Wirtschaft Wirtschaftsverbände wollen Bürokratieabbau vorantreiben

Sächsische Wirtschaftsverbände wollen weniger Bürokratie. Neue Vorschläge zielen auf schnellere Verfahren und mehr Digitalisieru
Sächsische Wirtschaftsverbände wollen weniger Bürokratie. Neue Vorschläge zielen auf schnellere Verfahren und mehr Digitalisierung. (Symbolbild) Foto
© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Doppelte Meldepflichten, Papierkrieg und lahme Prozesse: Sachsens Wirtschaft fordert radikale Entlastung – und liefert konkrete Ideen, um Unternehmen endlich Luft zu verschaffen.

Über den alltäglichen bürokratischen Wahnsinn in seinem Unternehmen kann Michael Kauffmann nur mit einer gewissen Portion Humor sprechen. Im Betrieb des 52-Jährigen in Jöhstadt im Erzgebirgskreis werden Pumpen gebaut, die in den Händen von Feuerwehren Brände löschen und Leben retten helfen. Die Bürokratie allerdings kommt ihm vor, wie ein Feuer, das man nicht löschen kann: "Von wegen weniger - es kommt mehr dazu, aber es fällt nichts weg. Das ist das Problem", so Kauffmann. 

Beispiele für überbordende Bürokratie fallen ihm viele ein: Das Unternehmen liefert in alle Welt. 120 Mitarbeitende sind bei dem Maschinenbauer tätig. Nötige Formulare zur Sozialversicherung bei Dienstreisen, Papierkram zum Nachweis bei Finanzämtern, Dokumentations- und Meldepflichten bei Land, Bund und EU. "Wir haben bestimmt am Tag zwei Stunden mit solchen bürokratischen Sachen zu tun. Das sind so geschätzt bei 220 Arbeitstagen um die 400–500 Stunden im Jahr", schätzt der Unternehmer, der zugleich Vizepräsident des Branchenverbands Sachsenmetall ist. 

Unternehmer beklagt Statistik-Wahn im Alltag

Zu unzähligen Themen müsse der Betrieb Angaben machen, zählt Kauffmann auf: "Klimawirksame Stoffe, Verpackungen, Umweltschutz, Investitionen, Abfälle, Energieverwendung, Lösemittelbilanz, Giftgefahrstoffe. Da frage ich mich manchmal: Benutzt die überhaupt jemand?" 

Kauffmanns Vorschlag ist simpel: Für jede neue Regel, sollte man zwei alte abschaffen. Die Idee findet sich neben einer Reihe anderer in einer Studie, die das Dresdner Institut für Mittelstand und Regionalentwicklung (Imreg) im Auftrag Sachsenmetalls und der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) erstellt hat.

Die Studie der Unternehmensverbände schlägt einen deutlich ambitionierteren Bürokratieabbau in Sachsen vor, einschließlich Sofortmaßnahmen und verbindlicher Ziele. Vereinfachte Meldepflichten, weniger Regulierung und schnellere Visa- und Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte sollen die Unternehmen spürbar entlasten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Sachsen sichern. Die vorliegende Studie solle als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit der sächsischen Landespolitik dienen, sagte Sachsenmetall-Hauptgeschäftsführer Carsten Büttner der Deutschen Presse-Agentur. 

Ohnehin hat sich die sächsische Staatsregierung für 2026 mehr Tempo beim Bürokratieabbau auf ihren Aufgabenzettel geschrieben. Eine Reformkommission soll im Frühjahr 2026 einen Bericht vorlegen, sagte Staatskanzleichef Andreas Handschuh im vergangenen September der "Leipziger Volkszeitung" und der "Sächsischen Zeitung". 

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Studie identifiziert die 27 größten Bürokratieprobleme

Die Aufgabenliste von Sachsenmetall und VSW ist klar: 27 konkrete Bürokratieprobleme gilt es laut der vorgestellten Studie zu lösen. Dafür hat das Imreg nach eigenen Angaben fünfzehn Mitgliedsunternehmen zu bürokratischen Hürden befragt und die Lösungsvorschläge erarbeitet. Typische Kritikpunkte der Befragten sind demnach doppelte Dokumentations- und Meldepflichten wegen fehlendem Datenaustausch unter Behörden, uneinheitliche Vorgehensweisen und Formulare von Kommune zu Kommune sowie nicht konsequent digitalisierte Prozesse, für deren Abschluss letztlich Postverkehr und Unterschriften nötig sind. 

Für den Sachsenmetall-Vizepräsidenten und Unternehmer Kauffmann ist klar: Zahlreiche alte Regeln und Pflichten gehören ausgemustert. "Wenn wir ein neues Produkt haben, dann mustern wir auch das alte aus", so der Geschäftsführer. "Das muss doch bei sowas auch gehen."

dpa

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