Der nordrhein-westfälische SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott hat eine Debatte über die ungleiche Verteilung von Wohlstand in Deutschland gefordert. "Wenn wir wollen, dass es einen wirklichen Aufschwung gibt und dass die Leute wieder anpacken und sagen "es geht nach vorn", dann muss man eben in Deutschland auch nochmal darüber reden, wie Einkommen hier verteilt ist", sagte er am Morgen im Deutschlandfunk.
Dass Wohlstand ungerecht verteilt ist, sei eine klare Mehrheitsmeinung, sagte Ott mit Verweis auf eine Umfrage des WDR. Dieser Befragung zufolge halten 81 Prozent der Deutschen die Wohlstandverteilung für ungerecht. Ott sieht in der Umfrage auch eine Basis für eine Debatte zu Steuern: Knapp zwei Drittel (64 Prozent) befürworten demnach eine Rückkehr zur Vermögensteuer. 61 Prozent sind für eine Anhebung der Steuer auf hohe Erbschaften.
Für die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap im Auftrag des WDR bundesweit 2.084 Menschen aus der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren online und telefonisch zwischen dem 7. und 14. April 2026 befragt.
Kritik an der CDU - und an eigener Partei
Es gebe im Land so viele Millionäre und Milliardäre wie nie zuvor, die als Profiteure der vergangenen Jahre endlich einen größeren Beitrag leisten müssten, so Ott. Ihm zufolge ist es der falsche Weg, berufstätige Familien weiter zu belasten, während große Vermögen unangetastet blieben. Die Geschichte zeige: Wer in einer Krise die gesellschaftliche Mitte belastet, könne keinen wirtschaftlichen Aufschwung erwarten und brauche sich nicht wundern, wenn die politische Rechte erstarke.
Ott warnte davor, dass berufstätige Familien zunehmend den Eindruck gewinnen, sie allein müssten für die Folgen globaler Krisen aufkommen. Er kritisierte den Einfluss von Wirtschaftsverbänden und Experten, die ständig neue Reformen forderten, welche am Ende zu finanziellen Nachteilen für die Bürger führten. In der SPD fehle derzeit eine kräftige Stimme, die klar sage: "Schluss, das geht so nicht".
Ohne eine spürbare Entlastung der Mitte ließen sich keine Aufbruchstimmung und Zuversicht erzeugen. Im WDR-Morgenecho sagte Ott: "Wenn die CDU meint, man müsse insbesondere die, die hart arbeiten gehen, dann auch noch belasten, dann ist das schlicht der falsche Weg."