Unterricht
Umfrage: Thüringer stehen klar hinter der Schulpflicht

70 Prozent der Befragten lehnen einer Umfrage zufolge den Vorschlag ab, die Schulpflicht durch eine sogenannte Bildungspflicht m
70 Prozent der Befragten lehnen einer Umfrage zufolge den Vorschlag ab, die Schulpflicht durch eine sogenannte Bildungspflicht mit Heimunterricht-Möglichkeiten zu ersetzen. (Symbolbild) Foto
© Bernd Weißbrod/dpa

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Heimunterricht statt Schulpflicht? Die Thüringer haben dazu eine eindeutige Meinung, wie eine Umfrage belegt. Überraschend klar fällt selbst das Urteil von AfD-Anhängern aus.

Eine deutliche Mehrheit der Thüringer lehnt einer Umfrage zufolge eine Abschaffung der Schulpflicht zugunsten einer sogenannten Bildungspflicht mit mehr Heimunterricht ab. Nach einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der CDU-Landtagsfraktion sprechen sich 70 Prozent gegen ein solches Modell aus. 

Nur 24 Prozent würden demnach den Ansatz positiv bewerten, teilte die CDU-Fraktion mit. Auch beim Lernen zu Hause überwiegt demnach die Skepsis deutlich: 79 Prozent der Befragten trauen Heimunterricht keine vergleichbare Bildungsqualität wie dem Unterricht in der Schule zu.

Die AfD will die Schulpflicht zu einer "Bildungspflicht" umwandeln. Eltern sollen demnach wählen können, ob ihre Kinder eine Schule besuchen oder zu Hause unterrichtet werden – unter der Bedingung, dass Bildungsstandards eingehalten und Lernstandskontrollen abgelegt werden. Der jüngste Vorstoß dazu kam von der AfD in Sachsen-Anhalt. 

"Mehr Schule, nicht weniger"

Die CDU-Fraktion wertete die Umfrageergebnisse als Rückenwind für einen gemeinsamen Vorstoß mit BSW und SPD zur Stärkung der Schulpflicht. Die drei Koalitionsfraktionen haben für die kommende Landtagssitzung einen Antrag eingebracht, der eine konsequentere Durchsetzung der Schulpflicht fordert. Er sieht unter anderem eine engere Zusammenarbeit von Schulen, Schulämtern und Jugendhilfe sowie stärkere pädagogische und psychologische Unterstützungsangebote vor. 

"Unsere Kinder brauchen mehr Schule, nicht weniger", sagte dazu CDU-Fraktionschef Andreas Bühl. Schule sei mehr als ein Ort der Wissensvermittlung, sie vermittle auch soziale Kompetenzen und demokratische Werte. 

Skepsis selbst im AfD-Lager

Nach Angaben der CDU zeigt die Umfrage, dass sich die Ablehnung parteiübergreifend durch nahezu alle politischen Lager zieht. Selbst unter AfD-Anhängern würden sich zwei Drittel gegen eine Abschaffung der Schulpflicht aussprechen, hieß es. Zudem bezweifelten 75 Prozent der AfD-Anhänger, dass Heimunterricht die gleiche Qualität wie regulärer Schulunterricht erreichen könne.

Civey hatte den Angaben nach vom 27. April bis 4. Mai 1.000 Thüringer online befragt. Die Schulpflicht ist in Deutschland Ländersache und in den jeweiligen Landesgesetzen geregelt. Das Grundgesetz legt in Artikel 7 fest: "Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates." Eine Änderung hin zu Heimunterricht würde daher Grundgesetzänderungen und Reformen in allen Bundesländern erfordern.

dpa

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