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VW: Die Generation Polo

Wollte ein Literat die Gegenwart in einem Auto verdichten, hieße das Buch "Generation Polo". Längst hat der Polo den Golf in der Gunst der Käufer abgelöst. Im Schatten des großen Bruders ist der Polo in jeder Beziehung gewachsen.

Kleinwagen haben nicht erst seit der Abwrackprämie Konjunktur. Bei den Edel-Herstellern stottert der Motor im Jahr 2009 gewaltig, bei Volkswagen läuft er rund. Die TSI-Motoren werden rund um die Uhr produziert. Der Betriebsrat segnet Sonderschichten ab. Der Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen, Martin Winterkorn, sonnt sich in behaglicher Zufriedenheit, wenn er sich bei der Präsentation über den neuen Polo beugt. Der ist groß geworden, erwachsen sagt man.

Konzentration und Emotion

Die Liebe und Leidenschaft von der Winterkorn spricht, die in den neuen Polo geflossen seien, sind kein barocker Überschwang. Liebe zur Konzentration und Leidenschaft der Beschränkung, könnte man die Wolfsburger Gefühlswelt übersetzen. Tatsächlich fährt der Polo einem ganz anderen Ziel entgegen als die allermeisten anderen Autos. So viele andere versuchen, mit mehr oder minder opulenten Mitteln immer mehr Emotion ins Blech zu pusten. Kleinwagen werden zu Lifestyle-Nachtschwärmern aufgehübscht und oder zu Pseudo-Geländewagen, denn mit riesigen Reifen wirkt der allwöchentliche Windeleinkauf viel abenteuerlicher. Der Polo dagegen setzt auf eine pure, eine reine Formensprache, mit klaren vertikalen Linien. Umrahmt von den ausdrucksvollen Frontscheinwerfern thront vorn der konzentrierte Grill. Auch in der Rückansicht prägen die Scheinwerfer das Bild. Fünfeckig, erhaben wirken sie fast aufgeklebt auf das Metallchassis. ChiChi und Firlefanz findet man nicht, dafür echte Werte des reinen Automobilbaus. Lenkung, Fahrwerk und Schaltung arbeiten präzise und genau. Der Wagen liegt eben gerade so hart auf der Bahn, dass es nicht unangenehm wird. Das Raumangebot reicht vollkommen aus.

Das Auto des Wesentlichen

Der Polo ist die rationale Art des Autos, das auf nichts verzichtet, aber eben auch nicht von allem zu viel anbietet. In den Sitzen findet man sportlichen Platz, Raum zum Lümmeln gibt es aber nicht. Für eine vierköpfige Familie wäre der Polo möglich, aber knapp bemessen. Bei zwei und drei Personen bietet er genug von allem. Im Vergleich zum Vorgänger ist er auch tüchtig gewachsen: Drei Zentimeter mehr Breite und mehr als fünf Zentimeter mehr Länge. Er schafft so Platz für die Modelle weiter unter in den Hierachie, den Fox und die kommende Up-Familie. Ein großes Plus geht generell an die Verarbeitung. Bislang herrschte in der Klasse unterhalb des Golfes gern der Rotstift gepaart mit einer gewissen Lieblosigkeit. Dies kann man dem Polo an keiner Stelle vorwerfen. Unter Spaltmaßen und Fugen mag sich der Laie gar nichts vorstellen. Die Qualität des Polo ist dabei ganz leicht zu erfahren. Beim Probefahren den Arm aus dem Fenster legen und über die zentrale vertikale Linie gleiten lassen – danach das Gleiche bei einem anderen Wagen der Klasse probieren. Blechfalten sind eben nicht Blechfalten, der Polo legt Welten zwischen sich und manchem Mitbewerber.

Mit 60 PS-Motörchen für die City und der einfachsten Ausstattung kostet der durchaus erwachsene Wagen mit zwei Türen etwa 12.000 Euro. Dafür gibt es immerhin ein ESP-System, eine geteilt umklappbare Rücksitzbank und einige Komfortzutaten – allerdings keine Klimaanlage. Das wäre die sparsamste Variante. Mit höherer Ausstattung, einem der sehr empfehlenswerten im Spätsommer verfügbaren TSI-Motoren sollte man sich auf Listenpreise von 16.000 bis 18.000 Euro einstellen. Wer möchte, kann dann auch das DSG-Getriebe hinzubestellen. Das Siebengang-Doppelkupplungstriebe lässt alle Konkurrenzangebote in der Kleinwagenklasse weit hinter sich. Der Wust an weiterem Oberklassen-Zubehör fällt beim Polo zunächst bescheidener aus als beim Golf, dafür bleibt auch der auskonfigurierte Polo im Verkaufsraum bezahlbar.

Zum Start wird es den Polo nicht mit dem 1.2 TSI-Motor geben. Als zunächst schnellstes Modell der Baureihe kommt er auf 190 km/h. Ein Motor, auf den es sich aber zu warten lohnt. Sparsamkeit und Elastizität finden nicht ihresgleichen. Der 75 PS starke 1.6 TDI ist allerdings ein noch sparsamer Vertreter. Im Mix werden 4,2 Liter angegeben. Ein realistischer Wert, denn auch bei einer sehr am Fahrspaß orientierten Fahrweise blieb der Verbrauch bei 5.5 Liter. Im Sommer soll es für den 90 PS Diesel ein Blue-Motion-Paket geben. Dann sinkt der Verbrauch auf 3,6 Liter und der CO2-Wert auf 96 g/km.

VW: Eine Dimension für sich

Volkswagen ist etwas Besonderes, nur so lässt sich das pralle Selbstvertrauen der VW-Oberen erklären. Die Marke, die es wagt, ihre Fahrzeuge "Das Auto" zu nennen, ist mit gleichem Recht "Die Firma". Dem Elend der Massenhersteller, die unter dem Diktat des günstigsten Preises leben, ist Volkswagen entronnen. Ein sogenannter "Premiumhersteller", der nur noch erlesene Kreationen für die oberen zwanzig Prozent baut, ist Volkswagen aber auch nicht. VW zeigt mit dem Polo den richtigen Wagen zur richtigen Zeit. BMW und Mercedes mögen mit 5er GT, Z4, E-Klasse und hübschen Coupés vielleicht die richtigen Wagen anbieten, wenn die weltweite, erlesene Kundschaft dank Bankenrettung wieder bei Kauflaune ist, aber im Hier und Jetzt eines Deutschlands in der Krise wirken diese technischen Meisterleistungen deplaziert. Sie finden nicht die richtigen Antworten für die Zeit und haben sich ohnehin vom Großteil der Bevölkerung als Kunden abgekoppelt - schon vor der Krise.

Der Polo ist dagegen ein Volkswagen. Für den Privatkunden ist er der Golf von heute. Und noch nie wurde man von Volkswagen besser bedient. Für ein normales Einkommen ist selbst ein Polo immer noch kein Schnäppchen, aber die gebotene Wertigkeit rechtfertigt den Preis allemal. Zu Bemängeln gibt es eigentlich nichts. Nur eines konnte man mit Krabbeln, Wühlen und Verrenkungen im Innenraum entdecken, was noch zu verbessern wäre: Die Passungen für den Anschluss des IPods sehen aus wie bei einem TV-Gerät von der Resterampe. Hier hat Martin Winterkorn offenbar noch nicht nachgesehen.

Gernot Kramper

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.