Ärzte-Vorstoß Kassen gegen "kranke" Raucher


Die Forderung, süchtige Raucher künftig als Kranke einzustufen, stößt bei den Krankenkassen auf wenig Begeisterung. Der AOK-Bundesverband nannte den Vorstoß der Bundesärztekammer gegenüber stern.de einen politischen Schnellschuss ohne Substanz.

Die Krankenkassen wehren sich gegen die Forderung der Bundesärztekammer, Tabak-Abhängigkeit in Deutschland als Krankheit einzustufen und damit auch die bestehenden Honorarregeln zu ändern. Der Vorschlag sei ein politischer Schnellschuss und ohne weitere Substanz, sagte der Sprecher des AOK Bundesverbandes, Udo Barske, gegenüber stern.de.

"Für uns ist die Forderung viel zu schwammig. Um Folgen abwägen zu können, was eine solche Änderung für die Kassenlandschaft bedeutet, müssen wir wesentlich mehr Angaben haben als, von der Ärztekammer bisher vorliegen", meinte Barske. Bisher wisse niemand, ab wann ein Raucher zum Beispiel als süchtig gelte.

Auch der Spitzenverband der Krankenkassen hält wenig von dem Vorstoß der Ärztekammer: "Wir sehen hier keinen besonderen Vergütungsbedarf", sagte Verbandssprecher Florian Lanz der "Frankfurter Rundschau". Beratungsgespräche rund ums Rauchen gehörten zu den Kernaufgaben insbesondere der Hausärzte und würden innerhalb bestehender Pauschalen vergütet.

Lanz verwies darauf, dass die Kassen sich bereits heute bei dem Thema sehr engagierten, indem sie regelmäßige Gesundheits-Checks sowie Spezialprogramme zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes finanzierten. Auch Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg erklärte gegenüber stern.de, die TK sei sehr stark im Bereich der Raucherprävention aufgestellt.

Die Bundesärztekammer hatte am Montag vorgeschlagen, süchtige Raucher künftig auch offiziell als Kranke einzustufen. Es gehe nicht um ein "Lifestyle-Problem", das durch reine Willensanstrengungen oder Gruppengespräche zu beheben wäre, erklärte die Kammer bei einer Anhörung in Berlin, zu der die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) eingeladen hatte.

Mit den Aktionsprogrammen will Bätzing das Rauchen und Trinken weiter zurückdrängen. Derzeit raucht nach ihren Angaben rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland, 9,5 Millionen Menschen trinken Alkohol in "riskanter Weise". 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Brauer, Zigarettenindustrie und Werbewirtschaft stemmen sich aber gegen weitere gesetzliche Auflagen.

Susanne Wächter/MD/DPA/AP AP DPA

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