Schwimmbäder
Saisonstart trotz Fachkräftemangel in Thüringer Freibädern

In Thüringen sind viele Freibäder trotz Fachkräftemangel bereit für die Sommer-Saison. (Archivbild) Foto: Bodo Schackow/dpa
In Thüringen sind viele Freibäder trotz Fachkräftemangel bereit für die Sommer-Saison. (Archivbild) Foto
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In Thüringer Freibädern fehlen Rettungsschwimmer und Bademeister. Dennoch geben viele Betreiber für die neue Saison Entwarnung. Was bedeutet das für den Start in den Sommer und die Besucher?

In Thüringen können die meisten Freibäder trotz des Fachkräftemangels wie geplant in die Sommersaison starten. In den vergangenen Jahren fehlten immer wieder Rettungsschwimmer und Bademeister, die den Betrieb absichern, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister in Thüringen der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch sind zahlreiche Freibäder im Freistaat für den Saisonstart gut vorbereitet: Viele Betreiber haben frühzeitig vorgesorgt, sodass einem Start im Mai vielerorts nichts im Wege steht.

In größeren Städten zeigt sich die Lage aktuell stabil. In Erfurt sollen das Nordbad, das Dreienbrunnenbad, das Freibad Möbisburg sowie das Strandbad Stotternheim planmäßig in die Saison starten. Die SWE Bäder GmbH geht davon aus, dass der Betrieb ohne größere Einschränkungen möglich ist.

Stabilität mit Vorbereitung erkauft

Auch andernorts sind die Voraussetzungen gut. In Nordhausen, Blankenhain und Friedrichroda können die Freibäder nach Angaben der Stadtwerke Nordhausen sowie der Stadtverwaltungen Blankenhain und Friedrichroda ohne Einschränkungen in die Saison gehen. Grund dafür sei unter anderem, dass man aus den vergangenen Jahren gelernt und sich frühzeitig um Personal bemüht habe.

Der Fachkräftemangel macht sich dennoch weiterhin in der Branche bemerkbar. Bundesweit fehlen nach Schätzungen des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister etwa 3.500 Fachkräfte im Bäderbetrieb. Besonders ausgebildete Bademeister, sogenannte Fachangestellte für Bäderbetriebe, sind knapp. Auch in diesem Jahr müssen deshalb in Thüringen einzelne Freibäder ihren Betrieb einschränken. Vor allem ländliche Regionen kämpfen mit Engpässen.

Wenn Personal fehlt, schrumpfen Öffnungszeiten

So auch in Großbreitenbach im Ilm-Kreis. Dort fehlen in beiden Freibädern Rettungsschwimmer. Die Folge sind eingeschränkte Öffnungszeiten – die beiden Freibäder der Stadt sollen in der kommenden Saison nur noch im Wechsel öffnen, teilte die Stadtverwaltung mit.

Trotz der aktuell besseren Ausgangslage bleibe die Situation angespannt, erklärte der Landesvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister in Thüringen, Christian Kaufmann. "Der Beruf ist für junge Leute nicht mehr attraktiv, das ist unser Hauptproblem." Laut Kaufmann liegt das unter anderem an langen Arbeitszeiten und regelmäßigen Wochenenddiensten. Zudem seien während der Corona-Pandemie viele Beschäftigte aus der Branche abgewandert.

Ehrenamt als Rettungsanker – mit Grenzen

Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, greifen viele Bäder zunehmend auf Unterstützung durch Ehrenamtliche zurück. Die Rettungskräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind inzwischen in vielen Freibädern unverzichtbar. Nach eigenen Angaben bildete der Landesverband Thüringen im vergangenen Jahr rund 390 Rettungsschwimmer aus, insgesamt engagieren sich etwa 3.000 Ehrenamtliche. Punktuelle Engpässe in Bädern könnten so bislang noch ausgeglichen werden, hieß es. Rettungsschwimmer ersetzen jedoch keine Fachkräfte. Sie verfügen nicht über eine vollständige Berufsausbildung als Fachangestellte für Bäderbetriebe. Langfristig sei diese Entwicklung daher keine Lösung.

Angst vor stillem Bädersterben

Kaufmann sorgt sich um die Zukunft der Bäder in Thüringen: "Als Verband haben wir die Sorge, dass freiwillige Leistungen reduziert werden und dadurch ein Bädersterben entsteht." Gründe sieht er im Fachkräftemangel sowie in steigenden Energiekosten, sinkenden Besucherzahlen und teuren Sanierungen, die viele Kommunen unter Druck setzten. Fördermittel fehlten vor allem für kleinere Anlagen.

Seine Hoffnung richtet sich daher auf mehr Unterstützung durch Vereine und ein stärkeres Bewusstsein für den Wert der Einrichtungen. "Man wünscht sich einfach, dass mehr Geld dafür vorhanden wäre und die Leute das mehr zu schätzen wissen."

dpa