Das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz bereitet den Umzug auf seinen neu gebauten Campus in der Neißestadt vor. In dem Komplex unweit des Bahnhofs werden künftig Forschung, Sammlung und Lehre konzentriert sein, sagte Museumsleiterin Kristin Baber. Für Mitte 2026 rechnet sie mit der Übergabe der Gebäude. Bereits am 22. Mai eröffnet das Museum am Marienplatz die Ausstellung "Eingepackt & ausgepackt", die den Umzug auf das neue Gelände begleiten soll. "Die Präsentation wird sich in den kommenden zwei Jahren immer wieder verändern", kündigte Baber an.
Die Bauarbeiten für den Institutscampus von Senckenberg hatten 2020 begonnen. Nach Angaben von Baber wurden rund 79 Millionen Euro investiert, um mehr Platz für die auf Bodenzoologie spezialisierte Forschungseinrichtung zu schaffen. Mit etwa 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei diese derzeit noch an sieben Standorten in Görlitz untergebracht. "Wir sind über die Jahre gewachsen und platzen überall aus den Nähten", räumt die Museumsleiterin ein. Auf dem neuen Campus mit kurzen Wegen sei es möglich, verstärkt interdisziplinär zu arbeiten.
Sieben Millionen Einzelobjekte
Wissenschaftliche Sammlungen mit rund sieben Millionen Einzelobjekten sowie Bibliothek, Labore und Arbeitsbereiche werden dazu an einem Ort zusammengeführt. "Die ersten Lkw werden Ende dieses Jahres rollen", blickt Baber voraus. Das "große Packen" beginne allerdings schon jetzt. Voraussichtlich bis 2028 werde der Umzug dauern. Bis auf das 1860 eröffnete Museum am zentralen Marienplatz werden alle Standorte aufgegeben, in denen sich das Institut eingemietet habe.
Den Fortschritt des Umzugs können Interessierte in der Eingangshalle des Stammgebäudes mitverfolgen und sich dabei regelmäßig auf den aktuellen Stand bringen. Die begleitende und sich dynamisch entwickelnde Ausstellung soll sichtbar machen, "wie vielfältig unsere Bestände sind und vor welchen Herausforderungen wir stehen", sagte Baber. Die Bandbreite der Sammlungstätigkeit werde an realen Objekten zu sehen sein, etwa aus der Botanik, Zoologie oder Geologie. Das Museum wolle Packszenerien illustrieren und Besucher durchaus "direkt in die Kiste schauen lassen".
Die etablierte Forschungseinrichtung in Görlitz war bis 2009 ein Landesmuseum des Freistaates Sachsen. Seither gehört das Institut zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die elf Standorte in sieben Bundesländern hat.