Linke-Antrag beschlossen
Bessere Versorgung für Betroffene sexueller Gewalt

Thüringen soll weiterhin die Kosten der vertraulichen Spurensicherung bei nicht versicherten Menschen übernehmen. (Symbolbild) F
Thüringen soll weiterhin die Kosten der vertraulichen Spurensicherung bei nicht versicherten Menschen übernehmen. (Symbolbild) Foto
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Nach sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen können Betroffene die vertrauliche Spurensicherung nutzen. Die Verfügbarkeit soll sich in Thüringen nun verbessern.

Betroffene sexueller Übergriffe und von Vergewaltigungen sollen einen besseren Zugang zur vertraulichen Spurensicherung bekommen. Einen entsprechenden Antrag der Linke-Fraktion verabschiedete das Parlament in Erfurt mit Stimmen aller Fraktionen. Er sieht auch vor, dass der Freistaat weiterhin Kosten dafür übernimmt, wenn betroffene keine Krankenversicherung haben. 

Die Linke-Abgeordnete Lena Saniye Güngör sagte, Betroffene stellten in höchsten zehn Prozent der Fälle tatsächlich Strafanzeige. "Gewalt ist weiterhin tief verankert in unserer Gesellschaft." Besonders Frauen und Kinder seien betroffen. Es sei beängstigend, dass viele Opfer sexueller Gewalt den Täter bereits kannten.

Kooperationen mit Uniklinik Jena geplant

Der Antrag sieht zudem vor, dass die Landesregierung die vertrauliche Spurensicherung weiter ausbauen soll. Derzeit erfolgt in Thüringen die anonyme Sicherung von Spuren ausschließlich über die Rechtsmedizin des Jenaer Universitätsklinikums. Das soll sich ändern. Geplant sind demnach Kooperationsvereinbarungen mit Kliniken in Zentral-, Ost-, Süd-, West- und Nordthüringen, die bis 30. September unter Dach und Fach sein sollen.

Ein Stück Kontrolle in einer Ausnahmesituation 

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Cornelia Urban, sagte, die vertrauliche Spurensicherung sei unverzichtbar. "Denn sie gibt den Menschen in einer absoluten Ausnahmesituation etwas zurück, das rohe Gewalt ihnen genommen hat: ein Stück Kontrolle." Urban betonte, dass eine Informationskampagne geplant sei. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass es diese Form der Spurensicherung gibt. "Thüringen schaut nicht weg."

dpa