Busse und Bahnen stehen still
Warnstreik legt Nahverkehr lahm – weitere Ausfälle drohen

Kaum Verkehr: Viele Busse und Bahnen bleiben im Depot. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Kaum Verkehr: Viele Busse und Bahnen bleiben im Depot. Foto
© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Busse und Bahnen stehen vielerorts still, Pendler müssen improvisieren. Und die Lage könnte sich schon bald weiter verschärfen.

Zum Auftakt eines viertägigen Warnstreiks ist der Nahverkehr in weiten Teilen Sachsen-Anhalts am Donnerstag weitgehend zum Erliegen gekommen. In Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau fuhren Busse und Straßenbahnen nur eingeschränkt oder gar nicht, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Pendler, Schülerinnen und Schüler mussten sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen.

Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich in Magdeburg rund 300 Beschäftigte der Verkehrsbetriebe, in Dessau etwa 150. Auch in Halle sei die Beteiligung hoch gewesen. Die Beschäftigten fordern vor allem Entlastungen bei den Arbeitszeiten. Nicht selten komme es zu 12-Stunden-Tagen, etwa durch Leerzeiten und Rückwege vom Ort des Dienstendes, sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär Benjamin Schladitz.

Viele Fahrgäste mussten kurzfristig umplanen. Vor Haltestellen warteten teils vergeblich Menschen auf Busse und Bahnen, andere wichen auf Autos, Fahrräder oder Mitfahrgelegenheiten aus. Vor allem im Berufsverkehr kam es zu spürbaren Einschränkungen.

Nur eingeschränkter Verkehr in Magdeburg und Halle

In Magdeburg richteten die Verkehrsbetriebe einen Notbetrieb ein. Zwischen 6.00 und 20.00 Uhr verkehrten nur wenige Straßenbahn- und Buslinien in größeren Abständen. Auch einzelne Schulbusse und die Buslinie 42 waren unterwegs. Nach Angaben der Verkehrsbetriebe soll ein eingeschränkter Notverkehr auch am Freitag sowie am Wochenende angeboten werden.

Am Samstag und Sonntag ist demnach ein Grundangebot geplant - allerdings nur in der Zeit etwa zwischen 9.30 und 17.00 Uhr und mit weiter reduziertem Liniennetz. Für den gesamten Notverkehr gilt, dass es keinen festen Fahrplan gibt und es zu Abweichungen kommen kann.

In Halle lief der Verkehr ebenfalls nur eingeschränkt. Das Unternehmen hatte für alle Streiktage einen Ersatzfahrplan organisiert. Mehrere Straßenbahnlinien waren in Betrieb, allerdings mit deutlich reduziertem Angebot.

Kompletter Stillstand in Dessau-Roßlau

Ganz anders die Lage in Dessau-Roßlau: Dort stand der Nahverkehr nach Angaben der Gewerkschaft vollständig still. Ein Ersatzangebot gab es nicht. Pendler und Schüler mussten dort komplett auf alternative Verkehrsmittel ausweichen.

Für viele Fahrgäste bedeutet der Streik erhebliche Einschnitte im Alltag. Die Verkehrsbetriebe raten, nicht notwendige Fahrten zu verschieben und sich vorab über aktuelle Verbindungen zu informieren. Regionalzüge und S-Bahnen verkehren weiterhin regulär, da sie nicht vom Streik betroffen sind.

Burgenlandkreis zunächst ohne Streik – Ausstand folgt später

Im Burgenlandkreis fuhren Busse dagegen zunächst weiter. Die Gewerkschaft hatte den dort geplanten Streik kurzfristig zurückgenommen, nachdem die Personenverkehrsgesellschaft (PVG) gerichtlich dagegen vorgegangen war.

Allerdings kündigte Verdi bereits neue Arbeitskämpfe an: Von Dienstag bis Freitag kommender Woche soll der Streik nachgeholt werden. Für Fahrgäste könnte das besonders spürbar werden, da der Ausstand dann an Werktagen statt am Wochenende stattfindet und damit stärker in den Schul- und Berufsverkehr eingreift.

Verdi wirft der Arbeitgeberseite vor, den Konflikt verschärft zu haben. "Die Geschäftsführung der PVG Burgenlandkreis hat mit ihrem gerichtlichen Vorgehen das Gegenteil von dem erreicht, was sie offenbar bezweckte", sagte Verhandlungsführer Paul Schmidt. Statt den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen, habe die PVG den Tarifkonflikt eskalieren lassen und den Schaden für die Bevölkerung vergrößert.

Eine Stellungnahme der PVG war zunächst nicht zu erhalten.

Arbeitgeber kritisieren Streiks als unverhältnismäßig

Die Arbeitgeber forderten unterdessen ein Ende der Arbeitskämpfe. Der Kommunale Arbeitgeberverband Sachsen-Anhalt verwies auf das juristische Vorgehen im Burgenlandkreis und sieht darin ein Indiz dafür, dass die Gewerkschaft selbst Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Streiks habe. Zugleich habe der Verband weitere Verhandlungstermine angeboten.

Hintergrund sind festgefahrene Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr. Verdi fordert unter anderem eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sowie bessere Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeber halten dies für finanziell nicht darstellbar.

Weitere Ausfälle am Freitag erwartet

Für zusätzliche Belastungen sorgt ein weiterer Warnstreik am Freitag: Dann sollen auch im Regionalbusverkehr in mehreren Landkreisen - etwa im Harz, in der Altmark und im Salzlandkreis - Busse ausfallen. Hintergrund ist ein separater Tarifkonflikt.

Damit dürfte sich die Lage für viele Fahrgäste im Laufe der Woche weiter zuspitzen.

dpa