauen Holz, bleiben Haare haften, die untersucht werden können.
Schon im Oktober möchte die Deutsche Wildtier Stiftung das Monitoring fortsetzen, um zu prüfen, ob der Kater möglicherweise Familienanschluss hat. Nachwuchs etwa würde nach Aussage einer Sprecherin bedeuten, dass die Tiere in der Region auch heimisch sind und es sich nicht nur um einen durchziehenden Kater handelt. Die Streifgebiete männlicher Wildkatzen umfassen laut Stiftung in der Regel 30 bis 60 Quadratkilometer.
Den Angaben zufolge gab es bislang lediglich einen genetischen Nachweis aus dem Jahr 2024 im mecklenburgischen Müritz-Nationalpark. Auch dort findet das Monitoring mit Lockstöcken statt. Aus jener Region stamme auch die letzte historisch dokumentierte Wildkatze des Bundeslandes aus dem Jahr 1812.
Nachweise in Nachbarbundesländern
Ob die Wildkatze in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich ausgestorben war oder nur einzelne Tiere unentdeckt überdauert haben, sei unklar. In Nachbarbundesländern sind Wildkatzen bereits nachweislich zurück. So gibt es bereits mehrere Nachweise in Brandenburg. Anfang des Jahres gelang auch ein erster genetischer Nachweis im westlichen Nachbarbundesland Schleswig-Holstein.
Nach früheren Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden Wildkatzen früher stark gejagt, stehen aber seit etwa den 1930er Jahren unter Schutz. Sie brauchen demnach einen vielfältigen naturnahen Wald.
Die Europäische Wildkatze gehört laut BUND zwar zur selben Gattung wie Hauskatzen, stellt aber eine eigene Art dar. Sie sind demnach nur entfernt verwandt. Die Europäische Wildkatze gehöre zu Wildtierarten, die schon seit 10.000 Jahren vorkommen. Die Hauskatze stamme von der Afrikanischen Wildkatze ab. Die Römer brachten sie demnach in der Antike nach Europa.