Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche in Ahlhorn steht vor dem Aus. Das Haus könne in seiner jetzigen Form nicht fortgeführt werden, teilten die Betreiber der Klinik bei einer Pressekonferenz mit. Man werde es "unter den aktuellen Rahmenbedingungen leider nicht fortführen können", sagte der Vorstand des Trägers Leinerstift, Wolfgang Vorwerk.
Das therapeutische Angebot solle in stark veränderter Form aber fortgeführt werden. Geplant seien therapeutische Wohngruppen am Standort, kündigte Vorwerk an. Das sei jedoch kein vollwertiger Ersatz. Die Klinik in der Gemeinde Großenkneten im Landkreis Oldenburg ist nach eigenen Angaben die größte Klinik für suchtkranke Jugendliche in Deutschland.
Hintergrund ist nach Angaben der Beteiligten eine seit längerem unzureichende Refinanzierung durch die Kostenträger. Ende April hatte das Leinerstift dann angekündigt: Sollte bis zum 10. Mai keine tragfähige Lösung zur Finanzierung gefunden werden, werde der Betrieb zum 30. Juni eingestellt. Das sei nicht als Drohung gemeint gewesen, sagte Vorwerk einen Tag nach Ablauf der Frist.
1,5 Millionen Euro Verlust
Die Deutsche Rentenversicherung als Kostenträger habe am Freitag angeboten, mit den bisherigen Tagessätzen weiterzuarbeiten, berichtete Vorwerk. Das sei aber kein ausreichendes Angebot gewesen. Die bisherigen Tagessätze hätten die tatsächlichen Kosten nicht gedeckt. Zugleich habe das Leinerstift nach eigenen Angaben rund 1,5 Millionen Euro Defizit aus Eigenmitteln getragen.
Nach Darstellung des Leinerstifts gibt es bundesweit neben der Klinik in Ahlhorn nur zwei weitere spezialisierte Einrichtungen mit zusammen 36 Plätzen. Die Klinik in Ahlhorn hält 60 Betten vor. Sie nimmt aber schon länger keine neuen Patientinnen und Patienten mehr auf. Dem Träger zufolge müsste der Tagessatz pro Patient um 200 Euro steigen - von 320 auf 520 Euro.