Notfallversorgung Hilfe aus der Luft rund um die Uhr

Rettungshubschrauber in Mainz jetzt rund um die Uhr im Einsatz. (Symbolbild) Foto: Fabian Sommer/dpa
Rettungshubschrauber in Mainz jetzt rund um die Uhr im Einsatz. (Symbolbild) Foto
© Fabian Sommer/dpa
Sie kommen, wenn es besonders ernst ist, schnell gehen muss, die Wege weit oder Einsatzorte schwer zugänglich sind. Einer von fünf Rettungshubschraubern in Rheinland-Pfalz fliegt jetzt auch nachts.

Rheinland-Pfalz hat die Flugrettung ausgeweitet: Der in Mainz stationierte Rettungshubschrauber "Christoph 77" ist seit Jahresbeginn rund um die Uhr im Einsatz - und nicht mehr nur von 6 bis 22 Uhr. Dreimal sei er in den Nachtstunden bereits unterwegs gewesen, sagte der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung GmbH, Frédéric Bruder, am sechsten Tag der neuen Regelung in Mainz. 

Wo sind die Rettungshubschrauber stationiert?

Insgesamt gibt es fünf Stationen: "Christoph 77" steht an der Universitätsmedizin Mainz, "Christoph 5" an der BG Klinik Ludwigshafen, "Christoph 23" am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz, "Christoph 10" am St.-Elisabeth-Krankenhaus Wittlich und "Christoph 66" auf dem Flugplatz im pfälzischen Imsweiler. 

"Christoph 12" gehört laut der ADAC Luftrettung zu den am meisten eingesetzten Rettungshubschraubern in Deutschland. In Koblenz stellt die ADAC Luftrettung die Piloten für "Christoph 23", das medizinische Personal kommt vom Bundeswehrzentralkrankenhaus. 

Der Hubschrauber in Mainz war früher schon einmal im 24-Stunden-Betrieb, das wurde 2007 beendet, fortan flog er nur noch tagsüber. 2019 wurde das Einsatzfenster auf 6 bis 22 Uhr erweitert, nun folgte probeweise der Schritt zurück zum Rund-um-die-Uhr-Betrieb. Alle anderen Rettungshubschrauber im Land stehen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zur Verfügung. 

Auch Nachbarländer unterstützen

Perspektivisch könne auch ein Hubschrauber an einem anderen Standort rund um die Uhr im Einsatz sein - wie etwa in der Pfalz. Dies werde nach sechs Monaten Erfahrungen in Mainz evaluiert. 

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Hilfe kommt im Ernstfall aber auch aus Nachbarbundesländern, vor allem von "Christoph 16" in Saarbrücken und "Christoph 25" im nordrhein-westfälischen Siegen. Im Westen von Rheinland-Pfalz kann seit 2005 außerdem noch von der Integrierten Leitstelle Trier der am Flughafen Luxemburg-Findel stationierte Rettungshubschrauber "Air Rescue 3" der Luxembourg Air Rescue (LAR) alarmiert werden

Aufgabenträger ist jeweils das rheinland-pfälzische Innenministerium, die Leistung erbringt die gemeinnützige ADAC Luftrettung. Eine Crew besteht in der Regel aus speziell geschulten Piloten, einem Notarzt und einem Notfallsanitäter - nachts sind es zwei Piloten. 

Wie häufig gehen die Rettungshubschrauber in die Luft?

"Christoph 77" ist seit Ende 2024 eine Maschine vom Typ H145 des Herstellers Airbus. Die kann mehr Gewicht zuladen als das Vorgängermodell - etwa Personal, Ausrüstung oder mehr Treibstoff. Letzteres ermöglicht größere Reichweiten. Die neuen Hubschrauber seien auch leiser, hieß es.

Im Jahr 2024 zählte der ADAC Mittelrhein für alle in Rheinland-Pfalz stationierten Rettungshubschrauber 7.907 Einsätze. Das waren etwas weniger als die 8.761 aus dem Jahr davor. Als Gründe für den Rückgang nannte der ADAC neben normalen Schwankungen wetterbedingte Flugausfälle, erweiterte Befugnisse für Notfallsanitäter und den zunehmenden Einsatz von Telenotärzten. 

In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen vier Telenotarzt-Standorte, in Ludwigshafen, Trier, Kaiserslautern und Mainz. Seit Anfang Oktober vergangenen Jahres läuft das System im 24-Stunden-Betrieb. Es ermöglicht es Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, aus dem Rettungswagen heraus einen Telenotarzt digital zuschalten.

Wann kommt ein Rettungshubschrauber?

Im Fachjargon werden Rettungshubschrauber als wichtige Ergänzung zum "bodengebundenen Rettungsdienst" bezeichnet. Sie ergänzen also andere Rettungsmittel wie Rettungswagen oder Notarztwagen und können besonders dann eminent wichtig werden, wenn die Anfahrt zu einer Einsatzstelle weit oder das Gelände nicht leicht erreichbar ist. 

Gerufen wird die Luftrettung nach Angaben der ADAC Luftrettung am häufigsten wegen Unfällen, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Bei fast jedem zehnten Patienten handelt es sich nach Angaben des ADAC um Kinder oder Jugendliche. 

Genutzt werden die Maschinen aber längst nicht nur bei Notfällen, sondern auch für sogenannte Sekundärtransporte, wenn also Patientinnen und Patienten von einer Klinik in eine andere verlegt werden. Das wird insofern immer bedeutender, als dass sich Krankenhäuser zunehmend spezialisieren. Hier kommt "Christoph 77" aus Mainz sowie "Christoph 66" in Imsweiler eine besondere Bedeutung zu. Sie sind Intensivtransporthubschrauber. 

Was ist das besondere an Nachtflügen?

Für Flüge in der Nacht ist besondere Technik nötig. Notfalleinsätze können dann auch Landungen in unbekannten und unbeleuchtete Arealen nötig machen. Geflogen wird mit speziellen Nachtsichtbrillen. Diese verstärken laut ADAC Luftrettung das vorhandene, natürliche Restlicht. Es geht unter anderem darum, Hindernisse wie etwa Hochspannungsleitungen oder Windräder frühzeitig zu erkennen. 

Piloten, die nachts unterwegs sind, absolvierten eine spezielle Ausbildung, denn solche Flüge hätten einige Besonderheiten, erklärt die ADAC Luftrettung. Die Nachtsichtbrillen seien zwar einerseits eine Unterstützung, schränkten gleichzeitig jedoch das Sichtfeld und das räumliche Sehvermögen ein. Um den Blick zur Seite zu wenden, muss demnach immer der gesamte Kopf gedreht werden. Die Instrumente im Cockpit wiederum könnten nur unter der Brille hindurch abgelesen werden - eine Herausforderung für Augen und Nackenmuskulatur, wie die Rettungsorganisation betont.

dpa

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