Ungewöhnlicher Aufwand: Polizisten in NRW haben nach dem spektakulären Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen insgesamt 4.491 Zwölf-Stunden-Schichten geschoben. Das geht aus einem Papier des Innenministeriums für den Düsseldorfer Landtag hervor.
Laut Polizei ging es bei den Sonderschichten um "Aufgaben wie die Beweissicherung und Asservierung von Gegenständen im Tresor- und Archivraum, aber auch Zeugen- und Geschädigtenvernehmungen sowie Ermittlungen hinsichtlich eingegangener Hinweise."
Zehntausende Gegenstände gesichtet
Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte wenige Wochen nach dem Millionen-Coup bereits gesagt, dass im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr und sieben Tagen die Woche ermittelt werde. Unter anderem mussten im verwüsteten Tresorraum zehntausende Gegenstände gesichtet und dokumentiert werden.
Die Besondere Aufbauorganisation (BAO) der Polizei umfasste zeitweise 350 Ermittler. Im März wurde aus der BAO eine Ermittlungskommission mit dem Namen "Kernbohrer". In dem Team seien weiter "zahlreiche" Kollegen, so eine Sprecherin der Gelsenkirchener Polizei: "Schwerpunkte liegen weiterhin auf der Geschädigtenvernehmung, Auswertung von Spuren und Prüfung von Zeugenhinweisen." Weitere Auskünfte könne man "aus taktischen Gründen derzeit nicht erteilen".
Lange Schichten auch wegen Anschlags-Gefahr
Die Frage nach den Zwölf-Stunden-Schichten war von der SPD-Fraktion im Landtag aufgebracht worden. Die Abgeordnete Christina Kampmann wollte unter anderem von der Regierung wissen, in welchen Fällen diese Sonderregelung seit 2024 angewendet wurde.
Neben dem Sparkassen-Einbruch von Gelsenkirchen wurden die langen Schichten laut Antwort des Innenministeriums nur noch im Zusammenhang mit der Gefahr eines Anschlags in Essen 2025 geschoben. Im Juli war ein Mann wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Im Vergleich zu Gelsenkirchen, wo fast 5.000 Zwölf-Stunden-Schichten zusammenkamen, waren es bei dem Essener Fall 1.781.
Die SPD-Abgeordnete Christina Kampmann forderte "die ernsthafte Prüfung, ob für solche wiederkehrenden Sondereinsätze dauerhaft speziell dafür vorgesehenes Personal vorgehalten werden muss, um die reguläre kriminalpolizeiliche Arbeit nicht weiter zu schwächen."