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WM in Katar Warum räumen japanische Fußballfans nach dem Spiel im Stadion auf?

Japanische Fans räumen nach dem Spiel gegen Deutschland im Khalifa International Stadium auf
Japanische Fans räumen nach dem Spiel gegen Deutschland im Khalifa International Stadium auf
© Kyodo News / Imago Images
Bei der Fußball-WM in Katar räumen die japanischen Fans nach den Spielen in den Stadien auf – freiwillig. Warum machen die das?

Nach dem Spiel wird nicht gefeiert, sondern erst einmal aufgeräumt. Damit sorgen die Fußball-Fans bei der Fifa-WM in Katar für Aufsehen. Sie gehen durch die Reihen, sammeln Flaschen und Müll ein. So gesehen beim Spiel Deutschland gegen Japan etwa, das die "Blue Samurai" für sich entscheiden konnten.

Selbst die japanische Mannschaft hinterließ die Umkleide aufgeräumt und im makellosen Zustand, wie ein Foto zeigt.

Schon bei den Fußball-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2014 in Brasilien haben japanische Fans im Stadion aufgeräumt. Damals brachte ihnen das viel Lob ein und inspirierte auch andere Fans zur Reinlichkeit.

Aber warum machen die Japaner das?

Japaner werden zur Reinlichkeit erzogen

Es liegt an der japanischen Gesellschaft, in der Sauberkeit einen hohen Stellenwert hat. Wer einmal in Japan war, dem wird das aufgefallen sein: kaum Müll auf den Straßen, kein Graffiti, keine Schmierereien in U-Bahnen. Es gibt Schilder, die daran erinnern, die Umgebung sauber zu halten.

Den Japanerinnen und Japanern wird schon im Kindesalter gelehrt, die Umwelt zu respektieren. Schon in Grundschulen putzen die Kinder die Klassenräume. Es soll ihnen Lebenskompetenzen, Umweltbewusstsein und Respekt für andere vermitteln.

"Wir können einen Ort nicht verlassen, ohne ihn sauber zu machen. Das ist ein Teil unserer Erziehung, des täglichen Lernens", sagte etwa ein japanischer Fan dem Sender Al Jazeera. "Sauberkeit und Ordnung sind für uns in Japan wie eine Religion und wir schätzen sie", sagte ein anderer Fan.

Respekt ist auch ein Teil der Antwort, warum Japans Fans in den Stadien aufräumen. Takao Teramoto, ein in Australien lebender japanischer Fußballspieler und -trainer, sagte dem australischen Sender SBS News: "Die Japaner sind sehr höflich." Das Verhalten der Fans stehe für die von Respekt geprägte Kultur Japans. Die Japaner würden die Bedeutung der Höflichkeit von klein auf lernen.

"Ein Vogel beschmutzt nicht das Nest, das er verlassen will"

"Wir dürfen nicht vergessen, unsere Gegner zu respektieren. Ich glaube, dass sie sich so verhalten haben, weil sie Respekt vor allen hatten: vor den Spielern, den Trainern, den Schiedsrichtern und dem Personal", sagte er.

Ein Schild in Japan macht darauf aufmerksam, keinen Müll auf die Straße zu werfen
Ein Schild in Japan macht darauf aufmerksam, keinen Müll auf die Straße zu werfen
© Hans Lucas / Imago Images

Japan ist eine Gesellschaft, in der den Menschen immer wieder bewusst gemacht wird, dass sie Teil von etwas sind, das größer und wichtiger ist als der Einzelne. Die in Osaka lebende Makiko Takahashi, die als Übersetzerin arbeitet, sagt: "In Japan haben wir ein Sprichwort: 'Tatsu tori ato wo nigosazu', was übersetzt so viel heißt wie 'Ein Vogel beschmutzt nicht das Nest, das er verlassen will'. In unserer Kultur denken wir, wenn wir einen Ort verlassen, sollten wir aufräumen und keine Unordnung hinterlassen, damit sich die nächste Person nicht angewidert fühlt. Außerdem wird es als besser angesehen, die Dinge mit Anstand zu beenden, anstatt ein Chaos zu hinterlassen oder hartnäckig zu sein."

Die japanische Ordnung und Reinheit haben sich nicht über die Fans in den Stadien in der Welt verbreitet. Die japanische Organisationsberaterin Marie Kondo etwa ist dank ihrer Bücher und einer beliebten Netflix-Serie zu diesem Thema mittlerweile weltweit bekannt.

Quellen: SBS, Al Jazeera, theculturetrip.com

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