VG-Wort Pixel

Lauterbach warnt "Zombieviren" im Permafrost? Wissenschaftler aktivieren 50.000 Jahre alte Erreger wieder

Permafrost Mammut
Immer wieder werden im sibirischen oder kanadischen Permafrost organische Funde gemacht – im Archivbild das Mammut-Baby "Yuka" aus Russland. Auch Krankheitserreger überdauern darin die Jahrtausende
© Ivan Sekretarev / Picture Alliance
Ein Forscherteam hat urzeitliche Viren aus dem Permafrost im Labor wieder aktiviert. Angesichts des Klimawandels könnten die Erreger auch ein Risiko für Menschen darstellen, warnen sie. Bundesgesundheitsminister Lauterbach sieht es ähnlich. 

Etwa ein Viertel der nördlichen Hemisphäre ist mit einem dauerhaft gefrorenen Untergrund unterlegt  – dem Permafrost. Im Permafrostböden sind Tierkadaver oder Pflanzen seit Urzeiten konserviert. In dieser organischen Materie können sich auch Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren befinden und bis zu einer Millionen Jahre überdauern, wie ein Forscherteam des Centre National de la Recherche Scientifique (CRNS) aus Frankreich in einer Preprint-Studie auf dem Portal Biorxiv schreibt. 

Wie die Autor:innen weiter berichten, wäre man bislang (fälschlicherweise) davon ausgegangen, diese „Zombieviren“ würden keine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen. Den Forschern sei es allerdings gelungen, 13 neue Viren aus sieben urzeitlichen Gewebeproben zu charaktierisieren und wieder zu aktivieren. Die Viren könnten demnach 50.000 Jahre oder länger im Eis überdauert haben. Im Labor wurden sie in Zellkulturen erneut virulent. Ein Erreger, als Pandoravirus bezeichnet, sei so groß, dass er bereits mit einem normalen Lichtmikroskop nachgewiesen werden könne - ein Riesenvirus quasi. 

Der Permafrost könnte durch den Klimawandel auftauen – und Erreger freisetzen

Die organischen Proben stammten aus Sibirien, unter anderem von einem Mammut und einem Wolf. Im Wolfsgewebe fanden die Forscher:innen ein Virus, das sie als Pacmanvirus Lupus bezeichnen. Der Name leitet sich von der berühmten Videospielfigur ab, der das Virus unterm Elektronenmikroskop optisch ähnelt. 

Die Wissenschaftler:innen schreiben, im Permafrost könnten sich womöglich noch tausende unbekannte Viren befinden. Manche könnten womöglich auch Menschen infizieren. Da arktische Gebiete verstärkt industriell genutzt werden und zudem der Klimawandel zu einem Auftauen der Permafrost-Böden führen kann, liege hier durchaus auch ein Risiko, heißt es. 

Ein Risiko, das auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht. Er schrieb zu einem Bericht über die Studie bei Twitter: "Der Permafrost taut auf durch den Klimawandel. In den aufgetauten Kadavern sind Viren, mehr als 10.000 Jahre alt. Auch das ist ein Beispiel, wie wir die Kette erst Klimawandel, dann Zoonose, dann Ausbruch, dann Pandemie an uns heranziehen."

Quellen:Biorxiv (Preprint-Studie), "Spektrum", Karl Lauterbach (Twitter)

In der Galerie: Viele haben erst durch die Corona-Impfung wieder in ihren Impfpass geschaut. Dabei schützen Impfungen und deren Auffrischung vor Krankheiten, die man wirklich nicht durchleiden möchte. Ein paar erschreckende Beispiele.

rös

Mehr zum Thema

Newsticker